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Tabuthema Genitalverstümmelung
Aus 10vor10 vom 06.02.2020.
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Aufklärung für Beschnittene «Frauen gelten als schön und sauber, wenn sie beschnitten sind»

In der Schweiz leben rund 22’000 genital verstümmelte Frauen. Viele sind traumatisiert und haben körperliche Beschwerden.

«Ich möchte, dass niemandem mehr so etwas angetan wird wie mir. Es muss aufhören!» Das sagt eine Somalierin, die in der Sprechstunde von Dr. Jasmine Abdulcadir sitzt. Sie ist eine von vielen Frauen, die deswegen zu der Frauenärztin kommen. Sie haben in ihrem Heimatland Schreckliches erlebt und leiden heute noch unter den Folgen.

In 30 Ländern wird Genitalverstümmelung praktiziert: Mädchen und Frauen werden aus Tradition auf verschiedene Arten genital beschnitten. In einigen Regionen danach gar zugenäht.

«Eine der verschiedenen Arten der Genitalverstümmelung ist die Infibulation, dies ist die Verengung der Vulva. Die infibulierten Frauen können unter urinären Problemen leiden, zum Beispiel, dass sie nicht richtig Urin lösen können, weil die Öffnung so klein ist.» Es dauere jeweils 10 bis 15 Minuten, bis ihre Blase geleert sei.

Diese Frauen könnten auch Menstruations- und sexuelle Beschwerden aufweisen, erklärt die Spezialistin für Genitalverstümmelung am Universitätsspital Genf. Diese Verengung kann operativ geöffnet werden. Für eine natürliche Geburt ist eine Operation gar zwingend.

Jasmine Abdulcadir in ihrer Praxis
Legende: Die Frauenärztin Jasmine Abdulcadir arbeitet im Universitätsspital Genf. SRF

Wenn sie dann in der Schweiz sind, merken die Frauen auf einmal, dass Genitalverstümmelung nicht normal ist: «In ihren Herkunftsländern hat sie Tradition, die Frauen gelten als schön und sauber, wenn sie beschnitten sind. Diese Erkenntnis kann in den Frauen ein Leiden auslösen.»

Behutsamer Umgang mit Betroffenen

Es sei deshalb besonders wichtig, dass sie Anlaufstellen hätten, wo sie gut beraten würden: «Die Patientinnen zu informieren, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Betreuung und Behandlung. Ich erkläre zum Beispiel einer 40-jährigen Frau, dass sie eine intakte Klitoris hat, oder kann jemandem mit einer Operation oder einem Rat weiterhelfen. Ich habe Frauen behandelt, die mit 60 Jahren zum ersten Mal offen über ihre Beschneidung sprechen konnten.»

Bericht des Netzwerks gegen Mädchenbeschneidung

Zum internationalen Tag gegen Genitalverstümmelung am 6. Februar hat das Netzwerk gegen Mädchenbeschneidung Schweiz einen neuen Fachbericht veröffentlicht. Es handelt sich um den Leitfaden «Weibliche Genitalbeschneidung (FGM/C) & Kindesschutz, Link öffnet in einem neuen Fenster».

Genitalverstümmelung ist ein Tabuthema – in den betroffenen Familien, aber zum Teil auch beim medizinischen Personal. Seit zehn Jahren führt Abdulcadir Beratungen und Operationen für beschnittene Frauen durch. Sie schult auch Ärzte und Pflegepersonal im In- und Ausland.

Die Thematik sei sehr vielfältig und auch sehr heikel, ein sensibles Vorgehen sei darum zwingend: «Das Erlebnis und die Art der Verstümmelung sind bei jeder Frau anders, ebenso ihr Umgang damit. Die Frauen kommen aus komplett anderen Kulturen. Gewisse kennen ihre Rechte nicht, und viele sprechen eine andere Sprache. Es ist also an uns, sie und ihre Partner in Zusammenarbeit mit zertifizierten Dolmetschern gut zu informieren.»

Sexuelles Empfinden trotz Verstümmelung

Es gibt verschiedene Arten von Genitalverstümmelung, alle sind gemäss der UNO und der Schweizer Rechtsprechung illegal. Einige Formen umfassen auch die Entfernung der Klitoris. Trotz deren Entfernung könnten Frauen aber theoretisch sexuelle Lust empfinden: «Die Klitoris kann nicht vollständig entfernt werden, sondern nur äusserlich. Im Innern ist sie ungefähr 12 Zentimeter gross. Mit oder ohne operativen Eingriff ist es also möglich, dass eine beschnittene Frau Lust verspürt.»

Wenn eine Frau es wünsche, könne der versteckte Teil der Klitoris operativ nach aussen versetzt werden. Der Eingriff an sich dauere eine Stunde, brauche aber eine enge Betreuung davor und danach, nicht nur von der spezialisierten Frauenärztin selbst, sondern auch von einer spezialisierten Psychologin.

Sendebezug: Heute Morgen, 6.2.2020

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Ida Fischer  (Ida Fiischer)
    In vielen afrik. Ländern wird diese perverse Verstümmelung praktiziert und gilt als rituelle heidnische sog, Reinigung. Tiefstes Mittelalter das sich in Euruopa auch billigend von der Politik breit gemacht hat. Dieses Problem ist ja nicht neu. Diese haben kulturellen Hintergrund. Auch die Kinderehen Bygamie oder die Bacha Bazi Traditionen aus Afghanistan für die Geschlechtsverkehr mit kleinen Jungen selbstverständlich ist haben in unserem Kulturkreis nichts zu suchen. Die Politik schläft
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Diese abstrusen Fantasie-Umsetzungen einer Männergilde, welche damit ihre absolute Schwäche/Unfähigkeit und gewalttätigen, kriminellen Seiten aufzeigen und welche daher hinter Gitter gehören und zwar lebenslänglich! Die Opfer erlitten grauenvolle Schmerzen, leiden lebenslänglich unter Schmerzen, Organstörungen und sind lebenslang traumatisiert! Kein anderes Lebewesen käme auf solch abstruse Fantasien, geschweige denn Taten!
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    1. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      es sind aber iR die Muetter die darauf bestehen...
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Hat es mit Hetze etwas zu tun, wenn es mich interessiert, in welcher Kultur dieser grausame Brauch praktiziert wird? Es fällt auf, dass in oben erwähnten Ländern der Islam zu fast 100% vertreten ist. In den anderen Làndern ist der Anteil Religiöser mehr oder weniger ungleich verteilt in Christen, Muslime od.Volksgläubige. Möchte nun gerne wissen, wird diese Tradition vorwiegend bei Muslimen oder allenfalls bei Volksgläubigen praktiziert, oder sind da in diesen Ländern auch Christinnen betroffen?
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    1. Antwort von James Dermelj  (Semaj)
      Naja, selbst wenn alle Länder, in denen Frauen beschnitten werden vorwiegend muslimisch sind, gibt es ja doch viele muslimischen Länder, in denen es nicht praktiziert wird. Kausalität mit Islam an sich scheint mir daher nicht vorhanden zu sein. Aber es gibt bestimmt andere Faktoren, wie zum Beispiel religiösen Obrigkeitskult, welcher dazu führen könnte, dass sich unterdrückende Traditionen länger halten. Wie zum Beispiel bei den Hexenverbrennungen früher in Europa.
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    2. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Der Islam ist auch, und sehr stark, in den arabischen Ländern, naher Osten und Asien vertreten....
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