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Aus Bier mach Schnaps: Der Baarer Bierbrand besteht aus überschüssigem Bier
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 23.03.2021.
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Aus Bier wird Schnaps Wegen Bier-Überschuss: Brauerei setzt auf Schnapsidee

Kleinere Brauereien bleiben wegen Corona auf ihrem Bier sitzen. Ein Zentralschweizer Betrieb brennt daraus nun Schnaps.

Das Pandemiejahr 2020 hat bei vielen lokalen Kleinbrauereien nicht nur ein Loch in die Kasse gerissen – sie sitzen nun auch auf Hektolitern von unverkäuflichem Bier, das langsam, aber sicher abläuft.

Brauereien verkauften 2020 weniger Bier

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Die Corona-Krise hat längst auch die Bierbrauereien erreicht: Nach Angaben des Schweizerischen Brauerei-Verbands wurden 2020 34 Millionen Stangen Bier weniger getrunken als noch im Jahr davor. Vor allem wegen des Lockdowns im Frühling, als Restaurants und Bars geschlossen waren, aber auch wegen abgesagter Sportanlässe, Musikfestivals und weiterer kulturellen Veranstaltungen. Zwar nahm der Bierverkauf im Detailhandel zu – aber den Einbruch in der Gastronomie konnte er nicht wettmachen.

Diesen Einbruch bekommen vor allem kleinere lokale Brauereien zu spüren. Bei ihnen läuft der Verkauf meist weniger über Getränkemärkte, sondern über lokale Gastronomiebetriebe und über Veranstaltungen in ihrer Umgebung, etwa über Dorffeste oder über kleinere Musikfestivals.

Die einfachste Lösung dafür wäre Wegschütten. Doch Martin Uster, Geschäftsleiter der Brauerei Baar, fand eine andere Lösung: Schnaps. Aus dem überschüssigen Bier brennt er Bierbrand. Einen 36-prozentigen Digestiv, angereichert mit Melisse und Zitrone.

Zwölf Liter Bier für einen Liter Schnaps

Das genaue Rezept hält Uster geheim, klar ist aber: Um einen Liter Bierbrand zu gewinnen, sind rund zwölf Liter Bier notwendig. «Es ist schon mal beruhigend, dass wir unverkäufliches Bier nicht einfach wegschütten müssen, sondern es zu einem neuen Produkt verarbeiten können», sagt er. Zumal dieses neue Produkt bei der Kundschaft im brauereieigenen Laden auf reges Interesse stosse.

Da ist es auch verkraftbar, dass Bier – das ja bereits ein veredeltes Produkt ist – ein vergleichsweise teurer Ausgangsstoff für einen Brand ist, verglichen etwa mit Getreidemaische, die zu Whisky destilliert wird.

Martin Uster, Geschäftsführer der Brauerei Baar
Legende: «Schon mal beruhigend, dass wir unverkäufliches Bier nicht einfach wegleeren müssen»: Martin Uster, Geschäftsführer der Brauerei Baar. SRF

Brauerei konnte auf frühere Versuche aufbauen

Allerdings: Die Ergänzung des Biersortiments um einen eigenen Schnaps ging in Baar nicht über Nacht vonstatten. Martin Usters Brauerei profitiert davon, dass sie bereits vor rund sechs Jahren erste Versuche mit Bierbrand gestartet hatten; auch damals gab überschüssiges Bier den Ausschlag, für das der Betrieb Verwendung suchte.

«Auf die Schnelle einen Bierbrand hinzubekommen, wäre schwierig gewesen», sagt Uster. «Uns hilft, dass wir bereits Erfahrungen bei der Rezeptur und der Herstellung gemacht haben und darauf nun zurückgreifen können.»

Unser Glück ist, dass wir schon früher an einem Schnaps getüftelt haben.
Autor: Martin UsterGeschäftsführer Brauerei Baar

Es gibt zwar auch andere Kleinbrauereien, die Bier zu Schnaps weiterverarbeiten, etwa die Rathaus-Brauerei in Luzern – doch eine Patentlösung für unverkäufliches Bier ist das nicht.

Das weiss Brauer Uster auch als Präsident der IG Unabhängige Schweizer Brauereien, in der rund 30 kleine und mittelgrosse Braubetriebe vertreten sind. Die Schnapsproduktion verursache zusätzliche Kosten und sei logistisch aufwändig, weil sie häufig in einer externen Destillerie stattfinden müsse, sagt er. Damit falle sie für kleinere Betriebe häufig bereits weg.

Desinfektionsmittel lohnt sich nicht mehr

Auch Desinfektionsmittel sind für Brauereien keine Option mehr. «Vor einem Jahr gab es Brauereien, die darauf setzten. Damals lohnte sich das noch, da Desinfektionsmittel knapp war», sagt Martin Uster. «Mittlerweile gibt es davon jedoch genug – und der Produktionsaufwand ist nicht mehr gedeckt».

Abfüllanlage in der Brauerei Baar
Legende: Abfüllanlage in der Brauerei Baar: Erst bei Lockerungen bei den Corona-Massnahmen läuft der Betrieb wieder normal. Keystone

Den meisten kleineren Brauereien fehlen also die Möglichkeiten, um das überschüssige Bier anderweitig verwerten zu können. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als das Bier wegzuschütten – und darauf zu hoffen, dass die Restaurants und Bars bald wieder öffnen können und im Sommer auch kleinere Dorf- und Stadtfeste wieder stattfinden.

Regionaljournal Zentralschweiz, 23.3.2021, 17:30 Uhr;

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Zuber  (Hä nuuh)
    Eine sympatische, innovative und zeitgemäss würde man wohl sagen „nachhaltige“ Idee.
    Der Getränkemarkt in Baar ist immer einen Besuch wert. Kenner können dort sogar das Zwickelbier in 2 Liter Krügen mitnehmen.
  • Kommentar von Max Wyss  (Pdfguru)
    …und das Destillat hat den Vorteil, lange haltbar zu sein…