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Ausbildung der Jugendlichen Jeder Zweite macht eine Lehre – aber viele Stellen sind unbesetzt

  • Diesen Sommer haben über die Hälfte der Jugendlichen eine Lehre angefangen, berichtet das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation.
  • Ein Drittel der Jugendlichen hat sich für die Mittelschule entschieden.
  • Insgesamt sind fast alle, genauer 92 Prozent, der befragten Jugendlichen glücklich mit ihrer Wahl.
Schülerin am Pult löst Aufgaben.
Legende: Über die Hälfte der Jugendlichen, die im Sommer am Gymnasium anfingen, waren Frauen. Keystone

Für 79 Prozent entspricht die gewählte Ausbildung sogar der Traum- oder Wunschlösung, wie sie bei der Erhebung für den Nahtstellenbarometer – früher «Lehrstellenbarometer» genannt – im August 2018 sagten. Dieser wurde von gfs.bern im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) erstellt und am Freitag veröffentlicht.

Geschlechterspezifische Unterschiede

Die kaufmännische Lehre ist unter den befragten 14- bis 16-Jährigen besonders beliebt. Bei Frauen wie bei Männern. Auf den weiteren Rängen gibt es geschlechterspezifische Unterschiede: Frauen wollen am zweitliebsten Fachfrau Gesundheit werden, gefolgt von Fachfrau Betreuung, Detailhandelsfachfrau und Pharma-Assistentin. Männer wählen am zweithäufigsten Logistiker, gefolgt von Elektroinstallateur, Polymechaniker und Zeichner.

Viele Lehrstellen in Bau und Bauernhof blieben offen

Von den allgemein über 80'000 angebotenen Lehrstellen wurden nur knapp 70'000 besetzt. Offen geblieben sind dagegen relativ viele Stellen im Baugewerbe sowie in der Land- und Forstwirtschaft. Für diese gingen zu 30 Prozent gar keine Bewerbungen ein, zu 70 Prozent solche mit ungenügenden Qualifikationen, wie die befragten Betriebe angaben.
In den Branchen Verkehr, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, sowie Kunst, Unterhaltung, Erholung und im Bergbau konnten annähernd alle angebotenen Lehrstellen besetzt werden.

Über die Hälfte der Frauen wählen Mittelschule

Ein Drittel der Jugendlichen entschied sich nach der obligatorischen Schule für ein Gymnasium oder eine Fachmittelschule. Frauen bilden auf dieser Bildungsstufe mit 56 Prozent die Mehrheit. Lieblings-Fachrichtungen waren an den Gymnasien Wirtschaft und Recht, Biologie und Chemie respektive das neusprachliche Profil. An den Fachmittelschulen wurden am häufigsten die Schwerpunkte Gesundheit, Pädagogik und soziale Arbeit gewählt.

Zur Erhebung

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Der Nahtstellenbarometer wird wie früher der Lehrstellenbarometer zwei Mal jährlich erhoben. Stichtage sind jeweils der 15. April und der 31. August.

Für die nun vorliegenden Hochrechnungen wurden vom 20. Juli bis 9. September 776 Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren schriftlich befragt. Auf Seiten der Unternehmen wurden 3161 Betriebe mit mindestens zwei Mitarbeitenden schriftlich befragt.

Brückenangebot und Zwischenlösung

Zehn Prozent der Jugendlichen wählten ein Brückenangebot, drei Prozent eine Zwischenlösung. Der häufigste Grund, warum Brückenangebote in Anspruch genommen wurden, war die erfolglose Lehrstellensuche. Das war bei 60 Prozent der Auszubildenden, welche diese Lösung wählten, der Fall. Drei Viertel der Leute in Brückenangeboten wollen anschliessend eine Lehre machen.

Anders diejenigen, welche eine Zwischenlösung wählten: Von ihnen hatten 27 Prozent erfolglos eine Lehrstelle gesucht, 26 Prozent wussten nicht, was sie werden wollten und 12 Prozent wollten «etwas Zeit für sich haben», wie es im Barometer heisst.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Logisch gibt es nicht genügend Lehrlinge im Baugewerbe, Land- und Forstwirtschaft bei den Löhnen. Sozialarbeiter ist da viel einfacher und wesentlich lukrativer, und das erst noch bei den Langzeitfolgen für die Gesundheit.
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  • Kommentar von Chana Strauss (ChanaS)
    Dann muss man eben auch solchen mit ungenügenden Qualifikationen eine Chance geben. Die Firmen stehen in der Pflicht.
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    1. Antwort von Matthias Badertscher (Matthias Badertscher)
      Wieso denn? Das Problem ist, dass Jugendliche mit ungenügenden schulischen Leistungen unrealistische Ziele haben. Für die wären genau die 10‘000 Lehrstellen im Baugewerbe und der Landwirtschaft die Wahl. Bloss muss man dort „richtig“ arbeiten!
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    2. Antwort von Chana Strauss (ChanaS)
      Offen geblieben sind dagegen relativ viele Stellen im Baugewerbe sowie in der Land- und Forstwirtschaft. Für diese gingen zu 30 Prozent gar keine Bewerbungen ein, zu 70 Prozent solche mit ungenügenden Qualifikationen, wie die befragten Betriebe angaben. Also die haben sich im Bau beworben aber selbst bei denen habe die keine Chancen bekommen.
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    3. Antwort von Walter Breitenmoser (Communio)
      @Badertscher: ja genau richtig arbeiten... und das mit knapp 16 Jahren und zu einem lausigen Lohn... In anderen Ländern ist Kinderarbeit verboten. Ich wurde auch vier Jahre lang als billige Arbeitskraft missbraucht. Man nannte es zwar Ausbildung (Stifti) aber gelernt hab ich da vor allem putzen und einstecken. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens! Und das genau in der Phase des Erwachsenwerdens. Danke Schweiz! Die allgemeine Schulzeit muss endlich auch in der Schweiz auf 18 erhöht werden.
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    4. Antwort von Chana Strauss (ChanaS)
      Es ist endlich mal Zeit unsere Schulsystem zu ändern. Es hat einen Grund wieso das englische System das beste ist und es auf der ganzen Welt und selbst in der Schweiz in Privatschulen angewendet wird. Das englische Systems ist für einseitig begabte geeignet. Man macht min. 5 Fächer auf IGCSE und nur Mathe und Englisch sind Pflicht und danach kann man sich für eine Lehre oder für die A Levels entscheiden. Man entscheidet selber und nicht die Lehrer, weil jeder ist geeignet in diesem System.
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    5. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Chana Strauss (ChanaS) : Firmen können ungenügende Qualifikationen nicht ersetzen. Das ist leider so und wird auch so bleiben.
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    6. Antwort von M. Kaiser (Klarsicht)
      Lieber Hr. Breitenmoser, Ihre Erfahrungen haben sehr viele Junge machen müssen, man leistet in der Tat in den 3-4 Jahren Stifti von der Sklavenarbeit bis zum Held für Alles und Jedes, nahezu wie ein Freigang - Inhaftierter, zu einem Ausbeuterlohn, gute wertvolle Arbeit- verkauft wird diese Arbeitszeit jedoch zu einem Mehrfachen - dieselben fahren dann nobel in ihren Kutschen vor und sagen noch frech, fürtschimache nöd lafere ! Das ist ein Teil der anderen Seite der Arbeitswelt.
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    7. Antwort von Walter Goetze (WaGoe)
      Einseitig den Betrieben die Schuld oder die Pflicht zuzuweisen ist entschieden zu einfach gedacht. Wenn wir möglichst vielen Jugendlichen eine Lehrstelle ermöglichen wollen, sind alle in der Pflicht, die Eltern, die Volksschule, die Betriebe, die Berufsfachschulen und natürlich die Jugendlichen selbst. Schliesslich müssen wir alle als Kunden auch bedenken, dass unsere Qualitätsansprüche schlecht mit ungenügenden Qualifikationen der Leistungserbringer zusammenpassen.
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