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Ausgesteuert über 55 Skos will der Altersarmut vorbeugen

Ergänzungsleistungen für Arbeitssuchende über 55: Sie sollen möglichst ohne Sozialhilfe über die Runden kommen.

Legende: Video Ergänzungsleistungen statt Sozialhilfe abspielen. Laufzeit 01:36 Minuten.
Aus Tagesschau vom 05.11.2018.

Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (Skos) präsentiert alarmierende Fakten. Um mehr als die Hälfte hat die Zahl der über 55-Jährigen in der Sozialhilfe seit 2010 zugenommen. Es sind nun über 30’000 Personen.

Betroffen vom Verlust des Arbeitsplatzes und von der Unmöglichkeit, eine neue Stelle zu finden, dürften aber noch viel mehr sein, vermutet Felix Wolffers, Co-Präsident der Skos: «Wir wissen, dass sehr viele Personen in dieser Alterskategorie über Vermögen verfügen, oder über familiäre Strukturen, die sie unterstützen. Deshalb sind viel mehr Personen betroffen, als wir in der Sozialhilfe sehen.»

Wer nach 55 die Stelle verliert, hat kaum mehr Chancen, wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Nur gerade jeder Siebte findet wieder eine Stelle, die anderen werden ausgesteuert. Und dann komme der soziale Abstieg, sagt Wolffers: «Wenn die Leute in die Sozialhilfe müssen, müssen sie vorher ihr ganzes Vermögen aufbrauchen. So rutschen sie in die Altersarmut, und das wollen wir verhindern.»

Neue Idee für ältere Arbeitssuchende

Die Skos unterbreitet deshalb ein neues Modell, das älteren Arbeitslosen den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt ermöglichen soll. In einem ersten Entwurf im Frühling hatte die Skos noch auf eine Verlängerung der Arbeitslosenversicherung gesetzt.

Doch stellte sich heraus, dass dies mit EU-Recht in Konflikt geraten würde. Nun sollen den Betroffenen stattdessen Ergänzungsleistungen ausbezahlt werden, und zwar etwas über 4100 Franken pro Monat für Menschen, die Vollzeit gearbeitet haben. Die Sozialhilfe beträgt lediglich gut 3000 Franken.

Damit würde verhindert, dass die Betroffenen ihr Vermögen aufbrauchen müssten, erläutert der Skos-Präsident. Bedingung sei allerdings, dass ein älterer Arbeitsloser vor der Aussteuerung mindestens zehn Jahre lang gearbeitet habe und sich weiterhin um eine Stelle bemühe, sich also beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) anmelde: «Mit dem neuen System bleiben die Leute in der Vermittlung der Arbeitslosenversicherung. Sie werden nach Möglichkeit wieder in den Arbeitsmarkt integriert.»

Rund 4000 Personen dürften vom System profitieren, hat die Skos ausrechnen lassen. Für die Bundeskasse würden Mehrkosten von 100 Millionen Franken pro Jahr entstehen, während Kantone und Gemeinden um 75 Millionen Franken entlastet würden. Das sei absolut verkraftbar, findet Wolffers: «Kostengünstigere Ansätze sehe ich keine.»

Verfassungsgrundlage existiert schon

Die Skos hofft deshalb, dass die Politik ihren Vorschlag nun aufnimmt. «Der Vorschlag wäre rasch umsetzbar, eine Verfassungsgrundlage dafür gibt es bereits. Die Politik müsste jetzt rasch handeln.»

Allerdings wird die Skos noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen. Das zuständige Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), das zurzeit nach Lösungen für ältere Ausgesteuerte sucht, lehne den Vorschlag ab, bedauert Wolffers.

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    Und die allermeisten sind gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen. Was ist den das frage ich sie? Aus meiner Sicht der beste weg dazu! Bis 30 Praktikant und ab 50 Aus gesteuert, und dazwischen immer mehr Lohndoping. Nehmen wir die Sache endlich in die Hand und lösen die Probleme selbst, die Politiker schieben und von Kasse zu Kasse, wohl in der Hoffnung das wir auf dem Weg aus Erschöpfung das Leben lassen?
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    1. Antwort von Erich Singer (liliput)
      Was ist denn Lohndoping? Habe ich in Meinem Berufsleben nie gehört.
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    2. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      Mal wieder zum Mitschreiben: Ein BGE wird von einer freien Wirtschaft sehr schnell als Gewinn über massive Preissteigerungen abgeschöpft bzw. führt zu nie gesehenen Teuerungsschüben. Ein BGE ist das finanzielle Ende eines Staates. Räumlich abgegrenzte Versuche zeitigen dieses Problem nicht, da die Möglichkeit des Ausweichens besteht, was die Preise stabil hält.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Besser sehr spät als nie, oder überhaupt gar nie. Nur jene die es bereits getroffen hat, haben wohl eh nichts mehr davon. Es sind halt sog. Kollateralschäden.
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  • Kommentar von Daniel Bucher (DE)
    Das wäre ja schön für die 55+. Was sind jedoch die Ursachen für die Arbeitslosigkeit dieser Gruppe. Liegt es daran, dass wir mehr billige Arbeitskräfte aus dem Ausland beschäftigen und deshalb die Alten in die Sozialsysteme abgeschoben werden? Es ist eine bedenkliche Entwicklung die von rechten Wirtschaftsführern anscheinend gewünscht und von linken Gewerkschaften billigend in Kauf genommen wird. Beide Gruppen profitieren von der Zuwanderung. Der Normalbürger bleibt auf der Strecke.
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