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Besuch an der Ausstellung über Dorothee Wyss
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 29.03.2021.
abspielen. Laufzeit 04:43 Minuten.
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Ausstellung in Sachseln Dorothee Wyss – wer war die Frau von Bruder Klaus?

Um Eremit zu werden, verliess Niklaus von Flüe eine Grossfamilie. Seine Frau gilt als die Verlassene. War sie mehr?

Vor etwas über 500 Jahren verabschiedete sich Niklaus von Flüe in die Einsamkeit, wurde Emerit und als Bruder Klaus europaweit bekannt. Um näher bei Gott sein zu können, verliess er eine Grossfamilie mit 10 Kindern. Seine Ehefrau – Dorothee Wyss – bleibt vor allem als die Verlassene in Erinnerung.

Dorothee Wyss war mit grossen Herausforderungen konfrontiert und hat diese gemeistert.
Autor: Carmen KiserKuratorin Museum Bruder Klaus

Nun widmet ihr das Museum Bruder Klaus in Sachseln eine Ausstellung. Ziel sei es, die Vielschichtigkeit der Dorothee Wyss aufzuzeigen, sagt Kuratorin Carmen Kiser. «Der Moment des Verlassen-Werdens ist nur ein kleiner Teil in ihrem Leben. Bis heute wird er klischiert und zugespitzt dargestellt», sagt sie.

Frau mit Vorbild-Charakter?

Dorothee Wyss habe sich ihrem Schicksal nicht so passiv ergeben, wie oft angenommen wird. «Sie musste Niklaus von Flüe den Segen geben, dass er die Familie verlassen darf. Ohne Zwang. Nur so war das kirchenrechtlich in Ordnung.» Dorothee Wyss sei kein Opfer vom Egoismus ihres Mannes gewesen, sagt die Kuratorin.

Gemälde: Bruder Klaus verabschiedet sich von Dorothee Wyss.
Legende: Der Moment, als sich Bruder Klaus von seiner Ehefrau verabschiedet, wurde in der Kunst immer wieder aufgegriffen. ZVG

Im Gegenteil: Dass sie danach den Bauernhof alleine weiterführte und für die 10 Kinder schaute, mache sie auch nach heutigen Massstäben zu einer starken Persönlichkeit. «Sie war mit grossen Herausforderungen konfrontiert und hat diese gemeistert», so Carmen Kiser. Dorothee Wyss habe durchaus Vorbild-Charakter.

«Passt nicht ins Bild der emanzipierten Frau»

Historikerin Annalena Müller pflichtet bei, dass Dorothee Wyss sicher einen starken Charakter hatte. «Wie auch die meisten anderen Frauen dieser Zeit. Das war ein hartes Leben auf einem mittelalterlichen Bauernhof.»

Müller meint aber auch, sie wage es zu bezweifeln, dass Dorothee Wyss als Vorbild für heutige Frauen tauge. «Letztendlich war sie selbstlos und nahm sich komplett zurück, damit sich ihr Mann verwirklichen konnte. Das passt nicht ins Bild der modernen emanzipierten Frau.»

«Historische Figuren müssen keine Vorbilder sein»

Im Mittelalter hingegen sei sie sicherlich ein Vorbild gewesen. «Dorothee Wyss hat ihren Mann vorbehaltlos unterstützt. Weil sie an seine Heiligkeit glaubte und davon überzeugt war, dass er die Familie verlassen müsse.»

Bruder Klaus mit Dorothee Wyss
Legende: Bruder Klaus mit Dorothee Wyss: Sie half ihrem Ex-Mann auch aus, nachdem dieser sie verlassen hatte und brachte seinen Gästen etwa Speisen vorbei. Kirche Kerns

Vielleicht sei es auch gar nicht nötig, historische Figuren stets als Vorbilder deuten zu wollen, fügt die Historikerin noch an. «Frauen wie Dorothee Wyss sind wichtige Repräsentantinnen ihrer Zeit – und das ist doch für sich alleine schon interessant.»

Ausstellung zu Dorothee Wyss

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Die Ausstellung zur Gattin von Niklaus von Flüe läuft im Museum Bruder Klaus vom 28. März bis am 1. November. Das Museum ist in Sachseln im Kanton Obwalden.

SRF 1, Regionaljournal Zentralschweiz, 27.03.2021, 17:30 Uhr;

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Wir führen hier eine Diskussion aus dem hier und jetzt, knapp 600 Jahre später - ohne präzise Kenntnis der Fakten und wirklichen Umstände des Familienlebens. Persönlich halte ich eine solche Diskussion für wenig zielführend und aufgrund der äusserst dünnen Faktenlage für inhaltsleer. Lehre für uns - aus meiner Sicht ist keine möglich, es sei denn man interpretiert kräftig!
    1. Antwort von Peter Isler  (SchweizerQualität)
      Erst im freien Raum findet man sich selbst.
  • Kommentar von David Beynon  (db22)
    «Letztendlich war sie selbstlos und nahm sich komplett zurück, damit sich ihr Mann verwirklichen konnte. Das passt nicht ins Bild der modernen emanzipierten Frau.»
    Weil heute im Zeitalter der grösstmöglichen Selbstverwirklichung Selbstlosigkeit nicht verstanden wird.
    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Vor allem würde die heutige Frau ihrem Mann eine solche Begründung bestimmt nicht abkaufen!
  • Kommentar von alfred maurer  (zeitgeist)
    Könnte es sein, dass noch eine andere Frau die Finger im Spiel gehabt haben könnte. Es gibt offenbar ein Gerücht einer jung hübschen Lebensgefährtin, die mit Bruder Klaus in der Klause gelebt haben soll!
    1. Antwort von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
      Hörensagen ist lügen. Sagt ein altes Sprichwort. Und im diesem Fall stimmt es wahrscheinlich auch.