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Mehr Pflegefachkräfte dank gutem Arbeitsplatzklima?
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 01.10.2020.
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Auszeichnung für Aargauer Heim Mit Zertifikat gegen Fachkräftmangel in der Pflege

Ein Aargauer Pflegeheim hat sich in einem aufwändigen Verfahren beurteilen lassen. Damit will es Fachkräfte anlocken.

Im Kampf gegen den Fachkräftemangel geht das Pflegeheim Reusspark im aargauischen Niederwil neue Wege. In einem aufwändigen Verfahren hat sich das grösste Aargauer Heim vom US-Unternehmen «Great Place To Work» für seine Arbeitsplatzkultur zertifizieren lassen. Die Auszeichnung soll helfen, diplomierte Pflegefachkräfte zu rekrutieren.

Wir wollen Werbung machen, etwas Sinnstiftendes zu lernen.
Autor: Thomas PeterhansDirektor Reusspark

«Im Pflegebereich kann man das Personal nicht mit dem Lohn anlocken», sagt Heim-Direktor Thomas Peterhans. Pflegefachleute verdienen aufgrund der gegenwärtigen Tarifstruktur wenig, für höhere Löhne müssten die Gemeinden aufkommen. Peterhans ist aber der Meinung, dass für die Personalrekrutiereung der Lohn alleine nicht ausschlaggebend sei. Weiche Faktoren wie eine gute Arbeitsplatzkultur würden auch helfen.

Gebäude im Hintergrund, davor Menschen am Rollator und im Rollstuhl.
Legende: Der Reusspark ist das grösste Pflegezentrum im Kanton Aargau. Es betreut rund 300 Menschen. zvg/Reusspark Niederwil

Peterhans geht es derweil nicht nur um sein eigenes Pflegeheim im aargauischen Niederwil, sondern in erster Linie um das Image der Branche im Allgemeinen. Man wolle Werbung machen bei den jungen Menschen, etwas Sinnstiftendes zu lernen. «Mehr junge Menschen sollen sich für den Pflegeberuf entscheiden.»

Der Pflegeheim-Direktor hofft, dass sich andere Häuser ebenfalls um das Zertifikat bewerben. Allerdings sei es ein langer Weg bis zur Auszeichnung, die Firmenkultur müsse über Jahre aufgebaut werden.

Die Firma «Great Place to Work»

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Das Unternehmen wurde 1991 in den USA gegründet und hat inzwischen in 60 Ländern Niederlassungen. Es befragt weltweit jährlich rund 10'000 Firmen und ist nach eigenen Angaben die bekannteste und grösste Initiative zur Verbesserung der Arbeitsplatzkultur.

Doch ist ein Zertifikat für die Arbeitsplatzkultur ein geeignetes Mittel, um den Fachkräftemangel in der Pflegebranche zu bekämpfen? Das bezweifelt Erik Grossenbacher, Leiter der Geschäftsstelle Aargau Solothurn beim Schweizer Berufsverband der Pflegefachpersonen. Er begrüsse die Bestrebungen des Reussparks, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Aber: «Das Argument, dass der Lohn weniger wichtig ist, kann ich nicht gelten lassen.»

Die Löhne müssen höher sein, mit Geld bezahlt man seine Rechnungen.
Autor: Erik GrossenbacherSchweizer Berufsverband Pflegefachpersonal

Von der Pflege werde viel Flexibilität verlangt, die Arbeitszeiten seien sehr unregelmässig, die Arbeit brauche viel Energie. «Das soll richtig entlöhnt werden», verlangt Grossenbacher. Einerseits seien die Einstiegslöhne in der Branche zu tief, andererseits gebe es kaum Lohnerhöhungen. Lange Zeit habe das Pflegepersonal dies hingenommen, nun finde ein Wandel statt. «Die Leute fangen an, sich damit auseinanderzusetzen und bei Vorstellungsgesprächen mehr zu fordern.»

Auch Erik Grossenbacher warnt vor dem zunehmenden Fachkräftemangel in der Pflegebranche. Derzeit würden nur 43 Prozent des benötigten Personals in der Pflege ausgebildet. Erschwerend komme hinzu, dass viele ausgebildete Fachkräfte später den Beruf wechselten. «Bis ins Jahr 2030 fehlen schweizweit rund 65'000 Pflegefachpersonen. Und wenn es nur halb so viele sind, sind es immer noch viel zu wenig. »

Regionaljournal Aargau Solothurn, 2.10.2020, 06:32 Uhr ;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Armin Schweigler  (Armin)
    auch ich bin dafür dass man mehr Zeit haben müsste für aufmunternde Gespräche mit den Menschen. Ende Monat müssen wir das Pflegepersonal unsere Rechnungen bezahlen dazu braucht man Geld. wir haben den Beruf nicht gelernt weil wir so eine soziale Ader haben und uns das reicht ich bin sicher die meisten arbeiten gerne im pflegerischen Beruf arbeiten aber auch ein Leben bestreiten. ich bitte Sie lassen Sie uns gemeinsam für die Piloten der Schweizer Armee klatschen geben die Finanzen der Pflege
  • Kommentar von Anita Rusterholz  (Anita Rusterholz)
    Frau Holzhammer:
    Für eine verbesserte Arbeitsplatzkultur wünschte ich mir als Vorgesetzte Fachkräfte, die nebst ihrer anspruchsvollen Arbeit auch singen und tanzen können.
    Eine schöne Ausstrahlung kann so viel bewirken.

    Ich arbeitete auch im pflegerischen Bereich und ich machte wunderbare Erfahrungen mal nicht Alltägliches den „Einsamen“ zu bieten.
    1. Antwort von Mariette Schelker  (Grosi)
      Danke für Ihren erfrischend - wohltuenden Kommentar:).
      Schliesse mich dem gerne an...Auf You Tube sieht man Menschen in einem Pflegeheim zur Musik "Charlie Brown Medley" von den Piano Guys tanzen., Reusspark stark amerikanisiert, aber beides unvergleichlich schön.
  • Kommentar von Margrit Holzhammer  (Margrit Holzhammer)
    Ich habe doch nicht einen Pflegeberuf gelernt, damit ich während der Arbeitszeit ein Tänzchen hinlegen kann und dieses dann in den Medien noch gross gezeigt wird!!!