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Behörden wussten von illegalen Adoptionen
Aus Tagesschau vom 27.02.2020.
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Babyschmuggel aus Sri Lanka Der Schweizer Rechtsstaat hat versagt

Der Bund hat eine historische Studie zu illegalen Adoptionen aus Sri Lanka in die Schweiz vorgestellt. Die Erkenntnisse sind erschütternd.

Bei der Überwachung von Adoptionen von Kindern aus Sri Lanka hat der Schweizer Rechtsstaat versagt: Zu diesem Schluss kommt die Untersuchung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. «Die Schweizer Behörden wussten schon sehr früh, dass es in Sri Lanka Kinderhandel gab. Aber es kam zu keinem generellen Adoptionsstopp», sagt Studienautorin Nadja Ramsauer.

Das Kindeswohl stand nicht im Zentrum des behördlichen Handelns.
Autor: Nadja RamsauerStudienautorin, ZHAW

Die Kantone hätten zu wenig genau geprüft, wie die Adoptionen abliefen und woher die Kinder kamen. Und der Bund habe seine Aufsichtsfunktion nicht wahrgenommen. Die Interessen der Schweizer Paare, die unbedingt Kinder wollten, seien höher gewichtet worden als die Interessen der Kinder: «Damals wurden Kinder für Eltern gesucht und nicht Eltern für Kinder. Das Kindeswohl stand nicht im Zentrum des behördlichen Handelns», so Ramsauer.

Die Schweizer Behörden wussten es seit 1981

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Bis zu 11'000 Kinder aus Sri Lanka wurden in einem international organisierten Handel vor allem in den 70er- und 80er-Jahren in verschiedene europäische Länder an Eltern vermittelt – oft illegal. Die Schweizer Behörden wussten spätestens seit Ende 1981, dass es zu Unregelmässigkeiten und zu Fällen von Kinderhandel kam.

Zwar hatten die Kantone die Aufsicht über die Adoptionsvermittlungsstellen. Weil die Adoptionen aber über die Landesgrenze hinausgingen, waren letztlich die Bundesbehörden zuständig. Innerhalb des Eidgenössischen Polizei- und Justizdepartements (EJPD) habe es bereits ab Mitte der 1970er-Jahre kritische Stimmen gegeben, heisst es in der ZHAW-Studie. (sda)

Eine problematische Rolle spielten verschiedene Schweizer Personen und Organisationen, die Kinder aus Sri Lanka vermittelten – und dabei mit Kinderhändlern zusammenarbeiteten. So wurde fast 1000 Kindern aus Sri Lanka ein Teil ihrer Identität geraubt, wie die betroffene Sarah Andres sagt: «Durch diesen Babyhandel und die gefälschten Papiere kann ich meine Eltern unter Umständen nie in die Arme schliessen. Und das ist der Schmerz, den ich fühle.»

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Suche nach der Herkunft: Vier srilankische Adoptivkinder erzählen
Aus Rundschau vom 16.05.2018.
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Andres engagiert sich im Verein «Back to the Roots», um anderen Betroffenen zu helfen, ihre Eltern zu finden. Sie begrüsst, dass die teilweise illegalen Adoptionen aus Sri Lanka endlich untersucht wurden: «Es ist eine grosse Erleichterung für uns Adoptierte. Die Behörden schauen jetzt hin und übernehmen Verantwortung für das Geschehene.»

Mit dem Bericht sei es jedoch nicht getan: Denn noch heute suchen viele Betroffene ihre Mütter und Väter in Sri Lanka. «Back to the Roots» fordert dabei mehr Unterstützung durch den Bund – und stösst auf offene Ohren, wie Joëlle Schickel-Küng vom Bundesamt für Justiz sagt: «Man will einerseits die Betroffenen bei der Herkunftssuche so gut wie möglich unterstützen und andererseits die Erkenntnisse zum Anlass nehmen, das jetzige System zu überprüfen.» Deshalb will der Bundesrat bis Ende Jahr einen eigenen Bericht vorlegen und selbst Stellung nehmen zu den Adoptionen aus Sri Lanka.

Rendez-vous vom 27.2.2020; gfem

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Daniela Stieger  (Luna63)
    es ist, meiner Meinung nach, das gleiche Thema wie seinerzeit bei den Verdingkindern. der Staat, die Berhörden hatten die Überzeugung, sie wüssten, was das Beste ist. in beiden Fällen wurde das Kindswohl missachtet, "weil man es doch nur gut meinte". (eben, das Gegenteil von gut gemacht).
    inwieweit es kriminelle Machenschaften waren vor Ort waren, die nur Geld mit den Kindern verdienen wollten und inwieweit es um die Linderung von Not und Leid ging, wäre meiner Meinung auch ein wichtiger Aspekt
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  • Kommentar von Christian Kaiser  (Chriska)
    Und die damaligen Verantwortlichen waschen ihre Hände in Unschuld. Zur Rechenschaft gezogen werden die sowieso nicht. Als Beamte oder kantonsangestellte hat man ja bloss den Papierkram erledigt.
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Nebst den Schicksalen der betroffenen Menschen gibt es nur eine Tragik. Die Verlogenheit des Bundes. Zum x-ten Mal wird aufgearbeitet, von den Kindern der Landstrasse über die namenlosen Kontis der Juden, die saudreckige Fichenaffäre, die Verdingkinder, die Verwahrten und x anderes. Und die Regierung treibt ihre Schindlureien einfach weiter. Bezahlen muss immer der Bürger. Immer müssen Steuergelder für Entschädigungen aufgewändet werden. Wie lange soll man der Schweiz eigentlich noch vertrauen?
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    1. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      Adoptionen sind nicht Angelegenheit des Bundes. Ihre Kritik trifft die Falschen. Es sind die Kantone aber vor allem die Behörden vor Ort, welche versagt haben.
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