«Back to the roots»: SVP Waadt schlägt alte Töne an

Mit Jacques Nicolet übernimmt erstmals seit zehn Jahren ein Vertreter des bäuerlichen, gemässigten Flügels die Führung der Waadtländer Kantonalpartei. Ein ungewöhnlicher Vorgang: Denn landesweit geben die Anhänger von SVP-Übervater Christoph Blocher den Ton an.

Jacques Nicolet lächelt zufrieden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein SVPler «alter Schule»? Nicolet ist moderat im Ton – und die Asylfrage ist nicht zuoberst auf der Agenda. Keystone

In der Westschweiz hat die SVP nach wie vor Mühe, den richtigen Ton zu finden. Im grössten französischsprachigen Kanton, der Waadt, kam die Partei letztes Jahr nicht vom Fleck. Konsequenz: Parteichefin Fabienne Despot musste zurücktreten. Nun wurde Nationalrat Jacques Nicolet zum neuen Präsidenten gekürt.

Und der neue sieht viel Arbeit vor sich: «Wir müssen wieder lernen, einander zuzuhören», sagt der neue Präsident. Klingt einfach, ist es aber nicht. Die beiden letzten Präsidenten, Claude-Alain Voiblet und Fabienne Despot, scheiterten an dieser Aufgabe. Monatelang machten Parteiexponten durch illegale Machenschaften, Bettgeschichten und Erpressungsversuche von sich reden.

Parteiinterner Richtungsstreit

Persönliche Feindschaften lähmten die Partei – und der Flügelkampf, der die SVP auch andernsorts zerriss und zur Gründung der BDP führte: die Auseinandersetzung zwischen Blocher-Anhängern und dem traditionellen Flügel, ist Hintergrund des Streits.

«  Die Leute sind doch keine Handelsware! »

Jacques Nicolet
Zu Toni Brunners «Wachstumsmarkt Romandie»

Nach dem Scheitern der Vertreter des Blocher-Flügels kommt mit Nicolet nun ein gemässigter SVPler ans Ruder. Das wird hörbar im Akzent der Waadtländer Bauern, aber auch in den thematischen Schwerpunkten. So ist Nicolet nicht der Asylbereich wichtig, sondern Infrastrukturfragen, die Raumplanung, die Probleme des Hinterlandes. Das seien die wichtigen Themen für die SVP in der Waadt.

Niederlage für den Blocher-Flügel

Der Kurswechsel geht auch die nationale Partei etwas an. Toni Brunner erklärte die Romandie zum «Wachtsumsmarkt», den es zu bewirtschaften gelte. Die Wortwahl irritiert den neuen Waadtländer Präsidenten: «Die Leute sind doch keine Handelsware!», sagt Nicolet. Er tritt mit der Gelassenheit des Siegers auf: «Das Volk hat immer recht, das wissen alle in der SVP.»

Und das Volk reichte bei den Nationalratswahlen in der Waadt die zerstrittenen Vertreter des Blocher-Flügels nach hinten durch und entschied so den Machtkampf zugunsten der ländlichen SVP.