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In Ruedis Bank ist man noch per Du
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 14.12.2021.
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Bank in Messen (SO) Im Polohemd zwischen Weinregal und Bankschalter

Wenn die Glocke schrillt, wechselt Ruedi Meister vom Dorfladen in die Bank. Ende Jahr ist in Messen nun Schluss damit.

Wie ein Banker sieht Ruedi Meister im roten Poloshirt nicht aus. Seit 25 Jahren führt er aber eine Bank – gleich neben seinem Dorfladen im solothurnischen Messen. Wenn im Laden die Türglocke der Bank schrillt, huscht Meister durch eine Tür vom Denner in die Geschäftsstelle der Spar- und Leihkasse Bucheggberg SLB. Ende Jahr wird der Bucheggberger Banker aber pensioniert und der wahrscheinlich persönlichste Bankschalter der Region geschlossen.

Mann in rotem Shirt vor Weinregal in Laden.
Legende: Wenn er «Bank-Dienst» hat und die Glocke schrillt, wechselt Ruedi Meister vom Weinregal im Denner in die Bank. SRF

Die Geschäftsstelle in Messen werde wegen veränderter Kundenbedürfnisse zugemacht, schreibt die Spar- und Leihkasse Bucheggberg in ihrer Mitteilung. Man schliesse schweren Herzens die einzige Geschäftsstelle neben dem Hauptsitz in Lüterswil.

Sterben die Bankfilialen?

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Die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse sind daran, schweizweit Filialen abzubauen. Bei UBS und CS soll ungefähr jede vierte oder fünfte Geschäftsstelle geschlossen werden. Der Grund: Viele Personen verwalten ihre Finanzen heute selber, digital via Internet. Die Beratung am Schalter wird weniger nachgefragt.

Der Abbau-Trend von Niederlassungen zeigt sich bereits seit längerer Zeit. Laut dem Online-Portal «Finews» gibt es auf 100'000 Personen in der Schweiz knapp 40 Bankfilialen (Zahl von 2018). Im Jahr 2010 waren es noch über 50.

Den entgegengesetzten Weg geht die Regionalbank Valiant. Diese eröffnet laufend neue Filialen – alleine dieses Jahr kamen fünf Niederlassungen dazu. In der nächsten Zeit soll das Wachstum weiter gehen. Die Valiant betreibt unterdessen über 100 Filialen.

Es kämen immer weniger Kundinnen und Kunden an den Schalter, um etwa Bargeld abzuheben, meint Ruedi Meister. 30 bis 40 Mal täglich wechsle er heute vom Laden in die Bank. Bei seinem Beginn vor 25 Jahren sei er jeweils rund 100 Mal an den Bankschalter gerufen worden.

Mann geht durch Tür.
Legende: Zwischen Güetzi und Pommes-Chips befindet sich der Durchgang vom Laden zur Bank. SRF

Persönlich und ohne Krawatte

Seine Kundschaft schätzt den ungezwungenen Kontakt mit dem Banker im Denner-Shirt. Er komme selber auch in den Arbeitskleidern an den Schalter, meint ein Kunde, der bei Ruedi Meister eine alte Banknote umtauscht. Hier sei es persönlicher als bei einem Banker mit Krawatte.

Auch eine ältere Dame bedauert die Schliessung der Geschäftsstelle. Sie hebt gleich 6000 Franken von ihrem Konto ab. Das Geld müsse bis im Frühling reichen. Erst wenn der Schnee wieder weg sei, könne sie mit dem Velo über den Hügel zum Hauptsitz der Bank fahren. In Messen gibt es zwar weiterhin einen Bankomaten, Geld mit der Karte abheben sei aber nichts für sie, so die Seniorin.

Haus mit Bank und Laden.
Legende: Rechts der Laden, links die Bank: Einige Kundinnen und Kunden kauften im Dorfladen ein und kamen durch den persönlichen Kontakt mit Ruedi Meister zur Bank. SRF

Ruedi Meister kennt seine Kundschaft aus dem ländlichen solothurnisch-bernischen Grenzgebiet meist persönlich. Und diese schätzt einen kurzen ungezwungenen Schwatz mit dem Chef der Bank und des Dorfladens. Seit 1944 existiert die Niederlassung der SLB in Messen. Bis zum Umbau 1992 seien Bank und Laden noch enger verknüpft gewesen als heute, berichtet Meister lachend: «Vorher gab es einen Wildwest-Schalter mit einem offenen Tresor. Mein Schwiegervater erzählte mir, dass die Leute im Laden Teigwaren eingekauft hätten und er nebenan Tausendernoten gezählt habe.»

Bankomat
Legende: Die Bank schliesst, es bleibt der Bankomat. Mit diesem Ersatz können sich aber nicht alle Kundinnen und Kunden abfinden. SRF

Im Frühling wird Ruedi Meister auch als Laden-Besitzer in Pension gehen und seinen Dorfladen in neue Hände übergeben. Den persönlichen Kontakt mit der Kundschaft werde er vermissen, sagt der bald 63-Jährige. Bis Silvester ertönt die Türglocke der Bank aber noch ein paar Mal. Und der Banker im Polohemd wird durch die Tür zwischen Pommes-Chips und Güetzi aus dem Laden in die Bank wechseln.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 14.12.2021, 17:30 Uhr;

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