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Legende: Audio Bargeld oder Bargeldlos? abspielen. Laufzeit 04:13 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 08.05.2019.
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Bargeldloses Zahlen Warum die Schweizer lieber ein Nötli zücken

Erstmals haben die Konsumenten in Deutschland 2018 mehr Geld per Kreditkarte oder Debitkarte ausgegeben als in bar. Das zeigt eine neue Studie des Handelsforschungsinstituts. Gerade bei kleinen Summen sind Scheine und Münzen aber nach wie vor das beliebteste Zahlungsmittel. Was für Deutschland gilt, gilt auch für die Schweiz: Beide Länder sind Bargeldhochburgen. Für Sandro Graf von der ZHAW könnte sich das aber in naher Zukunft ändern.

Sandro Graf

Sandro Graf

Zahlungsmittelexperte

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Er ist Dozent an der der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Seine Forschwungsschwerpunkte sind zum Beispiel General Marketing, Strategisches Marketing, Customer Experience oder Payment Behavior.

SRF News: Wie lange wird in der Schweiz noch mit Bargeld bezahlt?

Sandro Graf: Noch eine ganze Weile, aber es ist ein deutlicher Trend zu erkennen: Die bargeldlosen Zahlungen nehmen jedes Jahr zu. Deswegen ist es auch nicht überraschend, was nun in Deutschland das erste Mal nachgewiesen wurde.

Parkuhr und Smartphone.
Legende: Spezielle Anwendungen wie das Bezahlen der Parkgebühr via Twint nehmen zu. Keystone

Ich war gerade in Grossbritannien, dort zahlt man jeden Kaugummi, jeden Kaffee oder jedes Busticket mit der Karte oder dem Smartphone. Warum ist das in der Schweiz noch nicht so?

Schwierig zu sagen. Es gibt in Ländern wie England möglicherweise mehr Anwendungen mit einem Mehrwert. Man denke da zum Beispiel an die U-Bahn in London.

Wir sehen im Online-Bereich eine starke Zunahme von Twint.

Wenn sie sich entscheiden müssen, ob sie mit ein paar Pfund Bargeld einen Fahrschein lösen oder ganz einfach die Kreditkarte hinhalten müssen, dann werden sie als kritischer Mensch trotzdem eher die Kreditkarte zücken, weil das in der Anwendung einfacher ist.

Könnte man bei uns im Postauto auch eine Kreditkartenlesemaschine installieren?

Natürlich. Es passiert nun auch vermehrt, dass solche elektronischen Bezahlmöglichkeiten eingeführt werden. Twint gilt es zu beachten, eine der mobilen Bezahllösungen der Schweiz. Während Twint im physischen Bereich noch etwas Schwierigkeiten hat, zum Beispiel bei den Kassen von Coop oder Migros, sehen wir im Online-Bereich eine starke Zunahme, insbesondere bei speziellen Anwendungen wie dem Bezahlen der Parkgebühr via Twint.

Mann mit Bargeld in der Hand.
Legende: Nach wie vor wird in der Schweiz häufig mit Bargeld bezahlt. Keystone

Hier ändern sich also die Gewohnheiten – wenn auch langsam?

Das ist korrekt. Es ist die Gewohnheit im alltäglichen Leben bei den kleinen Transaktionen. In solchen Situationen überlegen die Leute nicht lange, wie sie bezahlen, sondern tun das beinahe automatisiert. Über die Zeit kann sich das Verhalten aber ändern.

Immer wieder hört man den Einwand, die grosse Gefahr beim bargeldlosen Bezahlen sei die Möglichkeit der Überwachung. Ist das für die Konsumenten in der Schweiz auch ein wichtiger Grund?

Tatsächlich wird dieser Aspekt von den Konsumenten immer wieder erwähnt: Sie haben Bedenken wegen möglichem Datenklau oder Betrugsfällen.

Wir werden noch lange Bargeld haben, einfach auf einem sehr, sehr kleinen Niveau.

Die Industrie oder die Anbieter investieren in diesem Bereich aber sehr viel. Am Ende aber ist es die Wahrnehmung, die zählt. Es braucht positive Erfahrungen, dass wir mehr Vertrauen in diese Lösungen aufbauen können.

Menschen in U-Bahn.
Legende: In der U-Bahn in London wird kontaktloses Zahlen angeboten. Für Sandro Graf ein Mehrwert. Keystone

Wie lange dauert es in der Schweiz noch, bis auch hier jeder Kaugummi mit der Karte oder dem Smartphone bezahlt wird?

Das wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht passieren. Wir werden noch lange Bargeld haben, einfach auf einem sehr, sehr kleinen Niveau.

Das Gespräch führte Christoph Kellenberger.

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70 Kommentare

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  • Kommentar von Achim Frill  (Afri)
    Das Bargeld ist das letzte Puzzleteil, die letzte Lücke vor der totalen Überwachung, wo, für was, wann, an wenn wir etwas bezahlen oder erhalten. Warum wohl sind die Mächtigen dieser Welt so interessiert daran, Noten und Münz abzuschaffen? Das hat nichts mit Verschwörung zu tun, sondern mit Fakten. Und wir Lemminge machen das noch mit Begeisterung mit.
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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    man hält uns für eine dumme hammelherde, die sich für einwenig bequemlichkeit entmündigen und enteignen lässt! wer den zugriff auf sein bargeld aufgibt, macht sich finanziell von institutionen abhängig, die dann darüber verfügen, wie sie wollen. wieviel vertrauen habt ihr in banken, kreditkartenunternehmen und bargeldlose bezahlsysteme? dass ist doch indiskutabel, denen die alleinige verfügungsgewalt über das eigene geld zu geben, oder? seid nicht dumm, die reiben sich schon die hände.......
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    1. Antwort von Joseph De Mol  (Molensepp)
      @Werle: Natürlich haben Sie recht!!! Das Grundproblem ist aber, dass dies einer überwiegenden Mehrheit total egal ist!! Kümmert das nicht! Wichtig ist, dass sinnlose und infantile Videos in 4 sek. gestreamed werden können, der nächste Ausgang stattfinden kann und die Fotos auf Instagram schön drapiert sind und many, many hits erhalten!! Sprich: Man hat eine Mehrheit genau dort, wo man sie haben will. In einer unkritischen Untätigkeit und Interessenlosigkeit für wirklich relevante Dinge!!!
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  • Kommentar von Willi Fetzer  (wi)
    "...sehen wir im Online-Bereich eine starke Zunahme, insbesondere bei speziellen Anwendungen wie dem Bezahlen der Parkgebühr via Twint." Und wahllos werden Argumente durcheinandergeworfen, nur dass man seine Argumentationsposition verteidigen kann! So wird uns immer wieder vorgekaut, die Grössen Banknoten werden abgeschafft, wegen Schwarzgeld und Drogenhandel! Und auf der anderen Seite werden trotzdem Milliardenbetrügereien verübt und Politik schaut nur zu und bleibt untätig!
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