Bauern fordern Bundesgelder für ihren Zucker

2000 Schweizer Zuckerrübenbauern haben am Mittwoch gegen den tiefen Zuckerpreis protestiert und mehr staatliche Hilfe gefordert. Wie ökologisch der in der Schweiz angebaute Zucker im Vergleich zum Rohrzucker jedoch ist, ist umstritten.

Eine Gruppe Bauern mit einem Transparent: Mehr Geld für unsere süssen Zuckerrüben, sonst werden wir sauer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Bauern sind «sauer». Auf dem Weltmarkt herrscht zurzeit ein Überangebot an billigem Zucker. Rafael von Matt

Für die Schweizer Zuckerrübenbauern ist klar, dass der Zucker aus der Schweiz kommen soll: «Es ist sicher ein wichtiges Produkt, auch für die Versorgungssicherheit des Landes. Wenn ein Land keinen Zucker hat, gibt es viele unzufriedene Leute», sagt Bauer Daniel Alder an der Kundgebung am Mittwoch.

«Es geht notabene bei der Zuckerrübenfabrik um 250 Arbeitsplätze. Es geht nicht nur um die Bauern, es geht um eine ganze Wertschöpfungskette, die gefährdet ist», hält Andreas Wyss, ein weiterer Teilnehmer, fest.

Denn nicht nur 6500 Bauern leben von den Zuckerrüben, sondern auch die Biskuit- und Schokoladehersteller brauchen Schweizer Zucker. Sonst könnten sie ihr Gebäck und die Schokolade nicht mehr als Schweizer Produkte verkaufen.

Auch vom Umweltgedanken her sei der Zuckeranbau in der Schweiz sinnvoll, sagt Bauer Fritz Aeberhard aus Kirchberg: «Wenn man immer mehr Ökologie will, dann sollte man es dort produzieren, wo es gebraucht wird, wenn wir schon Anbauflächen haben.»

Pestizide beim Anbau nötig

Ob er Recht hat, ist umstritten. Das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (Fibl) beispielsweise kritisiert den hohen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, so genannten Pestiziden, wie Hans-Ueli Tierauer vom Fibl sagt: «Zuckerrüben sind anspruchsvoll im Anbau. Durch die relativ hohen Anbauflächen ist auch der Druck bezüglich Insekten und Pilzkrankheiten gestiegen. Da muss mehrmals gespritzt werden.»

Schweizer Zucker belastet die Umwelt nicht weniger, als wenn Rohrzucker aus Südamerika importiert wird, wie Thomas Kägi von der Klimaschutz-Organisation «Myclimate» gegenüber dem «Kassensturz» sagte: «Bezüglich Klimabelastung schneidet Zuckerrohr deutlich besser ab als Rübenzucker. Zuckerrohr ist weniger aufwändig im Anbau.»

Das sind zwei Argumente, die gegen Schweizer Zucker sprechen. Aber faktisch werden im Jahr hierzulande mehr als 250'000 Tonnen Zucker hergestellt. Die Politik steht hinter dem Schweizer Zucker, wie Jürg Jordi vom Bundesamt für Landwirtschaft bestätigt: «Das Bekenntnis zum Schweizer Zucker besteht, und das haben auch der Bundesrat und das Parlament immer gesagt.» Ob es sinnvoll ist, Zucker in der Schweiz anzubauen oder nicht: Die Zuckerbranche geniesst grossen Rückhalt im Land.