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Schweizer Bauern suchen nach hitzetauglichen Pflanzen
Aus 10 vor 10 vom 23.07.2019.
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Bauern fürchten um Kuhfutter Hitzetaugliche Pflanzen für die Schweiz gesucht

Die Landwirtschaft sucht nach Lösungen, wie trotz Trockenphasen auch künftig hochwertiges Futter produziert werden kann.

«Sie sehen hier, wie trocken der Boden ist», sagt Bauer Stefan Zumsteg und scharrt mit den Schuhen in der ausgetrockneten Erde. Auf seinem Feld steht in kräftigem Grün Sorghum, auch Sudan-Gras genannt. Es sieht ein bisschen aus wie Mais, ist aber von der Futterqualität her vergleichbar mit Gras.

Sudan-Gras.
Legende: Sorghum kann mehrere Monate ohne Wasser auskommen. SRF

Die Pflanze stammt aus Afrika, und sie hat sich über Jahrhunderte der Trockenheit angepasst. Wenn kein Wasser zur Verfügung steht, schliesst sie die Spaltöffnungen ihrer mit einer Art Wachs überzogenen Blätter und fällt in einen Ruhezustand. So kann sie zwei bis drei Monate ohne Wasser überdauern. Sobald es wieder Wasser gibt, wächst sie kräftig weiter.

Bauer Zumsteg macht gute Erfahrungen mit der Futterpflanze. Mögen seine Angus-Kühe das Sorghum? «Nicht gerade wie ein Dessert, aber sie fressen es». Daneben baut Zumsteg auch Luzerne an, die schon seine Vorfahren an eher trockenen Standorten anbauten. Die Luzerne, auch unter dem Namen Schneckenklee oder Alfalfa bekannt, findet mit ihren tiefen Wurzeln selbst in trockenen Phasen noch Wasser, und sie ist ein hervorragender Eiweiss-Lieferant.

Nachfrage steigt

Gras-Klee Mischungen haben sich in der Schweiz bewährt. Nach der Dürre im letzten Jahr ist beim Saatgut-Händler Eric Schweizer AG die Nachfrage nach Luzerne-Gras Mischungen um ein Drittel gestiegen. Auch der Exot Sorghum stösst zunehmend auf Interesse, die Nachfrage habe sich mehr als verdoppelt, sagt Marc Lehmann, Produkt Manager für Futterbau.

Um mehr als die Hälfte ist die Nachfrage nach Mischungen mit Rohrschwingel gestiegen. Ebenfalls ein altbekanntes Gras, das Trockenheit überdauern kann. Dank Züchtung wurde aus dieser groben Pflanze ein feines Gras, das auch den Kühen schmeckt.

Marc Lehmann sieht die trockenen Sommer mit Sorge: «Wir hatten heuer Mühe, genügend Saatgut zu bekommen. Denn die Vermehrung der Samen war letztes Jahr wegen der Trockenheit sehr schlecht.»

Wir gehen davon aus, dass eine Pflanze künftig zwei bis drei Monate ohne Wasser auskommen muss.
Autor: Franz SchubigerForschungsleiter Futterpflanzen, Agroscope

Die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Samenhandel und Bauern ist in der Schweiz sehr eng. Agroscope, die landwirtschaftliche Forschungsanstalt des Bundes, züchtet Pflanzen, die gegenüber Trockenheit tolerant sind. Der Forschungsleiter Futterpflanzen, Franz Schubiger, erklärt: «Wir gehen davon aus, dass eine Pflanze künftig zwei bis drei Monate ohne Wasser auskommen muss». Natürlich könnten Pflanzen sich an den Wandel anpassen, «doch gegenwärtig verändert sich das Klima so schnell, dass die Pflanzen überfordert sind.»

15 bis 20 Jahre bis zum Saatgut

Die Züchter helfen deshalb nach. Die Gräser werden einem sogenanntem «Trockenheits-Stress» ausgesetzt. Nur die Stärksten überleben den Wassermangel, mit ihnen arbeiten die Forscher nachher weiter. Etwa 15 bis 20 Jahre dauert es, bis eine neue Sorte als Saatgut eingesetzt werden kann.

Für Bauer Stefan Zumsteg ist es sonnenklar, dass es heisser wird. Bei sich auf dem Hof hat er vor Jahren schon eine Allee aus Edelkastanien, die eigentlich eher südlich der Alpen vorkommen, gepflanzt. «Damit die Bäume dann schon da sind, wenn sich das Klima so verändert», scherzt der Bauer. Und zeigt auf ein kleines Mandelbäumchen, das er gepflanzt hat, weil ihm die Blüten gefallen haben. Und das jetzt schon sechs Mandeln trägt. «Wer weiss, vielleicht wird es ja was – das Leben ist voller Überraschungen!»

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Nicola Harrison  (Nicola Harrison)
    Der gesamte Konsum von Tiere und deren "Beiprodukte" ist weder ökologisch, noch dient es der humanen Gesundheit; hier liegt das Problem - das Grün hat bzw. hätte auf der Erde einen logischen Kreislauf und dient uns zum Leben.
  • Kommentar von Stefan Joss  (Tschugedi)
    Ganz einfach, Vogelhanf. die ganze Pflanze dient als Futter. Sie braucht wenig Wasser und wächst auch in trockener Gegend.
    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Es ist verboten Hanf an Nutztiere zu verfüttern. Hier die entsprechende Medienmitteilung: https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-10891.html
    2. Antwort von Anita Rusterholz  (Anita Rusterholz)
      Herr Joss: Von Tierfutterhanf habe ich gehört. Es gäbe noch einige mehr dürreresistenten Pflanzen. Jede Sorte Hanf produziert ihre eigenen Abwehrstoffe.
      Somit wird der Einsatz von Pestiziden hinfällig. Hanf müsste längst legalisiert werden. Eine Wunderpflanze.
  • Kommentar von Vera Kehrli  (Vera Kehrli)
    Ich hoffe die Kosten dieser Umstellung wird von den Autofahrern bezahlt, gemäss dem Verursacherprinzip.
    1. Antwort von Werner Christmann  (chrischi1)
      ja ja, Frau Kehrli und die Autofahrer. Keine Autos, keine Probleme. Wenn es denn so einfach wäre.