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Reihenweise Gastro-Betriebe machen im Aargau dicht
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 11.02.2021.
abspielen. Laufzeit 03:46 Minuten.
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Beizensterben wegen Corona Jeder vierte Aargauer Wirt hat schon aufgegeben

Die Folgen der Pandemie für die Gastro-Branche werden deutlicher. Im Aargau verschwindet ein Viertel der Betriebe.

Es ist wahrlich keine einfache Zeit für Gastrobetriebe. Ob gehobenes Restaurant oder einfacher Take-Away, ob Club oder Bar, sie alle können seit Monaten gar nicht mehr oder zumindest nicht mehr richtig geschäften. Im Aargau zeichnen sich nun konkrete Folgen ab, die einen Vorgeschmack auf die gesamtschweizerische Entwicklung liefern könnten.

Massenweise Austritte aus Verband

Rund ein Viertel aller Aargauer Gastrobetriebe hätten wohl mittlerweile definitiv schliessen müssen, sagt Bruno Lustenberger, Präsident des Aargauer Branchenverbandes Gastro Aargau auf Anfrage. Seine Schätzung beruht auf Zahlen zum Mitgliederbestand des Verbandes: Für das laufende Jahr seien 20 bis 30 Prozent der bisherigen Mitglieder ausgetreten. Ein Austritt habe mit der Aufgabe des Betriebs zu tun. 250 Betriebe haben demnach ihre Türen geschlossen.

Ein leeres Restaurant, Stühle auf dem Tisch
Legende: Laut Gastrosuisse könnte bis zur Hälfte der Gastronomiebetriebe verschwinden. Keystone

«Die Mitglieder melden sich bei uns und sagen, es geht einfach nicht mehr», sagt Lustenberger. Dabei seien vor allem die Personal- und Mietkosten zunehmend ein Problem. Wenn man diese nicht mehr decken könne, dann bleibe kaum etwas anderes übrig, als den Betrieb einzustellen. Auch wenn es sicher Betriebe gebe, die schon vor der Pandemie in Schieflage waren, so ist Lustenberger trotzdem überzeugt, dass der Corona-Shutdown der Hauptgrund für die zahlreichen Betriebsschliessungen ist.

In anderen Kantonen dürfte es wesentlich ärger sein

So schlimm diese Zahlen klingen, bei Gastro Aargau ging man eigentlich von noch mehr geschlossenen Betrieben aus als Folge der Corona-Pandemie. «Wir rechneten mit bis zu 40 Prozent und ohne Massnahmen des Kantons wäre es wohl auch so herausgekommen», sagt Bruno Lustenberger.

Tatsächlich stehen Gastrobetriebe im Aargau im Vergleich zu jenen in anderen Kantonen gut da. Der Kanton hat ein umfangreiches Hilfspaket beschlossen und die finanziellen Mittel fliessen auch bereits zu den Unternehmen. Das sei fast einzigartig in der Schweiz, freut sich Lustenberger. Allerdings geht er gerade deshalb auch davon aus, dass die Situation in anderen Kantonen um einiges prekärer sein dürfte.

Gesamtschweizerische Entwicklung noch unklar

Auf Anfrage beim nationalen Branchenverband Gastrosuisse heisst es, man könne aktuell noch keine Zahlen zur Entwicklung des Mitgliederbestandes kommunizieren. In einer Mitteilung von Anfang Januar prognostizierte der Verband aber ein düsteres Szenario. Rund die Hälfte aller Schweizer Gastrobetriebe könnten eingehen, wenn es nicht rasch zusätzliche finanzielle Unterstützungsmassnahmen gebe.

Diese Schätzung beruht auf einer Mitgliederbefragung, an der sich rund 4000 Betriebe beteiligt hatten. Nur 1,5 Prozent der Betriebe sagten dabei, dass sie ohne finanzielle Unterstützung durchkommen.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 11.02.21, 17:30 Uhr;

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52 Kommentare

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  • Kommentar von Jakob Meier  (Astronautovic77)
    Ich möchte die Situation wie sie jetzt ist nicht schkecht reden. Aber viele Restaurants waren schon vor der Krise am Limit. Es gabe in der Region wo ich arbeite schon vorher Restaurants welche nur bis zu 20% belegt waren.
  • Kommentar von Mario Lo  (MarLo)
    Vielleicht treten auch noch viele aus dem Verband aus, weil dieser nichts bringt. Ein derart grosses Gewerbe mit einem der grössten Verbände schafft es nicht, Menschen und Politik zu mobilisieren. Es ist offensichtlich ein Debakel, wenn nur ca. 7% der Härtefälle ankamen - daschat doch Zündstoff! Uund die Solidarität mit den Beizern in der Bevölkerung ist enorm. Aber der Verband ist gelähmt und tut nichts ausser sich beklagen. Der Verband ist der gleiche Versager wie die Politik was das betrifft.
  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Die Nachfrage nach Gastronomie ist nicht weg. Nach Covid wird diese wieder wie zuvor oder noch grösser präsent sein. Und wo Nachfrage ist, entsteht automatisch ein Angebot. Man muss sich vielleicht von seinem Lieblingsrestaurant verabschieden, dafür entsteht Neues. Neue Chancen etwas zu entdecken und ein Lieblingsrestaurant zu finden. Die Zeit nach Covid ist die grosse Zeit der Chancen für die Gastronomie!
    1. Antwort von Aaron Dettwiler  (Aaron1984)
      Eine valide Beschreibung der Situation. Aber was ist mit den Menschen, welche ihr Vermögen in ein Restaurant investiert haben oder welche ihre Stelle verloren haben? Währen Sie als direkt Betroffener ebenfalls so entspannt?
    2. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Wer, ausser grossen Ketten, hat in einem Jahr genügend Geld und Mumm, um ein neues Restaurant zu eröffnen? Der Wirt, der jetzt mit seinem alten Restaurant Konkurs geht, ja wohl nicht...
    3. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      Statt alles negativ zu sehen und zu Jammern, täten wir gut daran uns auf die Chancen die sich bieten nach Covid zu fokusieren. Wer ein vernünftigen Businessplan hat findet auch Investoren und kann nach Covid durchstarten. Ich sehe keine Gefahr dass die Gastronomie-Vielfalt nach Covid sinken wird.
    4. Antwort von Daniel Heid  (Daniel H)
      Wenn Sie hin und wieder etwas anderes essen möchten, könnten Sie einfach ein anderes Restaurant besuchen.
      Dass Sie an Schliessungen von Restaurants und Entlassungen etwas Positives abgewinnen können, ist doch sehr sonderbar.
    5. Antwort von Roland Glättli  (R. Maier-G.)
      Ja Herr Gasser, es werden neue Gastrobetriebe kommen, aber kaum mit den selben Wirten! Die stottern nämlich ihre Schulden ab! Und würde man so trocken, wie Sie über die Opfer in der Gastro-Branche, über die Risiko-Gruppen bei Covid schreiben, es würde nicht freigeschaltet!