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Berner Obergericht Bleibt Bieler Rentner Peter Hans Kneubühl verwahrt?

Kneubühl wehrt sich gegen seine Verwahrung. Er hatte bei der Räumung seines Hauses 2010 einen Polizisten angeschossen.

Das Berner Obergericht muss entscheiden, ob der Bieler Rentner Peter Hans Kneubühl verwahrt bleibt. Dieser wehrt sich gegen die im März 2020 verfügte Massnahme.

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Aus dem Archiv: Der Fall Peter Hans Kneubühl wirft Fragen auf
Aus 10 vor 10 vom 04.03.2020.
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Der Rentner schrieb dem Gericht in einem Brief, er halte die Beschwerdekammer nicht für unabhängig und werde deshalb nicht erscheinen. Es handle sich um einen «Streik» gegen die «Korruption der Berner Behörden». Die Beschwerdekammer entschied während der Verhandlung, auf Kneubühls Anwesenheit zu verzichten. Kneubühls Position sei ja aus seinen vielen Eingaben an die Gerichte bestens bekannt.

Auch Kneubühls Verteidiger war einverstanden, auf eine polizeiliche Vorführung des Beschwerdeführers zu verzichten. Er sagte, Kneubühl wünsche sich eine Aufarbeitung der Ereignisse im Jahr 2010. Er habe aber begriffen, dass es jetzt nur um die Frage gehe, ob er verwahrt werden solle oder nicht.

Querulant und Behördenschreck Peter Hans Kneubühl

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Der heute 77-jährige Peter Hans Kneubühl wurde 2010 landesweit bekannt, als er vor der Zwangsräumung seines Hauses in Biel auf Polizisten schoss und einen von ihnen schwer verletzte. Nach einem mehrtägigen Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei wurde der Rentner schliesslich oberhalb von Biel gefasst.

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland kam 2013 zum Schluss, der Rentner leide an einer schweren wahnhaften Störung. Es taxierte den Angeklagten als schuldunfähig und verordnete eine stationäre psychiatrische Massnahme. Das bernische Obergericht und das Bundesgericht bestätigten dieses Vorgehen.

Im Rahmen der stationären Massnahme solle sich Kneubühl therapieren lassen, so die Idee. Packe er diese Chance nicht, drohe ihm eine Verwahrung, warnten seinerzeit die Richter. Doch der als «Behördenschreck» bekannt gewordene Kneubühl bestreitet, dass er an Verfolgungswahn leidet. Laut Behörden verweigerte er jegliche Therapie und medikamentöse Behandlung. Aus diesem Grund stellten die Bewährungs- und Vollzugsdienste des Kantons Bern beim Gericht den Antrag, die stationäre Massnahme wegen Aussichtslosigkeit durch eine Verwahrung abzulösen.

Das erstinstanzliche Gericht entsprach im vergangenen März dieser Forderung. Schon damals erschien Kneubühl nicht vor Gericht und zog dieses Urteil an die nächsthöhere Instanz weiter. Nun ist es am Berner Obergericht, über das weitere Schicksal des Rentners zu entscheiden.

Im Strafvollzug hat Kneubühl mehrfach mit Hungerstreiks für seine Anliegen gekämpft. Insbesondere wollte er von der Strafanstalt Thorberg ins Regionalgefängnis Thun zurückverlegt werden.

Das Berner Obergericht wird seinen Entscheid über die Verwahrung Kneubühls voraussichtlich am Donnerstag bekannt geben.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Willi Fetzer  (wi)
    Was leider viel zu sehr vergessen geht, und sicher Einige unter uns selber erlebt haben, es gibt leider auch im Alltag, im Umgang mit Aemtern, Behörden und Gerichten,  Personen, die ihre Macht und Position ausnützen und ausspielen, wo selbst der friedliebenste Mensch an seine Grenzen stösst. Kommen dann noch übergeordnete Stellen hinzu, die im gleichen Muster handeln und entscheiden, sind Ergebnisse wie hier z.B. leider möglich.
    1. Antwort von Franz Lehmann  ((DrFranz))
      Im vorliegenden Fall von friedliebensten Menschen zu schreiben ist wohl ein bisschen verfehlt. Er hat auf einen Polizisten geschossen. Und sonst hinkt zumindest der Vergleich gewaltig.
    2. Antwort von Alex Hanselmann  (kinkiri)
      Ich finde diese Corona Zeit könnte auch eine Chance sein, anders mit 'Querulanten' umzugehen. Sind Maskengegner auch Querulanten? In den USA gibts mittlerweile viele gewaltbereite Mitmenschen, die dank ihrem Guru Trump ihre Hemmungen abbauen. Querulanten?
      In Zürich gabs u.a. im II. WK den berühmten Waffenfabrikanten Bührle. In der NZZ las ich, wenn er einmal im Jahr aufs Steueramt musste, war er so durch den Wind, dass man sich um seinen Gesundheitszustand hätte Sorgen machen können. Querulant?
  • Kommentar von Marco Jaiza  (M. Jaiza)
    Das ist wieder das Dilemma des Strafrechts und der Psychiatrie. Es fehlen in der Schweiz die Anstalten für Menschen, wie Kneubühl. Es braucht Orte, wo man die Gesellschaft vor Menschen wie Kneubühl schützen kann und doch ist Kneubühl kein normaler Gewaltverbrecher. Daher müsste man ihn in einer Art von geschlossener Psychiatrie betreuen, auch wenn er jegliche Therapie ablehnt, ist er doch von wahnhaften Ideen beherrscht. Deswegen darf er nicht wieder in die Freiheit entlassen werden.
    1. Antwort von Franz Lehmann  ((DrFranz))
      Solche Institutionen gibt es.
  • Kommentar von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
    Eine Verwahrung ist hier wohl unausweichlich. Wer eine psychologischen Therapie verweigert, hat jegliche Einsicht verloren. Er beweist damit, dass er brandgefährlich ist, wegen absoluter Uneinsichtigkeit. Eine Therapie mit einem Psychologen schadet niemanden und kann etwas zur Selbsterkenntnis beitragen.
    1. Antwort von Alex Hanselmann  (kinkiri)
      Ich verstehe nur wenig, doch kann ich ihrem Kommentar entnehmen, dass sie auch keine grosse Ahnung haben. Da sie hier argumentieren, diesem Menschen müsse bis zum Tod die Freiheit weggenommen werden, finde ich ihre Äusserung (in ihren Worten) 'brandgefährlich'. Sollten wir den Entscheid hier nicht lieber den Fachleuten überlassen?