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Die Reitschule.
Legende: Vor der Reitschule ist nicht mehr viel los. SRF / Christian Strübin
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Schweiz Berner Reitschule bleibt «bis auf Weiteres geschlossen»

Wiederholt forderten bürgerliche Politiker, das Berner Kulturlokal Reitschule müsse geschlossen werden. Nun haben die Betreiber selber genug – «bis auf Weiteres». Grund dafür sind Vorkommnisse auf dem Vorplatz des Lokals.

Die Reitschule in der Stadt Bern bleibt vorerst geschlossen. Das teilt die Reitschule mit. Als Grund geben die Betreiber die andauernden Probleme auf dem Vorplatz an.
Für diese Ereignisse könne und wolle die Reitschule die Verantwortung nicht tragen.

«Kristallisationspunkt gesellschaftlicher Probleme»

«Nicht zuletzt als Konsequenz der verfehlten Jugend-, Nachtleben-, Sicherheits-, Drogen- und Asylpolitik der Stadt Bern, des Kantons und des Bundes» sei dieser Vorplatz zum «Kristallisationspunkt gesellschaftlicher Probleme» geworden.

Der Reitschule werde damit eine Verantwortung «übergestülpt», welche sie weder tragen könne noch wolle. «Wir haben keine Lust mehr darauf, Freiraum zu sein, dem nicht Sorge getragen wird.»

Ein Aushang an der Reitschule der Betreiber.
Legende: In einem Aushang an der Reitschule machen die Betreiber ihrem Ärger Luft. SRF / Christian Strübin

Tor der Reitschule ist zu

Ein Augenschein zeigte am späteren Nachmittag, dass es den Betreibern offenbar ernst ist: Das Tor zur Reitschule war verriegelt, und daran hing die Medienmitteilung von der Schliessung.

Abzuwarten bleibt, was «bis auf Weiteres» heisst. Kommende Anlässe finden nicht statt. Doch schon Ende Juli will die Reitschule zum dritten Mal ein Sommerfest durchführen.

Stadt Bern «nicht völlig überrascht»

Die Stadt Bern sei vom Schliessungsentscheid der IKUR-Vollversammlung nicht völlig überrascht, sagt Walter Langenegger, der Infochef der Bundesstadt am Sonntag-Nachmittag. «Eine mögliche Schliessung aus eigenem Antrieb war in den Gesprächen immer wieder ein Thema.»

Zustimmung für die Kritik an der «verfehlten Drogen-, Jugend- und Asylpolitik» ernten die Reitschul-Betreiber von der JUSO Stadt Bern. «Die Schliessung» sei eine «logische Konsequenz», heisst es in einer Erklärung.

Stadtbekannter Drogenhandelsplatz

Der Vorplatz der Reitschule – ein Unort zwischen einem Parkplatz und der Reitschule; darüber verläuft ein Eisenbahnviadukt – gibt in Bern seit Jahren zu reden. Er ist stadtbekannt als Drogenumschlags- und -handelsplatz. Wenn hier etwas los ist, kommen Hunderte oder gar Tausende. Immer wieder kommt es aber auch zu Rangeleien oder schlimmeren Vorfällen; erst Mitte Juni kam es in diesem Bereich wieder zu einem Angriff, bei dem ein Messer im Spiel war.

Die Reitschüler werfen der Polizei jeweils vor, sie gehe ungerechtfertigterweise vor allem gegen Schwarze vor, welche oft auf dem Vorplatz als Dealer auftreten. Die Polizei wirft der Reitschule ihrerseits unkooperatives Verhalten vor.

Eskalation

Zu einer Eskalation kam es Anfang März, nachdem die Polizei vor der Reitschule Personenkontrollen durchgeführt hatte. Vermummte errichteten Barrikaden und griffen die Einsatzkräfte vom Dach des Gebäudes an. Elf Polizisten wurden verletzt. Danach ergriff die Stadt Bern Sanktionen gegen die Reitschule.

Audio
Stadt Bern ist nicht völlig überrascht (10.7.2016)
01:01 min
abspielen. Laufzeit 01:01 Minuten.

Der neue, vierjährige Leistungsvertrag zwischen Stadt und den Reitschul-Trägern kam wenig später aber dennoch durchs Stadtparlament. Viele Parlamentarier argumentierten, die Reitschule sei nicht verantwortlich für die Gewaltexzesse.

Bundesrichter eingeschaltet

Mitte Mai wurde auch bekannt, dass die Stadt den ehemaligen Bundesrichter Hans Wiprächtiger beauftragt hat, im Konflikt zwischen Stadt und Reitschule zu vermitteln. Damals hiess es, der Dialog sei erst angelaufen, konkrete Ergebnisse lägen nicht vor. Gemäss Walter Langenegger werden diese Gespräche weitergeführt, auch wenn die Reitschule zurzeit geschlossen ist.

Tweet der Reitschule

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22 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Wird die Reitschule geschlossen, verteilen sich die heutigen "Bewohner" wieder im Kanton in einzelne Gemeinden. Ich habe bereits festgestellt, dass "bedauernswerte" Gestalten auftauchen.
  • Kommentar von markus kohler  (nonickname)
    Das Problem ist die Vermischung von zig verschiedenen Szenen an einem Ort. Der Fernbusbahnhof, die Anlaufstelle für Abhängige, dann das Kunstmuseum, gleich gegenüber das Regionalgefängnis und noch die Reitschule. Es braucht ein Trennung der Szenen und die Betreiber der Reitschule müssen bereit sein sich vom schwarzen Block und dem Drogendeal zu distanzieren. Ansonsten müsste die Stadt den Vertrag kündigen und die Reitschule räumen lassen.
    1. Antwort von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
      Zürich kann als Modell dienen. Worin sich Bern und Zürich diesbezüglich (noch) unterscheiden, hat ein srf-Beitrag in der gestrigen Ausgabe von "10 vor 10" recht gut aufgezeigt.
  • Kommentar von Christophe Bühler  ((Bühli))
    Hallo Bern, Zürich machte es vor AJZ abgerissen, Bussbahnhof, Resultat weniger Drogen.
    1. Antwort von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
      Mit dieser Vereinfachung blenden Sie die Zwischenschritte aus. Für Zürich entscheidend war nach der Aera "Platzspitz" die Aufhebung des "Letten" und das gleichzeitige Einrichten von Fixerstuben und die kontrollierte (Ersatz-)Drogenabgabe. - Am vehementesten gegen diese Lösung hat sich die SVP mit den Argumenten gestellt, so werde ZH zu einem europäischen Anziehungspunkt für Drogentouristen, und die Zahl der drogenabhängigen CH-Jugendlichen würde steigen. Nichts davon ist eingetreten.
    2. Antwort von Nicolas Dudle  (Nicolas Dudle)
      2) Kathrin Winzenried hat für srf eine Dokumentation produziert, die dies bestätigt. Auch der ehemalige SVP-Politiker Bortoluzzi, der sich in die Frontreihe der Ablehner gestellt hatte, liess sich zu einem Lokatermin blicken und gab dabei in die Kamera hinein zu, dass die Befürchtungen falsch waren. Demaskierend war der Beisatz "...aber ich habe trotzdem recht gehabt". Na dann - viel Spass, Bern!