Das ist passiert: Eigentlich sollte er verschwinden, nun bleibt er aber doch, wenn auch mit neuem Namen: der Kinderzoo im Berner Tierpark. Ab 2030 soll es im Dählhölzli einen «Familienzoo» geben, wie der Tierpark am Donnerstag mitteilt. Der Familienzoo soll Begegnungen zwischen Mensch und Tier ermöglichen, jedoch unter deutlich tiergerechteren Bedingungen. «Wir möchten Räume schaffen, in denen Tiere sich wohlfühlen und Menschen gleichzeitig viel über Natur und Tiere lernen können», sagt Tierpark-Direktorin Friederike von Houwald.
Das ändert sich mit dem Familienzoo: Der Kinderzoo im Tierpark Bern bleibt also – aber in neuer Form. Im Familienzoo soll nicht mehr das Streicheln im Vordergrund stehen. Die Gäste können nicht mehr das Gehege der Tiere betreten. Trotzdem sollen aber Begegnungen und auch Berührungen möglich sein, etwa beim Bürsten der Minipigs. Dazu will der Tierpark mit Erlebnisräumen und einem frei zugänglichen Panorama-Aquarium das Angebot ergänzen. Auch der beliebte Spielplatz am Aareufer soll bleiben.
Schluss mit Streichelzoo: Im Jahr 2023 stellte der Tierpark seine neue Strategie vor. Damals war vorgesehen, den Kinderzoo in seiner bisherigen Form zu schliessen. Den Kinderzoo gibt es seit 1994. Das Streicheln von Zwergziegen, Zwergeseln und Minipigs sei nicht mehr zeitgemäss. «Am Kinderzoo festzuhalten, wäre gegenüber den Tieren unfair», sagte Friederike von Houwald damals. Das Berner Stadtparlament unterstützte diese Pläne und akzeptierte die Schliessung. Der Tierpark gehört zur Stadt Bern und wird von ihr finanziert.
Die Kontroverse: Die Ankündigung, den Streichelzoo im Tierpark zu schliessen, sorgte für Kritik. Es gab viele negative Reaktionen. Die Stadtberner SVP reichte eine Initiative ein – mit fast 5500 Unterschriften – um den Kinderzoo zu erhalten. «Es ist ein Gratisangebot, das viele Familien nutzen und schätzen», so SVP-Stadtparlamentarier Alexander Feuz damals. Heute ist er zufrieden: «Hätten wir nichts unternommen, wäre alles verschwunden. Das ist ein Erfolg.»
Tierpark Dählhölzli im Wandel
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Bild 1 von 3. «Mehr Raum für Vielfalt»: Vor drei Jahren hat sich der Tierpark strategisch neu ausgerichtet. Er züchtet auch Käfer, zum Beispiel Rosenkäfer. Bildquelle: Keystone / Anthony Anex.
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Bild 2 von 3. Die 20-jährige Anlage musste weichen: Seit Mai 2025 schwimmen die Berner Seehunde in einer neuen Anlage. Bildquelle: Keystone / Peter Schneider.
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Bild 3 von 3. Wenn Minipigs gross werden: Viele Bernerinnen und Berner besuchen regelmässig die Zootiere entlang der Aare. Nun wird das Gratisangebot überarbeitet. Bildquelle: SRF / Adrian Müller.
Krebst der Tierpark zurück? Nein, sagt der Berner Gemeinderat Alec von Graffenried. Der Tierpark sei nicht vor dem öffentlichen Druck eingeknickt. Von Graffenried spricht von einem «Missverständnis». Auch Tierpark-Direktorin von Houwald sagt: «Wir haben schlecht kommuniziert. Wir haben zwar gesagt, dass der Kinderzoo aufgehoben wird, aber hatten noch kein Konzept für den neuen Familienzoo.» Das habe für Verwirrung gesorgt.
So geht es nun weiter: Ob die SVP-Initiative zurückgezogen wird, ist noch offen. Das Initiativkomitee prüft derzeit, ob weitere Zugeständnisse vonseiten Tierpark nötig sind und ob das präsentierte Konzept alle Forderungen erfüllt. Das letzte Wort zum Familienzoo hat aber sowieso die Berner Stimmbevölkerung: Die Zonenplanänderung, die zur Realisierung nötig ist, sowie der Baukredit müssen vor das Volk.