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Die Jugendlichen der 2. Sek B machen sich Sorgen
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 24.11.2020.
abspielen. Laufzeit 05:25 Minuten.
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Berufswahl während Corona Mit der Webcam eine geeignete Lehrstelle finden

Berufsmessen sind abgesagt, Schnupperlehren sind kaum möglich. Nun versuchen die Kantone den Jugendlichen zu helfen.

Dienstag, kurz nach 8:00 Uhr, Schulhaus Döltschi in der Stadt Zürich. Die Schülerinnen und Schüler der 2. Sek B nehmen Platz auf den roten Sofas in der Sitzecke des Schulzimmers. Thema: Berufseinstieg.

Ich hoffe, dass ich trotz Corona noch eine gute Lehrstelle finde.
Autor: NinoSchüler

Der 13-jährige Nino möchte Automatiker werden: «Ich habe mich bis jetzt im Internet über die verschiedenen Berufe informiert. Ich hoffe, dass ich trotz Corona noch eine gute Lehrstelle finde.»

Vor einigen Tagen wäre die Klasse an die Berufsmesse Zürich gegangen. Es ist die schweizweit grösste ihrer Art, letztes Jahr kamen über 55'000 Jugendliche. Doch dieses Jahr ist alles anders. Die Berufsmesse findet wegen Corona nicht statt.

Der 14-jährige Aymen ist enttäuscht: «An der Berufsmesse hätte ich mich besser entscheiden können.» Denn er interessiert sich für Architektur, schraubt aber auch gerne an Computern und fragt sich, ob vielleicht dennoch das KV das Richtige für ihn wäre.

Schülerinnen und Schüler sitzen auf einem Sofa.
Legende: Die Jugendlichen sind verunsichert. Was will ich werden und finde ich in da überhaupt einen Ausbildungsplatz? Peter Schürmann/SRF

Kiana (13) hat zwar einen Berufswunsch, sie möchte eine kaufmännische Lehre machen. Aber: «Hundertprozentig sicher bin ich mir noch nicht. Es gibt viele Berufe, die wir nicht kennen.»

Der Lehrer, Christian Thörig, versucht den Jugendlichen die verschiedenen Berufe mit kurzen Videos näherzubringen. Das sei aber ein schlechter Ersatz: «An der Berufsmesse können die Jugendlichen den Beruf erfahren. Zum Beispiel beim Maurer können sie die Steine berühren und mit dem Zement versuchen, eine kleine Mauer zu bauen.»

Zürich plant Online-Berufsmesse

Im Kanton Zürich soll es nun eine Berufsmesse im Internet geben. Der Kanton stellt das Angebot zusammen mit dem Gewerbe auf die Beine. So sollen etwa Infoveranstaltungen der einzelnen Berufsverbände online stattfinden. Termine und Videos sollen auf einer speziellen Online-Plattform der Berufsberatung kommuniziert werden.

Thomas Hess, Geschäftsleiter des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Zürich, erhofft sich ein lebendiges Angebot: «Ein Werbefilm wäre für mich nicht gut genug. Besser wäre ein Livestream, bei dem der Beruf vorgestellt wird.» So könnten sich Jugendliche zuschalten und Fragen stellen.

Kanton Bern hilft mit «SOS-Corona Laufbahnberatung»

Ein junger Mann in einem Beratungsgespräch.
Legende:Corona-Beratung für StellensuchendeKeystone

Im Kanton Bern haben die Berufsberatungs- und Informationszentren BIZ bereits im Mai die SOS-Corona Laufbahnberatung lanciert. Dort können sich Personen melden, welche wegen der Corona-Krise ihre Stelle verloren oder Probleme während der Lehre haben.

Viele würden sich melden, weil sie sich nun umorientieren müssen, sagt Sandra Pfandl, welche solche Beratungsgespräche beim BIZ führt. Es gab auch Lernende, welche Hilfe suchten. «Zum Beispiel eine junge Frau, welche den Lehrbetrieb wechseln wollte. Sie löste ihren Lehrvertrag in einer Kita auf und fand wegen Corona keinen neuen Lehrplatz», erzählt Sandra Pfandl.

Im Frühling waren viele Kitas geschlossen oder stellten keine neuen Leute ein. «Durch die Beratung konnte ich die junge Frau begleiten und motivieren. Sie blieb dran und fand schlussendlich noch einen Lehrbetrieb.» Andere mussten sich neu orientieren. «Eine 28-Jährige war im Gastrobereich tätig, wo sie keine Zukunft mehr sah. Jetzt macht sie eine Ausbildung zur Schuhmacherin.»

Eine Beratung oder eine Online-Berufsmesse ersetzen eine Schnupperlehre nicht. Darum appeliert Thomas Hess vom Zürcher KMU- und Gewerbeverband an die Betriebe: «Es ist elementar, dass sich Jugendliche vor Ort ein Bild machen können. Lasst sie auch während der Corona-Pandemie eine Schnupperlehre machen!»

Trotz den Hilfsangeboten der Kantone: Der Einstieg ins Berufsleben dürfte momentan noch schwieriger sein, als er sonst schon ist.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 24.11.2020, 17:30 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Patrizia Baumgartner  (BP)
    Leider ist eine "Webcam-Schnupperlehre" nur ein ganz kleiner Ersatz für eine richtige Schnupperlehre.
    Erst wenn die Lehrstellensuchenden wirklich selber Hand anlegen können, können sie effektiv herausfinden, ob der Beruf ihnen entspricht.
    Ein Film oder ein Gespräch kann dies nicht ersetzen.
    Viele waren auf Grund eines Films schon überzeugt den Traumberuf gefunden zu haben und beim Schnuppern wurde ihnen bewusst, dass dies überhaupt nicht so ist. Und genau dafür ist die Schnupperlehre da.
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  • Kommentar von Koel Nipfer  (ImmerLerner)
    Wieso weniger Schnupperlehren? Wir haben so viele Schnupperlehrlinge wie selten...
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  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Eigentlich ist die 2.Sek auch noch viel zu früh um sich für einen Beruf zu entscheiden. Mit 13/14 ist man noch so am Anfang seiner Entwicklung. Viele machten später noch eine zweite Ausbildung.
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