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Berufswechsel mit 50 Die reformierte Kirche freut sich über spätberufene Geistliche

Legende: Audio Spätberufene auf dem Weg zur Kanzel abspielen. Laufzeit 02:07 Minuten.
02:07 min, aus HeuteMorgen vom 23.12.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Aufgrund des Mangels an Pfarrern hat die reformierte Kirche einen Ausbildungsgang für Quereinsteiger geschaffen.
  • Die ersten 34 Ausgebildeten schliessen nächsten Sommer ab und beginnen ein Vikariat.
  • Doch der Mangel an Pfarrern lässt sich damit nicht beheben.

Jedes Jahr werden Dutzende Priester und Pfarrer pensioniert. Gleichzeitig haben die Schweizer Landeskirchen nicht genug Nachwuchs, weil sich immer weniger junge Leute für eine geistliche Laufbahn entscheiden. Die reformierte Kirche setzt deshalb auf Quereinsteiger. Sie bietet ein verkürztes Theologiestudium für Leute an, die nach einer Karriere in einem anderen Beruf mit Mitte 40 noch Pfarrer werden wollen. Das Projekt ist ein Erfolg.

Sie haben sich entschieden, einen anderen Beruf zu ergreifen, der viel mit den existenziellen Fragen zu tun hat, die sie selbst beschäftigen.
Autor: Thomas SchaufelbergerAusbildungskonkordat der reformiertne Kirche Deutschschweiz

Gut drei Dutzend Frauen und Männer haben im Herbst 2015 das erste Quereinsteiger-Studium für Theologie an den Universitäten Zürich und Basel begonnen. Eine frühere Radiojournalistin ist dabei, ein Programmierer, ein ehemaliger Gemeindepräsident.

Viele hätten sich im Alter zwischen 40 und 50 für die Kirchenkarriere entschieden, sagt Thomas Schaufelberger vom Ausbildungskonkordat der reformierten Kirche der Deutschschweiz: «Das sind oft Menschen, die teilweise beeindruckende Karrieren in verschiedensten Branchen hinter sich haben. Sie haben sich entschieden, nochmals einen anderen Beruf zu ergreifen, einen Beruf, der viel mit den existenziellen Fragen zu tun hat, die sie selbst beschäftigen.»

Das dreijährige Quereinsteiger-Studium dauert noch bis nächsten Sommer, danach absolvieren die angehenden Pfarrer ein einjähriges Vikariat in einer Kirchgemeinde. Nach vier Jahren sind die Quereinsteiger also fit für die Kanzel – mindestens drei Jahre früher als herkömmliche Theologiestudenten.

Die reformierte Kirche sei froh um diesen Nachwuchs, so Schaufelberger. «So gewinnen wir nicht einfach nur Leute, die die Pfarrstellen ausfüllen. Es sind Menschen mit einer hohen Motivation für diesen Beruf, die mit all ihren Kompetenzen aus ganz anderen Feldern die Kirche auch bereichern werden.»

Mindestens noch zwei Ausbildungsgänge in Planung

Die 34 Quereinsteiger-Pfarrer federn den drohenden Pfarrermangel allerdings nur kurzfristig ab. Denn sie sind jetzt schon um die 50 und bleiben deshalb auch im besten Fall nur 20 Jahre im Amt. «Der Mangel ist damit nicht behoben. Wir müssen einen zweiten solchen Studiengang anbieten und voraussichtlich einen dritten», sagt Schaufelberger. «In den nächsten Jahrzehnten werden wir fünfhundert bis sechshundert Pfarrer zusätzlich brauchen. Es gibt daher noch Platz für weitere Interessenten.»

Bereits läuft die Anmeldefrist für das zweite Quereinsteiger-Studium, das im Sommer 2018 beginnt. Ausserdem versucht die reformierte Kirche der Deutschschweiz mit verschiedenen Kampagnen, mehr Gymnasiasten von einem herkömmlichen Theologiestudium zu überzeugen.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Olivier Wetli ("nicht von dieser Welt")
    Um existentielle Fragen anhand des Wortes Gottes verstehen um dann sein Leben neu ordnen zu können, brauchts keine weltliche Fakultät sondern Gottesfurcht, Lesen der Schrift, Sündenerkenntnis, Umkehr und rettenden Glauben an den Retter Jesus Christus. Menschen benötigen keine studierten Seelsorger sondern DEN gekreuzigten und auferstandenen Seelenretter. Erst so kann den Seelen in richtiger Weise geholfen werden.
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    1. Antwort von Connie Mueller (Connie Elizabeth)
      Doch man braucht studierte Seelsorger. Durch Bildung wird man Weise. Beinahe alle Kirchen im Protestantischen Glauben akzeptieren mittlerweile Schwule, Lesben, Transmenschen und dies nicht nur als Mitglieder sondern auch für das Priesteramt. Wenn die ungebildet wären würde die Kirchen immer noch gegen all dies sein. Man merkt es bei den Leuten die sich als Christen bezeichnen aber eine sehr negative Einstellung gegen all dies haben. Ungebildete verstehen die Bibel eben nicht zu 100%.
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    2. Antwort von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
      Wie wollen Sie denn die Hl. Schrift lesen ohne wissenden Hintergrund? Dafür gehen Sie als Theologe auf die UNI ... Googlen Sie mal nach dem Begriff Bildung - und hier zu Bildung in der griechischen Antike: «Paideia», was so viel heisst, wie «Auffahrt» - also ohne Bildung/Wissen keinen Zugang zu Gott ... oder hier eben zur Bibel.
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  • Kommentar von Connie Mueller (Connie Elizabeth)
    Was nützt das übrigens wenn man neue Pfarrer ausbildet die auch bereits kurz vor der Pension stehen ? Man muss Junge ausbilden und die haben auch mehr chancen junge Menschen für die Kirche zu begeistern. Die Freikirchen sind voll mit jungen Menschen und wieso auch ? Die Pfarrer sind meist unter 30.
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    1. Antwort von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
      Wer sagt denn, dass diese Späteinsteiger sich sogleich pensionieren lassen wollen?
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  • Kommentar von marlene Zelger (Marlene Zelger)
    Für die reformierten Anwärter ist der Einstieg in den Beruf des Geistlichen viel einfacher. Da reicht vielleicht eine Schnellbleiche, wie sie auch in anderen Berufen möglich ist. Beim Katholizismus ist das viel komplizierter, weil der hierarchische Stuhl Petri eine wichtige Rolle spielt. Da wird es wohl keine spätberufene Quereinsteiger geben.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      ... wenn ein 3-jähriges Vollzeitstudium an einer Universität und ein zusätzliches Jahr Praktikum eine Schnellbleiche ist... Die Katholiken stehen sich selber vor der Sonne mit ihrem sexistischen Berufsverbot und dem Zölibat. Es gäbe sicher Quereinsteiger, wenn man sie denn liesse. Und vorallem gäbe es viele Frauen. Aber denen fehle etwas in der Hose.
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