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Es klingen die Schächentaler Seilbahnen
Aus Echo der Zeit vom 16.04.2021.
abspielen. Laufzeit 04:02 Minuten.
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Besonderes Forschungsprojekt Von Techno bis sphärisch: Der Klang der Seilbahnen

Im Schächental im Kanton Uri fängt der Musikprofessor Michel Roth mit Mikrofon die Geräusche von Seilbahnen ein.

Das Schächental: Es ist ein wildes Tal mit kurvigen Strassen und Wegen, saftigen Alpenblumenwiesen, einem eindrücklichen Bergpanorama – und vielen Seilbahnen. Genauer: Kleinseilbahnen und Wildheuseilen. Sie führen von der Klausenpassstrasse hinauf in verschiedene Bergbauernhöfe und sind so etwas wie die Lebensader für die Familien, die im Schächental leben.

Bei der Talstation der Seilbahn Witterschwanden-Eggenbergli, direkt beim Bergbach Schächen, ist Michel Roth mit einer Zange am Werk. Er ist kein Seilbahnmechaniker, wie man auf den ersten Blick vielleicht meinen könnte, sondern Musikprofessor an der Hochschule für Musik in Basel.

Mann mit Maske mit Zange montiert ein Kabel
Legende: Hier wird keine Seilbahn repariert: Die Kabine wird verkabelt, um perfekte Tonaufnahmen zu erhalten. SRF/Christian Oechslin

Michel Roth verkabelt die kleine grüne Seilbahn und stattet sie mit einem Mikrofon aus: «Ich habe das Mikrofon an einem Metallteil der Gondel befestigt. Die Gondel ist aufgehängt an einem Seil, das mehrere hundert Meter lang ist und über verschiedene Masten reicht.» Wenn er also jetzt mit der Seilbahn hinauf zur Bergstation fährt, an zahlreichen Bauernhöfen vorbei, dann erzeugt dies Klänge, die auf seinem montierten Mikrofon landen. Mit Kopfhörern und einem mobilen Tonstudio kontrolliert er die Aufnahmen. Michel Roth ist zufrieden.

 Seilbahn Witterschwanden-Eggenbergli - grüne Gondel
Legende: Aktuelles Forschungsobjekt: Die Seilbahn Witterschwanden-Eggenbergli SRF/Christian Oechslin

Der Musikprofessor und Komponist hat bereits einige Seilbahnen im Schächental aufgenommen. Ihren Klang festzuhalten, ist Teil eines Forschungsprojekts des neu gegründeten Instituts «Kulturen der Alpen» in Altdorf.

Urner Institut «Kulturen der Alpen»

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Das Institut «Kulturen der Alpen» widmet sich in der ganzen thematischen Breite den Besonderheiten des gesamten alpinen Raums: von den prähistorischen Zeugnissen über spezifische Traditionen bis hin zu den drängendsten Herausforderungen der Gegenwart.

Das Institut ist als unabhängiges Urner Institut an der Universität Luzern organisiert. Es bietet Forschenden Arbeitsplätze und ist zentraler Ausgangspunkt für Archiv- und Feldforschung. Es versteht sich als Plattform des regionalen, nationalen und internationalen Austauschs für die Alpenforschung, führt regelmässig Veranstaltungen durch und publiziert relevante Forschungsresultate.

Finanziert wird das Institut durch den Bund (Neue Regionalpolitik), den Kanton Uri und die Dätwyler Stiftung. Laut dem Institut garantieren alle Geldgeber die wissenschaftliche Unabhängigkeit der Forschung.

Das Institut befasst sich vertieft mit der Bedeutung der Seilbahnen – eben auch als Kulturgut. Mit Fotografien, Texten und Tönen sollen diese alpinen Transportmittel der Nachwelt erhalten bleiben. Die Aufnahmen von Michel Roth und damit die Klänge der Schächentaler Seilbahnen faszinieren: Von brummenden Bässen über singende Obertöne bis hin zu Technobeats ist alles zu hören.

In der Tat ist Michel Roth überzeugt, dass einige Aufnahmen sogar die Techno-Szene interessieren könnten. «Seile und Masten stehen nicht einfach still in der Landschaft», sagt der Komponist und Musikprofessor. «Sie machen Geräusche, klopfen einen Takt, und manchmal singen sie.»

Es sind Klänge darunter, da würde sich auch die Techno-Szene dafür interessieren.
Autor: Michel RothMusikprofessor und Komponist

Dabei spiele auch das Wetter eine grosse Rolle: Wind und Temperaturen hätten einen Einfluss auf den Klang der Seilbahnen – genauso wie der Lärm von landwirtschaftlichen Maschinen.

Aus den umfangreichen Tonaufnahmen will Michel Roth eine Komposition erstellen. Seine Musikinstrumente sind dabei die kilometerlangen Seile und die ganze Infrastruktur der Seilbahnen. Das mache es besonders interessant. Für den Hessischen Rundfunk kann Michel Roth daraus eine Klangkunst-Sendung machen. Meistens werde da eigentlich elektronische Musik gesendet. «Meine ist nun gar nicht so elektronisch, aber klingt teilweise ähnlich», sagt der Komponist.

Mann lachend mit Kopfhörer und Mikrofon
Legende: Mit Mikrofon den Klängen auf der Spur: Der Komponist Michel Roth. SRF/ Christian Oechslin

Bis es so weit ist, braucht es aber noch viel Tonmaterial. Darum nimmt Michel Roth weiterhin sein mobiles Tonstudio unter den Arm und macht sich auf, um im Schächental ganz besondere Seilbahntöne einzufangen.

Echo der Zeit, 20.04.2021,18:00 Uhr;

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Max Blatter  (maxblatter)
    Ein spannendes Projekt! Hoffentlich macht mir Herr Roth nicht zu viel Konkurrenz; bei mir selbst steht nämlich ein ähnliches Projekt mit dem Arbeitstitel "Symphonie nachhaltiger Energiesysteme" in den Startlöchern. Allerdings fange ich die Klänge nicht mit dem Mikrophon ein, sondern erzeuge sie (überwiegend) synthetisch; und ich habe auch keinen Hintergrund als Musiker, sondern als Elektroingenieur.

    Natürlich wünsche ich Herrn Roth viel Erfolg!