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Politmuffel in Spreitenbach
Aus Rundschau vom 11.09.2019.
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Besuch in Spreitenbach Das Nichtwähler-Dorf

In Spreitenbach wählt bei nationalen Wahlen nicht einmal jeder Dritte. Weshalb ist das so?

Das Dorf Spreitenbach im Kanton Aargau gehört in der Schweiz zu den Gemeinden mit der tiefsten Wahlbeteiligung. Bei den letzten nationalen Wahlen gaben nur rund 30 Prozent der Stimmberechtigten ihre Stimme ab, das ist rund 20 Prozent tiefer als der nationale Durchschnitt.

Während fünf Tagen sucht die «Rundschau» in Spreitenbach das Gespräch mit Nichtwählern, besucht Musikkonzerte, Vereinstrainings, Dorfbeizen und spricht mit Politologen. Allgemeines Fazit: Die Nichtwähler lassen sich in drei Gruppen einteilen. Die Zufriedenen, die Verdrossenen und die Jungen.

Die Zufriedenen

Zur Gruppe der «Zufriedenen» gehört der pensionierte Unternehmer und ehemalige Gemeinderat von Spreitenbach Robert Wegmann.

In meinem Alter muss man nicht mehr mitreden.
Autor: Robert WegmannUnternehmer im Ruhestand

Er geht heute nicht mehr wählen: «In meinem Alter muss man nicht mehr mitreden», erzählt er bei einer Spritztour durchs Dorf in einem seiner Sportwagen.

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«In meinem Alter musst Du nicht mehr mitreden, oder? Das sollen die Jungen machen.»
Aus News-Clip vom 10.09.2019.
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Wie die meisten Nichtwähler ist Robert Wegmann zufrieden mit seinem Alltag und vertraut auf die Institutionen. Und auf die Jungen: «Sie sollen die Weichen stellen für die Zukunft.» Wegmann kann sich einen sorgenfreien Lebensabend leisten. Er reist gerne und viel und geniesst seine Hobbys.

Zufriedenheit macht Wähler faul

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Zufriedenheit ist der häufigste Grund, weshalb Staatsbürger Wahlen fern bleiben – gemäss einer Studie der Universität Bern macht das rund einen Viertel der Stimmberechtigten aus. Gemäss der Studie sind die Zufriedenen die grösste Gruppe unter den Nichtwählern.

Mitverfasst hat die Studie der Politologe Adrian Vatter. «Das sind Leute mit gutem Einkommen, hohem Bildungsgrad, gut integriert. Aber: sie interessieren sich nicht für Politik. Sie sind nicht motiviert. Und interessant: Sie haben gleichzeitig ein sehr hohes Vertrauen in die politischen Institutionen, in die Parlamentarier, in den Bundesrat.»

Die Verdrossenen

Zur Gruppe der Verdrossenen gehört die 73-jährige Elisabeth Denzler.

Ich habe das Vertrauen in die Politik verloren.
Autor: Elisabeth DenzlerAnwohnerin von Spreitenbach

Die «Rundschau» trifft sie in einem Café in Spreitenbach. Früher als ihr Mann noch lebte, ging sie wählen. Doch heute nicht mehr. «Vor den Wahlen versprechen einem die Parteien das Blaue vom Himmel. Und dann passiert wenig. Ich habe das Vertrauen in die Politik verloren», sagt sie.

Laut der Studie der Uni Bern geht es 16 Prozent der Nichtwähler wie Elisabeth Denzler. Sie lebt bescheiden in ihrer Zweizimmerwohnung im 23. Stock eines Hochhauses. Sie ist hier eine der wenigen Schweizerinnen. Über die Hälfte der Bevölkerung sind hier Ausländer. Rund 70 Nationen leben in Spreitenbach.

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Elisabeth Denzler hat das Vertrauen in die Politiker verloren.
Aus News-Clip vom 10.09.2019.
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Die Jungen

Die Jungen bilden die dritte Gruppe Nichtwähler, die auffällt.

Wenn Sie meine Stimme wollen, müssen sie meine Aufmerksamkeit gewinnen.
Autor: Robert DevcicAutomatiker aus Spreitenbach

«Ich habe keinen Bezug zu Politikern», sagt Robert Devcic, 27 Jahre. Und: «Wenn Sie meine Stimme wollen, müssen sie meine Aufmerksamkeit gewinnen.» Der junge Automatiker kommt gerade im Tarnanzug vom WK heim. Devcic hat einen gefragten Job, lernt nebenher für die Matura, ist Mitglied bei der Feuerwehr und Coach des lokalen Basketballteams «Unicorn» – ein Vorzeige-Secondo. Aber Wahlen? Nein danke.

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Die Politik werde von älteren Generationen regiert. Das findet Robert Devcic schade.
Aus News-Clip vom 10.09.2019.
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Wählen wie die Anderen

Politologe Adrian Vatter fasst zusammen: «In Spreitenbach ist die Wahlbeteiligung derart tief, weil es hier überdurchschnittlich viele mit Migrationshintergrund, überdurchschnittlich viele Leute mit einem tiefen Bildungsniveau und überdurchschnittlich viele Junge hat.»

Würden diese aber wählen, hätte dies – so Vatter – keinen grossen Einfluss auf das Gesamt-Resultat. «Die Untersuchungen über Nichtwähler zeigen, dass Nichtwähler im Grossen und Ganzen wählen würden wie die Wähler.» Grundsätzlich würde es nicht zu einer Erschütterung der Parteienlandschaft kommen, so der Politologe.

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«Gingen die Nichtwähler wählen, käme es grundsätzlich nicht zu einer Erschütterung der Parteienlandschaft», erklärt Politologe Adrian Vatter.
Aus News-Clip vom 10.09.2019.
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53 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Herr Vettel mal ganz ehrlich, gut Verdiener sind in der Regel jene, die sich eher bedeckt halten und bei solchen Studien und nicht wirklich das sagen was sie denken. Denn so dumm sind diese nämlich nicht und ersparen sich einen "Shit-Storm" à la Politik. Es bringt nur ärger.
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Es ist jedem "mündigen Bürger" freigestellt ob er wählen will oder nicht es sei denn es bestehe Stimmzwang!
    Es geht auch um Staats bürgerliche Verantwortung und ums mitbestimmen und gestalten der Heimat!
    1. Antwort von Hans Meier  (H-M)
      Bei zwang kann ich den Zettel durchlöchern und somit ist er nichtig and meine stimme geht zu niemandem!
  • Kommentar von b. glaset  (glaset)
    Wen soll ich wählen, der Einheitsbrei an Klimahysterie... Da brauch ich nicht mehr wählen gehen.
    1. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Das Problem haben Sie gut beschrieben, ohne es eigentlich wirklich gewollt zu haben. Ueber das Klima kann man nicht abstimmen. Man kann es nicht ändern auf politischem Wege und es wird auch nichts bringen am Freitag hierfür herumzuhüpfen, ausser mehr Abgaben und einen Ablasshandel. Mehr liegt da nicht drin mit dem Kllma. - Also warum überhaupt noch abstimmen und wählen gehen? Warum soll man also solche Leute, die sichtlich nichts verstehen und nichts können überhaupt noch wählen?