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Keine Gefahr mehr Bevölkerung von Saas-Grund atmet auf

Legende: Video Zwei Drittel des Gletschers sind abgebrochen abspielen. Laufzeit 01:32 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.09.2017.
  • Zwei Drittel der Eismassen der Zunge des Triftgletschers sind am frühen Morgen abgebrochen.
  • Das Eis ist unter dem Abbruch auf dem Gletscher liegen geblieben, für das Walliser Dorf Saas-Grund besteht keine Gefahr mehr.
  • Rund 200 Dorfbewohner können wieder in ihre Häuser zurückkehren. Auch die Kantonsstrasse ist wieder offen.
Legende: Der Triftgletscher (roter Punkt rechts) befindet sich oberhalb von Saas-Grund. srf

Die Evakuierten konnten noch am Sonntagmorgen wieder in den Weiler «Unter dem Berg» zurückkehren. Die Menschen mussten ihre Wohnungen bis am Samstagabend 18 Uhr verlassen. Sie kamen bei Verwandten, Bekannten und in Hotels unter. Betroffen waren neben Einheimischen auch Feriengäste.

Legende: Video «Das Dorf hat jetzt mehrere Jahre mit dem Risiko gelebt» abspielen. Laufzeit 02:05 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.09.2017.

Die Bevölkerung, der Regionale Führungsstab Saas und der Gemeindepräsident zeigten sich erleichtert. «Der Idealfall ist eingetroffen», sagte Simon Bumann, der Mediensprecher des Führungsstabs Saas. Die Gletschermasse habe sich in mehreren Brüchen talwärts bewegt. Sie sei auf der unten liegenden Gletscherzunge zum Stillstand gekommen, ohne dass bewohnbares Gebiet gefährdet gewesen sei.

«Ein Drittel des abrutschenden Materials ist noch oben. Die Gefahr ist aber relativ klein. Diese etwa 100‘000 bis 150‘000 Kubikmeter werden nach Abbruch vermutlich auch auf der Gletscherzunge liegen bleiben und nicht bewohnbares Gebiet erreichen. Das wird hoffentlich in den nächsten Tagen der Fall sein, sodass wir komplett Entwarnung geben können», sagte Bumann.

Gletscher fliesst immer schneller

Der Triftgletscher wird laufend überwacht. Seit Samstagmorgen war seine Fliessgeschwindigkeit ständig gestiegen. Hatte sie am Morgen noch 120 bis 130 Zentimeter pro 24 Stunden betragen, stieg sie bis 16 Uhr auf zwei Meter an. In der Nacht auf Sonntag wurden sogar vier bis fünf Meter gemessen.

Zur Messung der Fliessgeschwindigkeit wurde am Donnerstag eine Radaranlage installiert. Aufgrund der Daten hatten Experten am Samstag mit einem Gletscherabbruch innert 24 Stunden gerechnet.

Legende: Video Gemeindepräsident Bruno Ruppen zum Gletscherabbruch abspielen. Laufzeit 01:41 Minuten.
Aus News-Clip vom 10.09.2017.

Bergbahn fährt nicht

Die Gebietssperre unterhalb des Triftgletschers und auf ihm gilt weiterhin. Das Betreten durch Menschen und Nutztiere ist verboten. Auch die Hohensaas-Bergbahnen und das Wandergebiet bleiben geschlossen, bis der Führungsstab vollständige Entwarnung gibt. Im Wandergebiet sind namentlich die Normalroute zum und vom Weissmies sowie der Höhenwanderweg Kreuzboden-Almagelleralp gesperrt.

Der Triftgletscher mit einem Ausgangspunkt am Gipfel des Weissmies auf 4020 Metern Höhe geht seit 1986 kontinuierlich zurück. Insgesamt ist er bis 2015 um mehr als zwei Kilometer geschrumpft, wie die Statistik zeigt. Er hat noch eine Länge von etwa 2,5 Kilometern und bedeckt rund 2,5 Quadratkilometer Fläche.

Bereits im Oktober 2014 hatte der Gletscher so stark rumort, dass das Gebiet unter ihm gesperrt werden musste. Weil die Temperaturen sanken, wurde die Sperre wenige Wochen später wieder aufgehoben. Seither steht der Gletscher aber unter Beobachtung.

Bild des Triftgletschers, rot schraffiert die instabile Gletscherzunge
Legende: Zwei Drittel der rot schraffierten, abbruchgefährdeten Eismassen sind in die Tiefe gestürzt. zvg

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11 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Es gibt nichts Ruhiges auf dieser Erde, alles strebt wegen der Gravitation nach unten - auch die Erosion an allen Wegen, Bauten und sämtlichen Topographien ist ein zusätzlicher Faktor für fortlaufenden Verfall. Wichtig ist für den Menschen zu erkennen, wie er sich schützen kann und die Bauvorschriften diesen Umweltgegebenheiten anzupassen und nicht vom Bürostuhl aus sinnlose Regeln auf zu stellen . Siehe Wasserschäden jüngst wegen diesbezügl. Versäumnissen an vielen Orten .
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  • Kommentar von Patrik Müller (P.Müller)
    Der Gletscher beginnt auf 4017m. Es ist nicht der Triftgletscher der Abbricht, sondern eine Eiszunge am Weissmies. Die Ablagerung liegen auf etwa 3300m. Die Gletscher der Alpen gehen seit dem Ende der letzten Eiszeit kontinuierlich zurück mit kleineren Phasen von Zwischenvorstössen. Das hat mit dem jetztigen Eisabruch nichts zu tun. Im Gegenteil. Der Rückzug verringert ehemals akute Gefahren: Randa vom Bisgletscher, Mattmark vom Allalingletscher Lac de Maucoisin vom Glacier de Gietroz.
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  • Kommentar von Heinz Ludwig (Heinz Ludwig)
    Zu denken sollte der Schwund der Glescher geben und nicht physikalische Gesetze oder herumliegende Taschen
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    1. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      da können sie nun denken solange sie wollen, der Gletscherschwund reicht viele Millionen von Jahren zurück, ansonsten wir in Stein am Rhein immer noch einen Gletscher vor der Haustüre hätten.
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      @ Christmann, Der jetzige Gletscherschwund hat mit diesen langfristigen klimatischen Schwankungen wohl wenig zu tun, denn was wir jetzt beobachten läuft in einem Tempo ab, das es in der Art noch nicht im beobachtbaren Horizont gegeben hat.
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    3. Antwort von Patrik Müller (P.Müller)
      @Reuteler: Zur Zeit der Römer (Klimaoptimum...) gab es weniger Gletscherbedeckung in den Alpen. Wie schnell die Rückzüge und darauffolgende Wiedervorstösse dannzumal abliefen untersucht die Wissenschaft zur Zeit noch. Die bisherigen Ergebnisse dazu passen bisher leider nicht in die gängigen Klimaerklärmodelle. Und Wissenschaftler die diese Modelle anzweifeln werden mit der Klimaleugnerkeule zum schweigen gebracht. Einmal mehr: es gibt nicht nur schwarz - weiss.
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    4. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Klar haben sich über Jahrtausende, od. Millionen von Jahren immer wieder neue Eiszeiten gebildet & Gletscher haben sich wieder zurück gezogen. Aber seit wenigen Jahrzehnten bilden sich die Gletscher eben viel rascher zurück. Und es ist nicht weg zu diskutieren, dass wir Menschen heute Raubbau an der Natur betreiben & das verändert eben auch unser Klima insgesamt.
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    5. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Hr. P. Müller:Die Veränderungen die vor 500 bis 3000 Jahren, also zur Römerzeit stattgefunden haben, zähle ich ebenfalls nicht zu den langfristigen Klimaschwankungen. Trotzdem hat die Wissenschaft grosse Probleme die Abläufe überhaupt zu kennen und zu datieren. Sie haben sich sozusagen am Rand des Beobachtungshorizontes abgespielt. Trotzdem brüsten sich manche mit Datierungen die Millionen von Jahren zurückreichen. Oft auf wackligem Fundament. Das zum Schweigen bringen ist da ein kleines Problem
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