Zum Inhalt springen

Islamzentrum in Freiburg Bilanz ein Jahr nach der umstrittenen Eröffnung

Das Freiburger Islamzentrum will einen Beitrag an das friedliche Zusammenleben leisten. Dazu hat es im letzten Jahr einiges unternommen.

Legende: Audio «Radikalisierung frühzeitig erkennen» abspielen. Laufzeit 04:37 Minuten.
04:37 min, aus Echo der Zeit vom 19.06.2017.
  • Das «Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft» der Universität Freiburg will einen Beitrag an ein friedliches Zusammenleben in der Schweizer Gesellschaft leisten.
  • Dem Zentrum wehte ein steifer Wind entgegen – vor allem von der SVP. Vor einem Jahr wurde es eröffnet. Direktor Hansjörg Schmid zieht eine erste, positive Zwischenbilanz.

An den Schweizer Universitäten gibt es einige Institute, die den Islam in all seinen Facetten erforschen. Das «Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft» an der Universität Freiburg ist aber eine besondere Einrichtung. Denn neben der wissenschaftlichen Arbeit hat das Zentrum explizit den Auftrag, sich ganz praktisch und konkret um Dialog und Integration zu bemühen.

Direktor Hansjörg Schmid erklärt: «Dieses Zentrum hat die Aufgabe, eine Brückenfunktion zu leisten zwischen den Muslimen in der Schweiz und der ganzen Gesellschaft. Wir wollen sehr nah an den ganzen gesellschaftlichen Konflikten und Fragen arbeiten.» Und von denen gibt es einige – zum Beispiel jene, wie es sich verhindern lässt, dass sich Jugendliche radikalisieren.

Workshops zu Extremismus, Geschlechter und Medien

Das Zentrum veranstaltet zu diesem Thema Workshops und Kurse, an denen Imame, Vertreter islamischer Vereine, muslimische Religionspädagoginnen und Jugendleiter teilnehmen. Die Workshops bieten keine Patentrezepte für den Kampf gegen den Radikalismus an. Es gehe vielmehr darum, die Kursteilnehmer zu sensibilisieren und wichtige Diskussionen anzustossen, sagt Schmid.

v
Legende: Direktor Hansjörg Schmid blickt auf ein Jahr im Zentrum zurück. Elmar Plozza

«Wo sind Orte der Radikalisierung? Wie sehen solche Ideologien aus?», seien wichtige Fragen, die man sich im Islamzentrum in Freiburg stelle. Aber auch: «Wie kann man sie entlarven? Wie sind die Lebenssituationen der jungen Menschen, wo sind sie verwundbar und anfällig für Radikalisierung?»

In anderen Workshops gehe es um Geschlechterrollen, die gesellschaftliche Stellung der Frau und den Umgang mit Homosexualität; um die Rolle von Religion an der Schule und den Islam in den Medien, und auch um Fragen der Seelsorge. Dass die Diskussionen manchmal kontrovers verlaufen, sei durchaus gewollt.

Frommer Wunsch: Imam-Ausbildungen in der Schweiz

Bis diesen Frühling hat das Zentrum 25 Workshops mit 450 Teilnehmern in allen Teilen der Schweiz durchgeführt. Schmid ist zufrieden mit dieser Zwischenbilanz. Auch weil er Rückmeldungen erhalten hat, dass die Kurse von den meisten Teilnehmern geschätzt werden und zu einem Lernprozess beigetragen haben.

Lobende Worte für die Arbeit des Freiburger Zentrums findet auch Jasmin El-Sonbati, Buchautorin und prominente Vorkämpferin für einen liberalen Islam. Sie würde es gut finden, wenn das Zentrum in Zukunft noch einen Schritt weitergehen würde und eine vollständige Ausbildung von islamischen Geistlichen anbieten würde: «Wir wollen, dass Menschen, die in den Moscheen in der Schweiz den Islam predigen, einen Islam schweizerischer Prägung predigen. Das geht natürlich nur, wenn diese Vorbeter in der Schweiz ausgebildet werden.»

Jasmin El-Sonbati
Legende: Jasmin El-Sonbati schreibt Bücher und ist Mitbegründerin des Forums für einen fortschrittlichen Islam. SRF

Denn viele Imame aus dem Ausland seien nicht mit dem hiesigen Alltag und mit der Idee der Menschenrechte vertraut, argumentiert El-Sonbati. Beim Thema Imam-Ausbildung zeigt sich Schmid zurückhaltend. Eine vollständige Ausbildung sei weder das Ziel des Zentrums, noch habe es die Ressourcen dazu.

Direktor Schmid: «Keine akademischen Luftschlösser»

Es sei aber vorstellbar, dass das Zentrum gewisse Elemente für ein Imam-Studium anbiete, allenfalls in Zusammenarbeit in deutschen und österreichischen Universitäten. Unabhängig davon ist Schmid aber froh, dass das Interesse an der Arbeit des Islamzentrums so gross ist. Und dass die Kritik, das Zentrum sei eine reine Geldverschwendung, spürbar zurückgegangen ist.

«Viele Menschen haben gemerkt, dass hier keine akademischen Luftschlösser gebaut werden, sondern dass dies ein Ort ist, an dem diskutiert wird, und an den Fragen gearbeitet wird, die auf der Agenda stehen.» Im Gegenzug wolle das Zentrum transparent arbeiten und die Öffentlichkeit regelmässig informieren.
Derzeit arbeitet das Team daran, die Erfahrungen der ersten Workshops detailliert auszuwerten. Die Ergebnisse sollen möglichst bald auch veröffentlicht werden.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Charles Grossrieder (View)
    Wir schreiben das 21. Jahrhundert und studieren immer noch an den Wissenschaften der Religionen; haben immer noch viel Fragen aber noch keine Antworten? Oder will man keine Antworten da solche unangenehm sein koennten? Die Wissenschaft, das IT und vieles mehr ueberholen religiöse Thesen und bringen viele um ihren Glauben, verständlicherweise. Ein Umdenken waere angebracht wenn man je in Frieden leben will.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Niklaus Bächler (quod erat demonstrandum)
    Angesichts der verklärten & voreingenommenen Auffassungen vieler CH-Bürger sind solche Projekte dringend nötig.Nur,diejenigen,welche eigentlich «Nachhilfe» über den Islam & deren Menschen bräuchten,begnügen sich damit,solche Bemühungen immer nieder zu schreien. Gerade einer SVP würde es gut anstehen, sich endlich einmal dezidiert mit den Moslems auseinander zu setzen. Dabei würden sie erkennen,dass diese Menschen wie wir, nur eines wollen: in Frieden leben (wenige Idioten natürlich ausgenommen)!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von W. Ineichen (win)
    Jetzt fördert sogar die katholische Universität Fribourg (meine ehemalige Alma Mater) die Islamisierung der Schweiz. Ich kann dazu nur meinen Kopf schütteln.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von u. Felber (Keule)
      Aber auf die andere Seite, wir haben 500 000 Moslems in der CH. Besser man hat eine solche Menschenmasse unter einheimischer Kontrolle. Ich will auf keinen fall eine religiöse Einmischung von aussen (zb die Saudi's)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      In wie fern meinen Sie, dass die Islamisierung gefördert wird? Haben Sie da irgend ein sachliches Argument oder ist das ein uninformiertes Nein aus Prinzip? Die Menschen sind da, sind teilweise Schweizer und werden deshalb bleiben. Dann ist mir lieber, sie haben einen Geistlichen der mit unseren Werten vertraut ist und die auch vertritt als ein nicht integrierter von Saudi Arabiens Gnaden entsandter Missionar, der Saudi Arabische Sektenmeinungen vertritt, oder?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen