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Schweiz Blaue Kartoffeln als Chance für die Bauern?

Jedes Jahr werden Milliarden Franken in die Schweizer Landwirtschaft gepumpt. Der Grossteil des Geldes entschädigt die Bauern für ihre Arbeit. Viele von ihnen möchten ihren Betrieb vergrössern, doch das Land fehlt. Allerdings gibt es auch andere Möglichkeiten, die Einkünfte zu steigern.

Ein Teller mit Pommes-Chips, die hälfte von ihnen ist blau.
Legende: Chips dürfen seit einigen Jahren auch blau sein. Keystone Archiv

Jedes Jahr unterstützt der Bund die Schweizer Landwirtschaft mit Milliarden-Beiträgen. Trotzdem möchten viele Bauern ihren Betrieb vergrössern, was oftmals am fehlenden Land scheitert.

Mit welchen anderen Möglichkeiten die Bauern mehr Geld für ihre Produkte lösen können, weiss Markus Lips. Er untersucht am Bundeszentrum für landwirtschaftliche Forschung Agroscope in Ettenhausen/TG, Link öffnet in einem neuen Fenster, wie produktiv die Schweizer Bauern arbeiten.

SRF News: Wofür brauchen die Bauern das Geld, das sie vom Bund erhalten?

Markus Lips: Der grösste Posten ist die Arbeit. Diese wird mit dem sogenannten Arbeitsverdienst entschädigt. Die Abgeltung im Talgebiet ist etwas tiefer als das Vergleichseinkommen, im Hügel- und Berggebiet ist sie deutlich tiefer.

Die Bauern arbeiten mit immer mehr Maschinen, die Arbeit wird effizienter und schneller. Bringt das nicht auch automatisch mehr Ertrag und Verdienst?

Es ist richtig, dass grössere Betriebe etwas rationeller arbeiten können und damit ihre Kosten pro Hektare oder pro Kuh reduzieren können. Viele Bauern möchten ihren Betrieb vergrössern, doch sie können es nur in seltenen Fällen, weil kein Land verfügbar ist. Dadurch können die Wachstumspläne der Bauern nicht realisiert werden. In der Folge kann es vorkommen, dass die Bauern ihre vergrösserten Ställe beispielsweise nicht mit Kühen füllen können, was wiederum zu Überkapazitäten und höheren Kosten führt. Auch sind die landwirtschaftlichen Maschinen nicht so gut ausgelastet, wie wir das gerne hätten. Entsprechend hoch sind die Kosten pro Hektare oder Kuh.

Eine stärkere Differenzierung der Produkte bietet grosse Chancen für die Schweizer Landwirtschaft.

Ist es denn immer noch eine Ausnahme, wenn sich mehrere Bauern zusammen eine Maschine teilen?

Das kann man so nicht sagen. Etwa die Hälfte der Bauern teilt sich Maschinen. Meist sind es solche, die nicht so oft gebraucht werden. Bei den teuren Maschinen, den Traktoren – oder Transportern in den Berggebieten –, ist das allerdings eher wenig verbreitet.

Wie können die Bauernbetriebe trotzdem wachsen, obschon es zu wenig Land gibt?

Die Kooperation zwischen verschiedenen Betrieben könnte verstärkt werden. So könnte mit sogenannten Fruchtfolge-Gemeinschaften der Ackerbau gemeinsam organisiert werden. Das ist relativ einfach möglich, ausserdem können so die Maschinen gemeinsam genutzt und so besser ausgelastet werden. Eine andere Möglichkeit ist, durch eine stärkere Differenzierung der Produkte einen höheren Preis zu erhalten. Das ist zwar nicht ganz einfach, aber hier liegt eine grosse Chance für die Schweizer Landwirtschaft.

Was bedeutet «Differenzierung der Produkte»?

Man kann unterschiedliche landwirtschaftliche Produkte produzieren. Beispielsweise gibt es die blaue Kartoffel, die sich von normalen Kartoffeln unterscheidet. Ähnliche Beispiele von Produkten gibt es zuhauf, die sich durch Form, Aussehen oder Geschmack vom «Mainstream»-Produkt unterscheiden. Auch gesundheitsrelevante Stoffe, beispielsweise in Milchprodukten, können eine Rolle spielen. Es gibt eine Fülle von Möglichkeiten, die wir anschauen und die in die Wertschöpfungskette bringen müssen.

Das Gespräch führte Ivana Privakovic.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Franziska Schweizer (Fran-BL)
    Die Konsumenten sind mitschuldig an dieser Situation. Die wollen immer billiger einkaufen und scheuen keinen Aufwand um über die Grenze einkaufen zu gehen. Der Milchpreis wurde in den letzten 10 Jahren halbiert bei gleichem Arbeitsaufwand. Aufgrund der Topografie vieler Bauernbetriebe gibt es keine Alternative zur Milchproduktion. Kein Mensch ausser der Bauer arbeitet soviele Stunden für den halben Lohn! Da sind Subventionen zwingend nötig. Mehr Geld fürs Produkt, dafür weniger Subventionen!
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  • Kommentar von Daniel Kellerhals (Daniel Kellerhals)
    Und den Schwachsinn müssen die Steuerzahler berappen und weil er dann noch bio genannt wird teuer bezahlen. Dümmer geht's nimmer. Einfach den Geldhahn zudrehen.
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  • Kommentar von Bojan Antonović (Bojan Antonović)
    Mir klingt das nach: wir haben noch immer zuviele Kleinbetriebe. Gefühlt schon das ganze 20. Jahrhundert, und es schein noch das 21. draufzugehen.
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