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Tragödie von Kerzers FR Postauto-Brand: Was bisher bekannt ist

Ein Mann hat sich am Dienstagabend in Kerzers FR in einem Bus in Brand gesetzt. Sechs Menschen kamen ums Leben.

Das ist passiert: Beim Brand eines Postautos im Zentrum von Kerzers FR sind am Dienstagabend sechs Menschen ums Leben gekommen. Weitere vier Passagiere und ein Rettungssanitäter wurden verletzt. Als die Rettungskräfte eintrafen, stand der Bus bereits in Flammen. Feuerwehren aus Kerzers und Murten, mehrere Ambulanzfahrzeuge sowie ein Helikopter der Rega standen im Einsatz. Zudem betreute ein Careteam Angehörige und Zeugen.

Videos zeigen den Brand

Kein Terrorakt: Beim Brand handelt es laut der Polizei um eine «vorsätzliche Tat ohne ideologisches Motiv». Der verstorbene Täter war demnach ein «psychisch instabiler» und im Kanton Bern wohnhafter Schweizer, der sich im Bus selber in Brand setzte. Es deute nichts auf einen terroristischen Hintergrund hin.

Der Täter: Der mutmassliche Brandstifter sei mit Säcken in den Bus eingestiegen und habe sich nach Angaben von Zeugen eigenartig verhalten, sagte der Staatsanwalt an einer Medienkonferenz. Plötzlich habe sich der Mann mit einer entflammbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet. Für die weiteren Ermittlungen setzt die Polizei auch auf Augenzeugen sowie auf die Auswertung der Videoüberwachung im Bus. Der Mann war der Kantonspolizei Bern im Zusammenhang mit Betäubungs­mittel­missbrauch bekannt, wie sie auf Anfrage von SRF bekannt gab. Er hatte sich in einem Spital im Kanton Bern aufgehalten. Dieses meldete ihn am Dienstagnachmittag als vermisst. Die Polizei leitete eine Suche ein und stand auch in Kontakt mit Bezugspersonen, um Hinweise auf eine mögliche Selbst- oder Fremdgefährdung zu erhalten. Solche Hinweise habe es aber zum damaligen Zeitpunkt nicht gegeben. Die Polizei konnte den Mann nicht ausfindig machen.

SRF-Regionalredaktorin: «Eine Mischung aus Alltag und Bestürzung»

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Frau mit langen braunen Haaren lächelt.
Legende: SRF/Charles Benoit

SRF-Regionalredaktorin Marielle Gygax hat sich am Morgen in Kerzers ein Bild der Lage gemacht. Ihre Eindrücke aus dem Ort:

«Es ist eine Mischung aus Alltag und Bestürzung. Das Leben geht weiter: Der Verkehr rollt wieder, Menschen gehen mit den Hunden spazieren, gehen einkaufen, die Läden sind offen. Gleichzeitig ist das Ereignis das Gesprächsthema Nummer eins bei allen Passantinnen und Passanten, mit denen ich gesprochen habe.

Die Bestürzung ist gross. Viele Menschen aus dem Dorf schilderten mir, wie laut es gestern Abend gewesen sei: Sie hätten Sirenen und die Rega gehört, Rauch gesehen. Einige seien zum Ort des Geschehens gegangen. Ein Mann erzählt, es sei wirklich verrückt gewesen – so viel Rauch und Feuer. Er könne sich kaum vorstellen, wie es in Crans-Montana gewesen sein müsse, wenn schon ein brennendes Postauto hier so viel ausgelöst habe.

Mehrere Leute sagten auch, es sei irgendwie absurd, dass so etwas direkt vor ihrer Haustür passieren könne, dort, wo sie jeden Tag vorbeigehen würden. Dass dort plötzlich etwas so Schreckliches geschehe, sei kaum vorstellbar – und dann auch noch in einem Postauto.

Die Menschen sind betroffen und bestürzt – und trotzdem geht das Leben im Freiburger Seebezirk weiter.»

Alle Toten und Verletzten identifiziert: Beim Brand starben sechs Menschen, fünf Opfer und der mutmassliche Täter. Zudem wurden vier Passagiere und ein Rettungssanitäter verletzt. Bei den Todesopfern handelt es sich gemäss der Kantonspolizei Freiburg um zwei Frauen im Alter von 25 und 39 Jahren sowie zwei Männer im Alter von 16 und 29 Jahren, alle Schweizer Staatsangehörige und in der Region wohnhaft. Auch der Busfahrer (63) kam beim Brand ums Leben, er war portugiesischer Staatsbürger. Zudem ist auch der mutmassliche 65-jährige Schweizer Täter tot. Bei den Verletzten handelt es sich laut der Polizei um zwei Männer im Alter von 34 und 61 Jahren sowie zwei Frauen im Alter von 27 und 56 Jahren, alle Schweizer Staatsangehörige, und einen 32-jährigen Kosovaren. Zwei Personen befinden sich derzeit noch im Spital.

Das berichtet ein Augenzeuge: Ein junger Mann, der neben dem Unglücksort wohnt, schildert gegenüber SRF den Vorgang: «Ich habe die Sirenen gehört. Vom Fenster aus sah ich viel Rauch. Dann sah ich den brennenden Bus.» Es fühle sich komisch an, dass so etwas in einem Ort wie Kerzers geschehe, wo sonst eigentlich nichts passiere. «Ich habe ein bisschen ein schlechtes Gefühl.»

Das sind die Reaktionen: Bundespräsident Guy Parmelin zeigte sich über den Vorfall bestürzt. Es mache ihn traurig, dass erneut Menschen in der Schweiz bei einem schweren Brand ums Leben gekommen sind, schreibt Parmelin auf X. Am Mittwochnachmittag legte er Blumen in Kerzers nieder. Auch der Freiburger Staatsrat sprach den Familien und Angehörigen der Opfer sein Beileid aus, wie er in einer Mitteilung in der Nacht schrieb. Der Brand sei eine schreckliche Tragödie, teilte die Post mit. Alle Mitarbeitenden von Postauto und der Post seien schockiert und betroffen. In der Mitteilung sprach Stefan Regli, CEO Postauto und Mitglied der Konzernleitung, im Namen des Verwaltungsrates und der gesamten Konzernleitung allen sein Beileid aus.

SRF 4 News, 10.3.2026, 23 Uhr ; 

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