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Martin Ackermann: «Massnahmen reichen bei weitem nicht»
Aus News-Clip vom 23.10.2020.
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Bund und Kantone vor Medien Taskforce-Chef: «Aktuelle Massnahmen reichen bei weitem nicht»

  • Laut Experten und Vertretern des Bundes verzeichnet die Schweiz mittlerweile höhere Corona-Fallzahlen als alle umliegenden Länder.
  • Die aktuellen Massnahmen reichten bei weitem nicht aus, sagt der Leiter der Covid-Taskforce des Bundes vor den Medien in Bern.
  • Mit den stark steigenden Corona-Fallzahlen gehen zudem langsam die Testkapazitäten aus.
  • Der Bund appelliert nun an die Bevölkerung, in sämtlichen Lebensbereichen alle unnötigen Kontakte zu vermeiden.

Laut Stefan Kuster, Leiter Übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit (BAG), ist die Corona-Lage in der Schweiz immer noch sehr ernst. «Wir haben mittlerweile alle Nachbarländer deutlich überholt», sagte er vor den Bundeshausmedien. Die Zahlen in der Schweiz lägen beispielsweise fünf Mal so hoch wie jene in Deutschland.

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Stefan Kuster: «Fallzahlen höher als in Nachbarländern»
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Mehr als ein Fünftel aller Tests fallen positiv aus.
Autor: Stefan KusterLeiter Übertragbare Krankheiten BAG

Innert einer Woche haben sich die Ansteckungszahlen in der Schweiz mehr als verdoppelt. Ins Auge sticht auch die hohe Positivitätsrate von über 20 Prozent. «Mehr als ein Fünftel aller Tests fallen positiv aus», sagte Kuster dazu. Der Anstieg gehe so lange exponentiell weiter, bis die Reproduktionszahl unter 1 sinkt. Momentan steckten 10 infizierte Personen 16 weitere Personen an. Betroffen sind laut Kuster weiterhin alle Altersklassen und Regionen.

Wir müssen jetzt handeln. Wenn wir heute Massnahmen treffen, wirken sie in zwei Wochen. Die Kapazität der Intensivbetten ist aber in zwei bis drei Wochen erreicht.
Autor: Martin AckermannChef der Covid-Taskforce des Bundes

Taskforce warnt eindringlich

«Wir müssen jetzt handeln. Wenn wir heute Massnahmen treffen, wirken sie in zwei Wochen. Die Kapazität der Intensivbetten ist aber in zwei bis drei Wochen erreicht.» Dies sagte Martin Ackermann, Chef der Covid-19-Taskforce des Bundes, vor den Medien. Er antwortete damit auf die Frage eines Journalisten, ob die Schweiz noch Zeit habe, bis der Bundesrat am Mittwoch neue schweizweite Massnahmen verhänge.

Die Taskforce empfehle, die Massnahmen bis im März oder April durchgehend in Kraft zu lassen, um nachhaltig die Epidemie einzudämmen. Auf eine Journalistenfrage bezüglich des Tempos der Massnahmen antwortet Ackermann, die diversen Akteure hätten durchaus ihre Verantwortung übernommen, Bund und Kantone gemeinsam. «Es geht vorwärts.»

Diese Massnahmen schlägt die Taskforce vor

Die wissenschaftliche Covid-19-Taskforce des Bundes hat in ihrer wöchentlichen Lagebeurteilung Massnahmen definiert, welche auf Bundesebene zur Eindämmung des Coronavirus umgesetzt werden sollen.

Bis im März/April 2021 soll Folgendes gelten:

  • Maskenpflicht in allen Innenräumen und in überfüllten Aussenbereichen wie etwa Strassenmärkte
  • Homeoffice für alle, für die dies möglich ist
  • die Schliessung von Unterhaltungs- und Erholungsstätten mit engen und schlecht belüfteten Innenräumen
  • Beschränkung privater Zusammenkünfte, beispielsweise auf weniger als zehn Personen
  • Beschränkung öffentlicher Versammlungen, beispielsweise auf weniger als fünfzig Personen
  • Einschränkung der Öffnungszeiten von Restaurants und Bars, beispielsweise auf 21 Uhr
  • Einstellung von Aktivitäten mit einem hohen Übertragungsrisiko, etwa Kontaktsportarten, Gesang oder Orchester mit Blasinstrumenten
  • Wo möglich, Umstellung auf ausschliessliche Online-Bildung in allen sekundären und höheren Bildungseinrichtungen
  • Erhöhung der Zahl der Coronavirus-Testzentren und der Zahl der Contact-Tracer
  • Regelmässige Tests von Arbeitnehmenden in Hochrisiko-Umgebungen.

Die Taskforce schreibt weiter, dass die Massnahmen für die Gesellschaft umsetzbar sein und den Kern der Wirtschaft schützen sollten. Es brauche Kompensationsmassnahmen für besonders betroffene Wirtschaftssektoren. Die genauen Schwellenwerte für Einschränkungen von Versammlungen, privaten Treffen oder Öffnungszeiten könnten je nach Situation angepasst werden.

Enge Kontakte müssen minimiert werden

Zu den steigenden Zahlen beigetragen hat laut Ackermann mitunter das kältere Wetter. Auch habe die Effektivität des Contact-Tracings anfangs Herbst durch die hohen Fallzahlen gelitten und zur Beschleunigung geführt. Weiter habe die Schweiz im September relativ lockere Massnahmen gehabt.

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Martin Ackermann: «Kontakt auf Minimum beschränken»
Aus News-Clip vom 23.10.2020.
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Wir haben einen Getriebeschaden.
Autor: Rudolf HauriPräsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte

Angesichts der Lage müssten die engen Kontakte dringend runter, betonte auch Rudolf Hauri, Zuger Kantonsarzt und Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte. Dies sei durch Verminderung körperlicher Nähe sowie unnötiger Ansammlungen in Freizeit und Sport erreichbar. Es gelte deshalb Massnahmen sorgfältig abzuwägen. «Soziale Kontakte müssen möglich bleiben», so Hauri.

Testkapazitäten bald erreicht

Mit den stark steigenden Corona-Fallzahlen gehen der Schweiz langsam die Testkapazitäten aus. «Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden wir die Testkapazitäten überschreiten», sagte Kuster. Auch Hauri bekräftigte, das Contact Tracing habe die Grenzen erreicht: «Wir haben einen Getriebeschaden». Deshalb könne es nun sehr helfen, enge und gute Bekannte selber zu informieren, damit sie sich vorsichtig verhalten und in Selbstquarantäne begeben könnten.

SRF 4 News, 23.10.2020, 14.30 Uhr;

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186 Kommentare

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  • Kommentar von Florian Leupold  (FLeupold)
    Fragen Sie sich doch mal, wer noch zum Frisör, ins Restaurant oder ins Kino geht in dem Wissen, dass er/sie im Falle einer Covid-19-Infektion nicht mehr ins Krankenhaus kommen könnte, weil das bereits voll ist. Amerika macht vor, wie man mit "wirtschaftsfreundlichen" Massnahmen und dem Agitieren gegen Experten eine Wirtschaft ruiniert.
    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ – Albert Einstein
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  • Kommentar von Annabelle Helfenstein  (A.Helfenstein)
    @Daniel Gion, genau Ihrer Meinung. Ich kann auch nicht verstehen, dass die Experten dies verschweigen.
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  • Kommentar von Daniel Gion  (dgion)
    Weshalb begreift kaum jemand das die Maskenpflicht nur schadet da sie NICHT vor Aerosolen schützt die Schleimhäute austrocknet und so die Ansteckgefahr noch erhöht! Schauen sie an überall mit Maskenpflicht steigen die Zahlen schnell!
    Weshalb verscheigen die mikrofonlechzenden "Experten" dies?
    Weshalb kommt niemanden in den Sinn die Tröpcheninfektions-Theorie zu hinterfragen wenn ein Mensch einen ganzen Chor ansteckt? Hat er alle angespuckt? Das kann nur Ansteckung über Arosole sein
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    1. Antwort von Ihr Kommentar (SRF)
      @Daniel Gion Guten Tag Herr Gion, Arosole sind einer der Haupt­übertragungs­wege von COVID-19. Das ist richtig. Unterdessen ist auch klar: Wer eine Maske trägt, schützt nicht nur die anderen, sondern auch sich selber. Die Maske hält einen beträchtlichen Teil der mikroskopischen Tröpfchen zurück, die eine erkrankte Person ausatmet. Eine Maske bietet nie einen 100prozentigen Schutz. Aber sogar, wenn sie nur einen Teil der Aerosole aufhalten kann, durch welche sich das Virus überträgt, wird das die Ausbreitung der Pandemie deutlich verlangsamen. Es gibt immer mehr Studien und Fallbeispiele, die das zeigen. Mehr dazu hier: https://www.srf.ch/news/schweiz/was-man-weiss-was-unklar-ist-die-10-wichtigsten-fragen-und-antworten-zum-coronavirus Liebe Grüsse, SRF News
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