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Schweiz Bund will nicht für verregneten Alpsommer bezahlen

Noch vor den letzten Alpabzügen befinden sich viele Tiere längst schon wieder im Tal. Wegen des nassen Sommers gab es auf den Alpen zu wenig Futter für sie. Die Bauern hofften, dass der Bund ein Auge zudrücken würde. Doch der winkt ab: Die Sömmerungsbeiträge werden gekürzt.

2000 Schafe ziehen von der Sommeralp zuhinterst am Aletschgletscher zurueck nach Belalp.
Legende: Dieses Wochenende finden die letzten Alpabzüge in der Schweiz statt. Keystone

Der Bund bezahlt den Älplern jedes Jahr einen Sömmerungsbeitrag von 400 Franken pro Grossvieheinheit (je nach Tierart entspricht diese mehreren Stück Vieh) - aber nur, wenn die Tiere mindestens 100 Tage auf der Alp waren. Wenn die Bauern wegen schlechten Wetters früher ins Tal ziehen, werden ihnen die Beiträge gekürzt. Nach dem schlechten Sommer in diesem Jahr hat der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband den Bund deshalb gebeten, ein Auge zuzudrücken.

«Gravierende» Folgen

Begonnen habe der Sommer ja gut, sagt Verbandssprecher Jörg Beck. «Die Leute sind frühzeitig aufgezogen mit ihren Tieren. Das Gras war frohwüchsig. Aber im Juli kam der grosse Wetterumbruch.» Es regnete oft und ausgiebig. Die Böden wurden feucht und weich. Vielerorts zerstampften die Rinder das Gras, sodass es nicht mehr nachwachsen konnte. Die Folge für die Bauern war gravierend, wie Beck erklärt. «Sie mussten die Tiere frühzeitig ins Tal zurückbringen, weil sie zu wenig Gras hatten und um die Weiden zu schonen.»

«So schlimm war es nicht»

Doch das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) winkt ab: Ein generelles Entgegenkommen sei nicht möglich, sagt BLW-Sprecher Jürg Jordi. Älpler dürften nur in Ausnahmefällen ein Gesuch stellen und die vollen Sömmerungsbeiträge einfordern, obwohl sie ihre Kühe frühzeitig ins Tal gebracht haben. Die Bedingungen seien diesen Sommer zwar schlecht gewesen, «aber sie waren nicht ausserordentlich schwierig». Allgemein nasses Wetter könne man nicht als höhere Gewalt einstufen. Das BLW wolle die Kulanzfrage «auf einzelne ganz begründete Fälle beschränken», betont Jordi.

«Schlechtes Signal»

Für Jörg Beck vom Dachverband der Älpler ist das «ein schlechtes Signal». Die Älpler sollten für ihre Bemühungen effektiv entlöhnt und angemessen entschädigt werden, fordert er. «Wir möchten nicht, dass sie dafür vom Bund durch kürzere Sömmerungsbeiträge gebüsst werden.» Betroffen sind vor allem Älpler im Appenzell, Entlebuch und den Kantonen Bern und Freiburg. Vom Bund dürfen sie also keine Hilfe erwarten, nun hoffen die Älpler, dass sich die Kantone, die die Beiträge am Ende auszahlen, kulanter zeigen.

34 Kommentare

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  • Kommentar von P.Bürger, Schaffhausen
    Ich habe eigentlich schon lange keine Lust mehr,diesen Wirtschaftszweig mit Milliardenbeträgen zu unterstützen & dann hören müssen,dass die Bauern noch immer nicht zufrieden sind.Der Bauernstand ist im Abschöpfen von Subventionen & irgendwelchen Entschädigungen derart erfinderisch, dass selbst nun auch noch das schlechte Wetter herhalten muss.Es wird auf Halde & am Markt vorbei produziert!Und dann lese ich immer die Begründung«Landschaftspflege».Es ist ein Irrsinn,was hier abgeht!
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  • Kommentar von J.Baltensperger, Zürich
    Fordern, fordern, fordern - die Mentalität dieser Leute geht mir komplett gegen den Strich. "Die Älpler sollten für ihre Bemühungen effektiv entlöhnt und angemessen entschädigt werden, fordert er." Wenn man schon mit Milliarden unterstützt wird könnte man auch ein bisschen dankbar sein und nicht ständig mehr wollen. Liebe Bauern, wir erwirtschaften dieses Geld mit unserer Arbeitskraft und schenken es Euch! Der Lohn sollte durch den Verkauf der Produkte entstehen und nicht durch Steuergelder.
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  • Kommentar von Edi Steinlin, Zürich
    Natürlich hat der Bund kein Geld für unsere Bauern. Der Bund hat Geld für Kroatien, für die EU, für Entwicklungshilfe wo das Geld in dubiosen Geschäften versickert, weiter hat der Bund 150 Millionen um in Italien das Eisenbahnnetz auszubauen usw. Nur für unsere vom Wetter geplagten Bauern fehlt das Geld.
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    1. Antwort von H. Frühling, Bern / Zürich
      Ich kann's nicht oft genug sagen: Staat abschaffen (der macht ja sowieso alles falsch). Dann können sich die Bauern und die Wirtschaft (und die Bürger) auch Ihre Anträge auf Staatshilfen sparen. Steuern würden ebenfalls entfallen. Habe ich etwas vergessen? Nein, ich glaube nicht. Und damit wären alle Probleme gelöst!
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    2. Antwort von P.Bürger, Schaffhausen
      Man kann es so sehen. Doch zählen sie mal die Subventionen der Bauern zusammen. Sie werden staunen. Kein Wirtschaftszweig wird derart massiv unterstützt und zufrieden sind sie trotzdem nicht.
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