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Legende: Video Einschätzung von Bundeshauskorrespondentin Nathalie Christen abspielen. Laufzeit 01:08 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.05.2019.
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Bundesanwalt will weitermachen Lauber stürzt das Parlament in ein Dilemma

Enttäuscht ist er, der Bundesanwalt. Er hatte der Aufsichtsbehörde doch versichert, niemals gelogen zu haben. Natürlich sei es für alle unangenehm, dass er sich nicht an ein drittes Treffen mit Fifa-Boss Infantino erinnern könne – auch wenn seine Agenda den Termin enthält, wie er beim zweiten Durchsuchen feststellte. Aber ein grober Fehler sei das doch nicht. Die Aufsicht hätte ihm doch glauben können, findet Michael Lauber.

Doch das tut sie offenbar nicht bedingungslos – sie hat eine Disziplinaruntersuchung beschlossen. Nun bläst Lauber zum Gegenangriff. Und hält erst recht an seiner Kandidatur für weitere vier Jahre als Bundesanwalt fest.

Laubers Widersacher wittern Morgenluft

Damit stellt er das Parlament, das ihn bald wieder wählen soll, vor ein Dilemma. Denn Bundesanwalt Laubers Widersacher nützen seine Schwierigkeiten bereits freudig aus.

So auch Theo Zwanziger, früherer Präsident des deutschen Fussball-Bundes und früheres Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Seit vier Jahren ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen ihn im Zusammenhang mit dubiosen Zahlungen zur Vergabe einer Fussball-WM. Nun hat Zwanziger ein Ausstandsbegehren beantragt – weil Lauber befangen sei wegen seiner unprotokollierten Treffen mit Fifa-Boss Infantino.

Vier weitere Beteiligte haben ein gleiches Ausstandsbegehren eingereicht. Sie alle dürften sich ins Fäustchen lachen, sollte das Parlament Michael Lauber abwählen.

Und wenn Lauber nicht entlastet wird?

Also nochmals vier Jahre für den Bundesanwalt – wegen seiner anerkannten Arbeit in den letzten acht Jahren? Und trotz der grossen Fragezeichen, warum er ein Treffen mit Infantino einfach so vergessen konnte und warum sich keiner der Beteiligten mehr an den Inhalt des Treffens erinnern kann? Trotz der nagenden Frage, ob die Aufsicht vielleicht noch mehr Merkwürdiges entdeckt hat, das sie das einschneidende Instrument der Disziplinaruntersuchung ergreifen liess?

Damit würde das Parlament die eigene Lächerlichkeit riskieren – sollte die Disziplinaruntersuchung Lauber nicht bald vollständig entlasten.

Wiederwahl scheint derzeit unwahrscheinlich

Im Moment erscheint unwahrscheinlich, dass das Parlament dieses Risiko eingehen möchte. Zumal die Disziplinaruntersuchung den Bundesanwalt bis zu einer allfälligen Entlastung zu einer Lame Duck macht. Will Bundesanwalt Michael Lauber sein Amt behalten, muss er nächste Woche vor den verschiedenen Kommissionen einen grandiosen Auftritt hinlegen.

Nathalie Christen

Nathalie Christen

Bundeshaus-Korrespondentin, SRF

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Christen ist Korrespondentin im Bundeshaus für Fernsehen SRF. Sie arbeitet seit 2002 für SRF. Unter anderem leitete sie die Bundeshausredaktion von Radio SRF und war Produzentin bei der «Arena». Zuvor war sie Bundeshausredaktorin bei «SonntagsBlick».

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Chaiti Kimmler  (rainbowchai)
    Bei einem diffizilen Job wie Bundesanwalt - erst recht mit "vergessenen" Treffen (allseits LOL) - kann es nur heissen: im Zweifel gegen den Angeklagten!
    Sprich: Abwahl zwingend!
    Es gibt weiss Gott noch andere zu diesem Posten qualifizierte Anwälte!
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  • Kommentar von Verena Schär  (Nachdenklich)
    Ich fände es an der Zeit, dass das Kesseltreiben, von wem auch immer indiziert, eingestellt wird. Das Ablenkungsmanöver ( um die Wiederwahl) stinkt mir langsam. Die FIVA ist Privatklägerin, Strafverfahren gegen unbekannt. In diesem Verfahren ( eines unter vielen bezüglich dem Fussball ) war der jetzige Präsident nicht beschuldigter. Also hört mit dem Theater auf. All diese schwammigen Beschuldigungen nerven langsam. Danke
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  • Kommentar von Beat Leutwyler  (Beat Leutwyler)
    Als Bundesanwalt muss man zwar wie Gangster denken können um erfolgreich zu sein, aber man darf sie nicht kopieren. Nur Verbrecher können sich an Treffen mit welthöchsten Funktionären nicht mehr erinnern - und das auch nur bei bundesbehördlicher Immunität oder der Unschuldsvermutung.
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