Bundesrat will Graustrom ausmerzen

Bei Graustrom ist nicht klar, wie er produziert wurde und woher er kommt. Die Schweizer Konsumenten sollen aber wissen, welche Energie aus ihrer Dose kommt, findet der Bundesrat, und sagt dem Graustrom den Kampf an. Das gefällt nicht allen.

Ein Strommast in der Dämmerung, dahinter AKW-Kühltürme und ein rauchender Schornstein. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kunden haben ein Recht darauf, zu wissen, ob der Atom-, Wasser- oder Solarstrom aus dem In- oder Ausland kommt. Keystone

Ein bedeutender Teil der rund 700 Schweizer Stromversorger liefert auch Graustrom aus. Bei manchen beträgt der Anteil der elektrischen Energie von unbekannter Herkunft über 90 Prozent.

Das sei heute nicht mehr angebracht, sagt Marianne Zünd vom Bundesamt für Energie. Die werteorientierte Konsumgesellschaft von heute wolle erfahren, woher diese Produkte kommen. «Da hat auch jeder einen Anspruch darauf zu wissen, wer diesen Strom produziert hat.»

Über ein Zehntel des Stroms aus unbekannten Quellen

Schweizweit beträgt der Anteil an Graustrom rund 13 Prozent. Er könnte aber relativ einfach auf null reduziert werden, schreibt nun der Bundesrat in einem Bericht. Stromversorger müssten dann Herkunftsnachweise für jede einzelne Kilowattstunde Strom verwenden. Solche Nachweise würden europaweit gehandelt, schon ab Hundertstelrappen pro Kilowattstunde, argumentiert das Bundesamt für Energie.

Grosse industrielle Stromverbraucher befürchten dadurch massive Mehrkosten. «Für ein Unternehmen mit einem grossen Stromverbrauch kommt dann schon eine erkleckliche Summe zusammen, auch wenn es nur wenige Bruchteile von Rappen pro Kilowattstunde ausmacht», sagt Walter Müller von der Gruppe Grosser Stromkunden.

Zum Beispiel ein mittelgrosser Stromversorger in der Nordwestschweiz mit relativ hohem Graustromanteil rechnet mit bis zu 100'000 Franken Mehrkosten pro Jahr.