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«Es wird keine allgemeine Maskentragepflicht geben»
Aus SRF News vom 22.04.2020.
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Bundesrat zum Corona-Exit Ein bisschen mehr Gerechtigkeit – in der Hoffnung auf Disziplin

Im Kleinen kommt der Bundesrat zwar entgegen, zum Beispiel Sportlern, Fachgeschäft-Besitzerinnen und Soldaten. So sollen voraussichtlich schon Anfang Mai Sportarten mit wenig Körperkontakt dank Schutzkonzepten wieder erlaubt sein. Grossverteiler müssen entgegen einem ersten Bundesratsbeschluss doch bis zum 11. Mai weiterhin einen Teil ihres Sortiments abdecken – das freut die geschlossenen Fachgeschäfte, die so weniger Konkurrenz erhalten. Und wer länger Assistenzdienst geleistet hat, beispielsweise in den Sanitätstruppen, dem werden dafür neu bis zu zwei Wiederholungskurse erlassen.

Auf Goodwill angewiesen

Der Bundesrat zeigt sich lernfähig. Mit kleinen Schritten zu mehr Gerechtigkeit versucht er aber auch, den Goodwill der Bevölkerung zu erhalten. Weil er nämlich den grösseren Forderungen seiner Kritiker eine Absage erteilt.

Die bürgerlich dominierte nationalrätliche Wirtschaftskommission zum Beispiel möchte am 27. April alle Läden wieder öffnen, und ab 11. Mai gar alle öffentlich zugänglichen Einrichtungen, auch kleinere Veranstaltungen will sie ermöglichen.

Doch das wäre ein Spiel mit dem Feuer. Denn nach zwei Wochen sind noch keine gesicherten Erkenntnisse vorhanden über die Auswirkungen des ersten Öffnungsschrittes auf die Gesundheit. Dafür braucht es rund einen Monat, wie bisherige Erfahrungen zeigen.

Nicht nachlassen

Diese Kritik trifft natürlich auch den Bundesrat, der sogar nur zwei Tage nach dem ersten Öffnungsschritt über den zweiten Schritt definitiv beschliessen möchte. Doch je kleiner der erste Schritt ist, umso kleiner ist auch die Gefahr eines nicht erkannten, steilen Wiederanstiegs der Krankenzahlen. Umgekehrt ist diese Gefahr grösser, je mehr in schneller Folge wieder geöffnet wird.

Die Ruferinnen und Rufer nach einer schnellen, breiten Öffnung berufen sich dabei nicht nur auf Wirtschaftsinteressen, sondern auch auf die Bevölkerung. Nur: Umfragen zeigen einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung für die schrittweisen Lockerungen des Bundesrates. Die Nöte der Wirtschaft sind zwar verständlich: Die Corona-Krise trifft Unternehmen samt ihren Angestellten hart. Doch ein zweiter Peak, der wieder harte Massnahmen nötig machen würde, würde dieses Elend noch vergrössern.

Darum appelliert der Bundesrat auch an die Bevölkerung, nicht nachzulassen bei der persönlichen Disziplin. Homeoffice, Distanz, Hygiene und der Verzicht auf gesellige Treffen in grösserer Gruppe bleiben das Gebot der Stunde. Dadurch, so die Hoffnung, könnten die Zahlen der Neuinfektionen so stark weiter sinken, dass es wieder möglich wird, die Kontakte jeder neu erkrankten Person zurückzuverfolgen und sie in die Isolation beziehungsweise in die Quarantäne zu schicken. Das würde bedeuten: Die Pandemie wäre unter Kontrolle.

Strategie umsetzen

Um dies zu ermöglichen, hat der Bund nun endlich auch die Teststrategie angepasst: Alle mit Symptomen sollen sich nun testen lassen. Auch eine App, welche die Kontakte von Infizierten auf freiwilliger Basis warnen würde, ist ab Mitte Mai bereit. Schutzmasken, die vor der Pandemie in unverantwortlicher Weise entgegen den Empfehlungen nicht vorrätig waren, treffen nun millionenfach ein.

Schrittweise Öffnung, Tests, Zurückverfolgen der Ansteckungsketten und mehr Masken: Mit dieser Strategie setzt der Bundesrat um, was der Präsident der Wissenschafts-Taskforce vor rund drei Wochen skizziert hat. Eine Garantie auf Erfolg ist das nicht. Aber immerhin eine gute Voraussetzung.

Nathalie Christen

Nathalie Christen

Bundeshaus-Korrespondentin, SRF

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Christen ist Korrespondentin im Bundeshaus für Fernsehen SRF. Sie arbeitet seit 2002 für SRF. Unter anderem leitete sie die Bundeshausredaktion von Radio SRF und war Produzentin bei der «Arena». Zuvor war sie Bundeshausredaktorin beim «SonntagsBlick».

Tagesschau vom 22.4.2020, 19.30 Uhr

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Foletti  (Walter Foletti)
    Mit dem pragmatischen Vorgehen macht unser Bundesrat nach wie vor einen gute Job. Eine Fehler wurde korrigiert, bevor dieser Schaden anrichten konnte. Chapeaux!
    Es ist unerlässlich, das wir die Vorgaben weiterhin mit Disziplin befolgen. Hände waschen, desinfizieren, Abstand halten etc.
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  • Kommentar von Eric Cerf  (Alpenjonny)
    Schön, dass wir offenbar so viele Pandemie-Experten im Land haben, die alles besser wissen! Persönlich vertraue ich dem BR und Hr. Koch lieber, als den ewigen Kritiker und Nörgler, die am liebsten heute und nicht morgen, zu den vor Corona-Zeiten zurück kehren möchten. Politiker, die mit grosser Klappe eine zweite Pandiewelle kleinreden, bitte nicht beachten! Dazu gehört leider auch der Alt-BR CB, und der heutige Fraktionssprecher der SVP in Bern, TA.
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    1. Antwort von Lothar Drack  (samSok)
      Mit Dank auch an Frau Christen für ihre klaren Worte bezüglich in «unverantwortlicher Weise entgegen den Empfehlungen nicht vorrätigem» Material gehe ich auch mit Ihnen einig, Herr Cerf!
      Wäre schön, wenn sich die Einsicht weit herum etablieren könnte, dass ein „neoliberal optimierter, gesund geschrumpfter“ Staat der Allgemeinheit wenig und nur einer kleinen „upper class“ wirklich viel bietet. Die Ems-Gruppe z.B. hat entlassen, nicht auf Kurzarbeit gesetzt und spart sich so die Sozialabgaben!
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  • Kommentar von Thomas Schneebeli  (TS+LL)
    Eine nicht ausgewogene Analyse von Frau Christen. Zuviel political correctness. Die Demokratie und der Realitätssinn werden langsam aber sicher im Abseits deponiert. Enttäuschend.
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