Ein Bauer im Bundesrat: Freude bei den Landwirten

Mit der Wahl von Guy Parmelin sitzt zum dritten Mal in der Geschichte der Schweiz ein Bauer im Bundesrat. Das weckt Hoffnungen unter Bäuerinnen und Landwirten.

Guy Parmelin in seinem Rebberg. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaft setzen ihre Hoffnungen in den neugewählten Bundesrat Guy Parmelin. Keystone

Der frisch gewählte Bundesrat und gelernte Landwirt Guy Parmelin besitzt zusammen mit seinem Bruder einen Landwirtschaftsbetrieb in der Waadt. Die beiden betreiben Wein- und Ackerbau. Schon bisher ist Guy Parmelin wegen seines politischen Engagements nur noch etwa einen Tag pro Woche im Betrieb. Auch diese 20 Prozent werden nun wegfallen.

Ein Bauernvertreter im Bundesrat

1:34 min, aus HeuteMorgen vom 10.12.2015

Dennoch freut sich Markus Ritter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes, über die Wahl Parmelins. Mit ihm halte eine Stimme aus der Landwirtschaft im Bundesrat Einzug. «Dies ermöglicht der Regierung eine zusätzliche Perspektive.» Damit könnten künftige Bundesratsentscheide noch breiter abgestützt werden, erwartet Ritter.

Parmelin: «Ich bleibe Bauer»

Ritters Vorgänger an der Spitze des Bauernverbandes, Hansjörg Walter, teilt diese Einschätzung. Er glaubt, Parmelin werde die Sorgen und Nöte der Bauern frühzeitig in die bundesrätliche Diskussion einbringen. Parmelin selbst sagte nach seiner Wahl: «Ich bin und bleibe Bauer.» Aber auch bei Entscheiden zur Landwirtschaft werde er sich ans Kollegialitätsprinzip halten.

Bauernverbandspräsident Markus Ritter spricht in zwei Mikrofone. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mit Guy Parmelin halte eine Stimme der Landwirtschaft im Bundesrat Einzug, sagt Markus Ritter vom Bauernverband. Keystone

Konkrete Hoffnungen hat Christine Bühler, Präsidentin der Bäuerinnen und Landfrauen: «Ich könnte mir vorstellen, dass Parmelins Wahl gerade bei Budgetfragen Vorteile bringt.»

Erwartungen hegt auch die Kleinbauernvereinigung. Geschäftsführerin Barbara Küttel hofft, dass Weinbauer Parmelin zum einen Verständnis für kleine Betriebe hat und zum anderen selbst für eine vielfältige Landwirtschaft steht. Denn gerade bei der Weinproduktion mache es keinen Sinn, möglichst viel zu produzieren oder den Weltmarktpreisen hinterher zu rennen. «Stattdessen sind Weinbauern erfolgreich, die ein qualitativ hochstehendes Produkt erzeugen.»

50 Jahre seit dem letzten Bauern

Natürlich werde mit Bundesrat Parmelin nicht die ganze Landwirtschaftspolitik umgekrempelt, geben alle angefragten Bauernvertreter zu bedenken. Aber sie setzen ihre Hoffnungen in den dritten Bauern, der in der Geschichte der Schweiz in den Bundesrat gewählt worden ist.

Schliesslich ist ein halbes Jahrhundert verstrichen, seit mit Paul Chaudet der letzte Vertreter von Weinbau und Landwirtschaft in der Landesregierung war. Auch er stammte übrigens aus der Waadt.

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