Westschweiz jubelt – Katzenjammer im Tessin und in Baar

Im Waadtländer Winzerdorf Bursins zeigte man sich stolz über die Wahl von Guy Parmelin. Entsprechend umgekehrt war die Stimmung in Baar (ZG)

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Stolze Familie Parmelin

8:23 min, aus Schweiz aktuell vom 9.12.2015

Die Waadt freut sich über die Wahl von Guy Parmelin in den Bundesrat. Am 17. Dezember gibt es einen offiziellen Empfang im Heimatkanton.

«Wir sind zufrieden, der Genferseebogen erhält Verstärkung unter der Bundeshauskuppel», sagte der Waadtländer FDP-Regierungsrat Pascal Broulis in der Wandelhalle nach Parmelins Wahl. Der neue Bundesrat sei ein Mann, der die Institutionen respektiere. Er werde sich gut ins Bundesratskollegium einfügen, die Kollegialität respektieren und im Interesse der ganzen Schweiz arbeiten.

Personen stossen mit einem Glas Weisswein an. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bei der Familie Parmelin in Bursins wird mit hauseigenem Wein auf die Wahl angestossen. Keystone

«Tut der Westschweizer Seele gut»

Sehr stolz zeigt sich die ganze Familie Parmelin. «Es ist ein grosser Tag für die Region, den Kanton und die ganze Schweiz», erklärte Christophe Parmelin, der Bruder des neu gewählten Bundesrates. Für Guy Parmelin gebe es nun viele Veränderungen. «Aber für unsere Arbeit hier auf dem Hof ist das zweitrangig», meinte Christophe Parmelin in «Schweiz aktuell».

«Für die Westschweizer Seele tut diese Wahl gut», meint SRF-Korrespondentin Alexandra Gubser. Doch es gebe auch ambivalente Gefühle so Gubser. Denn gerade der Kanton, der sich öffnen will habe nun einen Bundesrat, der sich gegen eine Öffnung der Schweiz einsetzt.

Seid schlau, trinkt Parmelin-Wein

Erst angespannt, dann feucht-fröhlich: So wandelte sich im Verlaufe des Morgens die Stimmung der SVP-Sympathisanten, die in einem Berner Restaurant die Bundesratswahlen auf Grossleinwand verfolgten. Sie unterstützten Parmelin – und stiessen kräftig auf ihn an. Grosse Aufmerksamkeit galt von Anfang einem Tisch in der Mitte des Saals: jenem mit Freunden und Anhängern von Guy Parmelin. Diese haben Wein von Parmelin mitgenommen, mit dem angestossen haben. Auf der Etikette steht der Spruch: «Du pain, du vin, de Bursins. Mais soyez malin: Buvez du Parmelin». Auf Deutsch etwa: «Seid schlau, trinkt Wein von Parmelin!»

Enttäuschung aber auch Erleichterung im Tessin

Erneut leer bei den Bundesratswahlen ging das Tessin aus. Bereits seit 1999 muss die italienische Schweiz ohne Bundesrat auskommen. Im Tessin reichen die Reaktionen auf die verpasste Chance Norman Gobbis von Enttäuschung bis Erleichterung.

Gobbi hinter einer Tessiner Fahne singend. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Trotz Niederlage: Der unterlegene Bundesratskandidat Norman Gobbi feiert wieder in einem Restaurant in Bern. Keystone

Enttäuscht äusserte sich der Lega-Fraktionschef des Grossen Rates, Daniele Caverzasio, der nach Bern gereist war. Die «nationale Einheit» der Schweiz sei abermals nicht respektiert worden.

Erleichtert zeigt sich dagegen Paolo Bernasconi. Der Tessiner Ex-Staatsanwalt sagte, er sei der Bundesversammlung dankbar, dass sie den «politischen Krawallanten» Gobbi nicht gewählt habe.

Norman Gobbi sagte, der vierwöchige Wahlkampf in Bern habe ihm eine neue Welt eröffnet. Er kehre nun gestärkt ins Tessin zurück. Gobbi äusserte die Hoffnung, dass das Tessin sobald wie möglich wieder in der Landesregierung vertreten sein wird.

Aeschi als Nachfolger von Maurer oder Brunner?

Personen vor einer Leinwand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Verständlich: In Baar kommt beim Public-Viewing keine Stimmung auf, als Guy Parmelin die Wahl annimmt. Keystone

Lange Gesichter gab es auch in Baar (ZG). Bei den knapp 50 Sympathisanten von Bundesratskandidat Thomas Aeschi machte sich kurz nach der Wahl von Guy Parmelin Enttäuschung breit. Sie zeigten sich aber als gute Verlierer – und sahen Aeschi bereits als möglichen Nachfolger von Maurer oder Brunner.

Statt Jubel für den eigenen Kandidaten gab es höflichen Applaus für Guy Parmelin: Die Zuger SVP und ihre Sympathisanten hatten sich diese Wahl anders vorgestellt. Dass Aeschi nicht gewählt worden sei, liege wohl hauptsächlich am Alter, meinte SVP-Kantonsrat Philipp C. Brunner. «Seine politische Karriere ist noch sehr kurz.» Parmelin sei natürlich bekannter, weil er länger im Parlament sei.