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Streit um Dauercamper-Preise in Erlach am Bielersee
Aus Schweiz aktuell vom 07.07.2021.
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Camping am Bielersee Dauercamper müssen weg: Knatsch beim Camping Erlach

Langjährige Camperinnen und Camper müssen den Platz verlassen. Und es wird teurer. So will es der neue Pächter.

«Im Juni ist die dicke Post gekommen. Ich muss ihnen ehrlich sagen, als ich anfing dies zu lesen, da ging ich in die Küche und musste weinen. Es hat mich dermassen traurig gemacht», sagt Ruth Sinniger, Pensionärin aus Boll BE.

Sie und ihr Mann verbringen seit über 30 Jahren ihren Sommer in Erlach am Bielersee. Immer auf dem gleichen Campingplatz. Bis jetzt zahlten sie dafür 3045 Franken. Bis jetzt.

Legende: Das Ehepaar Sinniger aus Boll campt seit 30 Jahren in Erlach. SRF

Neu soll es mehr als das Doppelte sein: 7500 Franken verlangt der neue Pächter. Statt 33.50 Franken pro Quadratmeter will er neu 82.50 Franken. Bis vor einem Jahr zahlten Sie noch 2300 Franken.

«Wir fühlen uns ausgenützt oder vertrieben, eines von beiden», so Ehemann René Sinniger. Seine Ehefrau ergänzt: «Bis jetzt konnten wir uns zwischendurch noch einen Ausflug gönnen. Das lag noch gut drin, aber jetzt liegt dann nicht mehr viel drin.»

Der neue Pächter und die Gemeinde rechtfertigen sich

Christian Brechbühl von der Firma Camping Lodge hat seit Kurzem das Sagen, was mit dem Berner Campingplatz passiert. Er hat grosse Ziele: «Wir wollen einen der schönsten Campingplätze der Schweiz werden.»

Legende: Der neue Pächter hat mit seiner Firma grosse Pläne, was den Platz in Erlach angeht. SRF

Dafür muss der Platz ziemlich aufgepeppt werden, denn er ist sanierungsbedürftig. Die Abwasserkanäle sind von Zeltstangen durchbohrt, die Stromversorgung ist veraltet. Insgesamt investiert die Gemeinde, die eigentliche Besitzerin des Platzes, rund 1.7 Millionen Franken.

«Ich verstehe den Ärger der Leute, die sich hier seit Jahrzehnten zuhause fühlen», so Martin Zülli, Gemeindepräsident von Erlach. Aber es sei auch ein Privileg gewesen, über eine so lange Zeit hier campen zu können. Einige Bauten der Dauercamperinnen und Dauercamper sind der Gemeinde ein Dorn im Auge – jetzt gibt es eine Zäsur.

Der Preis ist absolut marktgerecht.
Autor: Christian Brechbühl Pächter des Campingplatzes

Auch der neue Pächter, die Firma Camping Lodge investiert Geld in den Platz und baut kleine Häuschen, in denen man übernachten kann. So sollen mehr temporäre Gäste und Touristinnen angelockt werden – dafür weniger Dauercamper.

Legende: Zehn solche Häuschen soll es in Erlach geben. SRF

Wie teuer ist zu teuer?

Der Preis pro Quadratmeter steigt also ab dem nächsten Jahr um das zweieinhalbfache. Die Interessensgemeinschaft Camping Erlach hat den Preis mit anderen Vier-Stern-Plätzen verglichen und kommt zum Schluss: Das grenze an Wucher. «Im Dreiseenland bezahlen Sie Preise von 20, respektive 22 Franken – mit Strom bis 32 Franken», sagt Veronika Loeliger, von der Interessensgemeinschaft Camping Erlach. Deutlich weniger also.

Wegen des Coronavirus sind die einheimischen Campingplätze gut gefüllt, viele Schweizerinnen und Schweizer verreisen nicht ins Ausland. Nützt man diesen Umstand, die grosse Nachfrage, in Erlach schamlos aus? «Die Nachfrage ist sicher gestiegen im letzten Jahr, das stimmt. Wir wären aber auch nicht sehr weitsichtig, wenn wir nicht damit rechnen würden, dass es in den nächsten Jahren wieder zurückgeht», erklärt Christian Brechbühl, Leiter des Campings Erlach. «Unsere Preise sind absolut marktgerecht und resultieren aus den Kosten, die wir decken mussten.»

Aktuell sieht es aber nicht danach aus, als würden die höheren Kosten die Camperinnen und Camper abschrecken: Das Interesse an den sanierten Plätzen für nächste Saison ist gross.

Schweiz aktuell, 07.07.21, 19:00 Uhr

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Weilenmann  (markusweile)
    Wenn der Campingplatz so sanierungsbedürftig ist wie dargelegt, so heisst das, dass bisher (fast) nichts gemacht wurde. Weiter, dass das über Jahrzehnte angelegte Polster, das sich aus den Mieten ergibt, anderweitig verbraucht wurde. Wenn die Gemeinde jetzt 1,7 Mio aufwerfen muss, müsste man darum sagen, dass es endlich Zeit ist und dass man diese Kosten nicht einfach den Mietern überwälzen kann!
    1. Antwort von Adrian Kim  (Lösungsorientiert)
      @ Markus Weilenmann,
      Damit etwas gemacht werden kann benötigt man GELD.
      Glauben Sie wirklich, dass mit diesen mikrigen Mieteinnahmen dieser Dauercamper investiert werden kann?
      Damit deckt man höchstens die laufenden Kosten.
      Für ca. 7 Monate CHF 2300. Das sind pro Tag ca. 11 Franken. Diese CHF 11 beinhalten auch die Stromkosten, etc.
  • Kommentar von Hans-Ruedi Moser  (moserha)
    Auf Cudrefin ausweichen!
  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    7'500 Franken pro Jahr oder was? Wenn's 7'500 Franken pro Jahr sind, dann entspricht das 20 Franken pro Tag. Für eine komplette Campingplatz-Infrastruktur, an einem sehr schönen Ort an einem Schweizer See. Was soll an diesem Preis verwerflich sein?! Camping hat nun mal nichts mit Zweitwohnung zu tun!