- Im Fall eines Cézanne-Bilds mit umstrittener Herkunft hat ein möglicher Erbe die Kommission für historisch belastetes Kulturerbe angerufen.
- Laut einem Kunstdetektiv ist die Herkunft des Bilds problematisch. Es gehörte einst einem jüdischen Sammler, der vor den Nazis aus Deutschland fliehen musste.
- Laut der Fondation Beyeler, die das Werk bis Montag ausgestellt hatte, gibt es keine konkreten Hinweise, dass es sich um Raub- oder Fluchtkunst handelt.
Bis Montag zeigte das Museum bei Basel «La montagne Sainte-Victoire» – ein Aquarell des berühmten französischen Malers Paul Cézanne. Es war eine Leihgabe, deshalb soll das Werk zurück an den Besitzer in den USA gehen. Wer genau das ist, ist öffentlich nicht bekannt.
Der Amerikaner Peter Schweitzer verlangt, dass die Fondation Beyeler mit der Rückgabe noch zuwartet. «Das Kunstwerk befand sich einst im Besitz meiner Familie, ging jedoch während der Nazizeit verloren», heisst es in seinem Schreiben an die Kommission für historisch belastetes Kulturerbe (KHBK), das SRF News vorliegt. Zuerst müsse die Herkunft – die sogenannte Provenienz – des Bilds «ordnungsgemäss» ermittelt werden.
Die Kommission schreibt gegenüber SRF, dass sie die Ausfuhr des Werks nicht verhindern könne. «Gerne prüft sie Möglichkeiten einer fairen und gerechten Lösung, sollten die Parteien einvernehmlich auf sie zukommen.»
Einst gehörte das Aquarell dem jüdischen Kunstsammler Gustav Schweitzer. Der in Kalifornien wohnhafte Peter Schweitzer ist sein Enkel und der einzige verbleibende Nachkomme.
Schweitzer hat den Provenienzenforscher Willi Korte beauftragt, die Geschichte des Bilds und der Familie aufzuarbeiten. Laut ihm handelt es sich «mindestens um Fluchtgut, möglicherweise aber auch um Raubgut». Er und Peter Schweitzer kritisieren, dass die Fondation Beyeler die Geschichte des Bilds zu wenig abgeklärt hätte.
Das Museum weist die Vorwürfe zurück. Es hätten sich keine konkreten Hinweise ergeben, «dass es sich beim fraglichen Bild um Raub- oder Fluchtkunst handeln könnte», schreibt die Fondation Beyeler. Es sei auch nicht in einer Datenbank für vermisste Kunst vermerkt. «Der Leihgeber des Aquarells wird über den erhobenen Verdacht informiert.» Zurückbehalten könne das Museum das Werk nicht.
Für den emeritierten Historiker Georg Kreis ist die Auseinandersetzung mit dem Cézanne-Bild wichtig. Es gelte, die Problematik von Flucht- und Raubgut aus jüdischen Sammlungen ernst zu nehmen.
Anerkennungssumme hat neben dem materiellen einen symbolischen Wert.
«Ideal wäre es, wenn sich die Fondation Beyeler zum Beispiel als Mediatorin zwischen dem heutigen Eigentümer und der Familie der früheren Eigentümer engagieren würde», sagt Kreis. Rechtlich liesse sich die Frage nicht lösen, darum sei eine einvernehmliche Lösung anzustreben.
Teil der Lösung wäre für Historiker Kreis etwa, dass der heutige Eigentümer die Problematik der Herkunft anerkennt. «In der Regel wird dann auch eine Anerkennungssumme ausgehandelt. Diese hat neben dem materiellen einen symbolischen Wert», sagt Kreis. In diesem Fall würde also der Eigentümer des Werks die Nachkommen von Gustav Schweitzer finanziell entschädigen.
Dass die KHBK von sich aus nicht aktiv werden kann, findet Jonathan Kreutner bedauerlich. Er ist Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG). «Der SIG hat sich immer stark dafür eingesetzt, dass es eine Kommission gibt, die auch bei Kulturgütern, die sich in Privatbesitz befinden, direkt aktiv werden kann.» Der vorliegende Fall zeige, dass es in der Gesetzgebung noch entsprechende Lücken gebe.