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Klimademonstrationen in Corona-Zeiten
Aus Tagesschau vom 15.05.2020.
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Challenge for Future Die Klimajugend meldet sich zurück

Heute waren die Glocken der Berner Zytglogge bereits um 11:59 Uhr zu hören, sie läuteten den schweizweiten Klimaalarm ein. Auch in anderen Schweizer Städten lärmten Klimaaktivistinnen auf ihren Balkonen und öffentlichen Plätzen.

Wir möchten natürlich sobald wie möglich wieder auf den Strassen für unsere Anliegen kämpfen, jetzt muss jedoch auch die Bevölkerung geschützt werden.
Autor: Lena BühlerKlimaaktivistin

Doch eigentlich hätte der nationale Klimastreik für viel mehr Lärm sorgen sollen. Die Coronakrise machte den Organisatorinnen des Klimastreiks einen Strich durch die Rechnung. Der seit August geplante «Strike for Future» wurde kurzerhand zum Aktionstag «Challenge for Future», bei dem die meisten gemeinsamen Aktivitäten nur in Form von Online-Challenges durchgeführt werden konnten.

«Wir möchten natürlich so bald wie möglich wieder auf den Strassen für unsere Anliegen kämpfen, jetzt muss jedoch auch die Bevölkerung geschützt werden. Daher wollen wir im Moment mit anderen Protestformen den Wandel anstossen», erklärt Lena Bühler, Klimaaktivistin und Mitorganisatorin des Aktionstags «Challenge for Future.»

Die Klimabewegung lebt von der Masse

Ein Wandel mit anderen Protestformen – dies ist laut Michael Hermann, Politologe und Leiter der Forschungsstelle Sotomo, gar nicht so einfach: «Grundsätzlich ist es für die Klimabewegung im Moment sehr schwierig, wieder auf die Agenda zu kommen. Nicht nur, weil Corona alles dominiert, auch, weil man jetzt physisch keine Massenbewegung sein darf.»

Jugendliche mit Schutzmaske halten Plakate.
Legende: Klimastreik in Coronazeiten: Jugendliche schlugen beim Zytgloggeturm in Bern Klimaalarm. Keystone

Es brauche aber diese Dichte, das Zusammensein und auch die Bilder, um wirksam zu sein, erklärt Hermann. «Man kann versuchen, Aktionen virtuell und online zu ersetzten, aber wirklich gut geht das nicht.» Mittelfristig sei es dann das Klima selbst, das sich zurück auf die Agenda bringe – «beispielsweise, wenn es verrücktspielt, so wie diesen April.»

Laut Michael Hermann kann die Coronakrise für die Klimabewegung jedoch durchaus auch als Chance gesehen werden: «Die Coronakrise zeigt, wie verletzlich der Mensch und wie mächtig die Natur ist. Das könnte zu einer neuen Sensibilität führen.» Schlussendlich hänge es aber auch stark von der wirtschaftlichen Entwicklung ab, wie die Klimathematik gewichtet werde: «Wenn es zu einer langen und tiefen Wirtschaftskrise kommt, wird die wirtschaftliche Erholung zuoberst auf der Agenda stehen, weichere Themen wie das Klima haben dann erfahrungsgemäss weniger Platz.»

Kleinere, physische Proteste

Diesen Platz will sich die Klimabewegung jedoch nicht ganz nehmen lassen. So verging auch der Aktionstag «Challenge for Future» nicht ohne öffentlichkeitswirksame Proteste.

Es ist wichtiger denn je, mit Lärm wieder auf unsere Anliegen aufmerksam zu machen, jetzt wo Fluggesellschaften ohne Klimaziele unterstützt werden.
Autor: Cyril SzerencsitsKlimaaktivist

In über zehn Schweizer Städten lärmten und protestierten die Klimaaktivistinnen auf ihren Balkonen, aber auch auf öffentlichen Plätzen – trotz Versammlungsverbot. So demonstrierten beispielsweise auf dem Züricher Idaplatz pünktlich um 11:59 Uhr rund 30 Klimaaktivistinnen – mit Masken und Transparenten und lauter Musik. Viele kritisierten eben diese Priorisierung der Wirtschaft über die Klimaziele.

«Es ist wichtiger denn je, mit Lärm wieder auf unsere Anliegen aufmerksam zu machen, jetzt wo Fluggesellschaften ohne Klimaziele unterstützt werden», meint der 18-jährige Cyril Szerencsits. Auch die 14-jährige Mira Guggenbühl pflichtet ihm bei: «Für das Klima ist es tatsächlich eins vor zwölf, die Zeit rennt uns davon. Wir stellen immer wieder Forderungen, aber bisher ist noch viel zu wenig in der Politik passiert. Daher riefen wir auch zu diesem Klimaalarm auf dem Idaplatz auf.»

Tagesschau, 15.05.2020, 19.30 Uhr

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88 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Mathys  (wmathy)
    Weder die Wirtschaftsbosse noch die Banken sind es die die Welt zerstören, sonder wir Konsumenten auf der ganzen Welt. Stellt Euch vor, alle machen Ferien im eigenen Land, gehen zu Fuss oder mit dem Velo zur Arbeit, kaufen nicht allen Ramsch,nur weil es In ist, jedes Jahr ein neues Handy, Fernseher, Auto, Klamotten etc.
    Jeder ist der Welt Glückes Schmied.
    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      W.Mathys, Sie habe ja vollkommen recht! Der Haken an der Sache ist, dass Mensch sich noch nie als Teil der Natur fühlte u.es auch nie wird. Er muss ein Evolutionsflop sein, denn kein Lebewesen befasst sich seit seiner Entstehung derart intensiv mit seiner eigenen Ausrottung u.der all seiner Mitgeschöpfe in Fauna u.Flora wie der Mensch. Er gerät in Panik vor einem Virus, aber nicht vor der Zerstörung seiner Lebensgrundlage, das ist pervers! Mit 3-4Mia würde uns Mutter Erde evtl. besser ertragen.
  • Kommentar von Matthias Sommer  (abcdef)
    Wie wäre es, das wesentliche fordern: Zurückholen der Produktion nach Europa! Oder ist die Wissensökonomie auch in der Bewegung so verbreitet, dass man nur vom Hörensagen weiss, was eine Berufslehre ist?
    1. Antwort von Sascha Freitag  (SF)
      Richtig, wer Verantwortung für die Umwelt übernehmen will, muss auch selber seine Güter herstellen. Der EWR ist ein genug grosser Wirtschaftsraum, auch für Konzerne, in dem man gesund wirtschaften kann. Auf alles, was trotzdem importiert wird, ist ein nicht gerade geringer Umweltzoll zu erheben, der dann auch wirklich der Umwelt zugute kommt.
    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      S.Freitag, Selbstversorgung funktioniert nur dann, wenn die Grundlage dazu da ist, das ist sie nicht mehr. Wir sollten uns selber über unsere Abhängigkeiten entscheiden können, ernähren, ausbilden, pflegen, med.versorgen uvam, wir haben unsere Souveränität in jeder Beziehung längst verloren. Wir lassen uns diktieren, importieren unbedacht Futter-/Nahrungsmittel, Ärzte, Krankenschwestern, wir lassen zwecks Wirtschaftswachstum eine Bevölk'zunahme zu, die unseren Mitgeschöpfen kaum mehr Raum lässt.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Globaler Wandel. Wer die Erde von oben betrachtet, kann den globalen Wandel sehen: Seen trocknen aus, Gletscher schmelzen ab, riesige Waldflächen sind gerodet, Wüsten greifen um sich und Städte ufern aus. Die Klimaänderungen umfasst mehr, geänderte Landnutzung, globale Umweltschäden, die Bevölkerungsentwicklung der Erde und der Verlust von Artenvielfalt. Kurzum: alles, was zum System Erde gehört, sich gegenseitig beeinflusst und voneinander abhängig ist. Der Mensch ist fahrlässig geworden.