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Corona schlägt vielen aufs Gemüt
Aus 10 vor 10 vom 10.12.2020.
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Corona drückt auf Stimmung Betroffene: «Jetzt ist es zuviel, jetzt kann ich nicht mehr»

Seit Corona grassiert, haben viel mehr Menschen psychologische Hilfe gesucht. Jugendliche sind besonders betroffen.

Die Zahl der psychiatrischen Notfallkonsultationen hat seit Beginn der Krise um 50 Prozent zugenommen. Das meldet die Verbindung der Schweizerischen psychiatrisch-psychotherapeutisch tätigen Ärztinnen und Ärzte.

Corona verstärkt die Negativspirale, in der sich viele Betroffene von psychischen Krankheiten befinden. «Momentan ist für mich besonders schwierig, die sozialen Kontakte aufrecht zu erhalten oder neu anzuknüpfen», sagt ein Betroffener. Auch aus negativen Gedanken herauszukommen und eine sinnvolle Beschäftigung zu finden, falle ihm schwer.

Für Leute wie ihn gibt es die Zürcher Anlaufstelle Nordliecht. Diese öffnet nun früher, weil der Bedarf an Hilfe gestiegen ist. Die Fachmitarbeiterin der Anlaufstelle, Simone Aerni, sagt: «Viele waren vor der Krise stabil, mit Corona verschlechtert sich ihre psychische Situation». Das könne dazu führen, dass man wieder akut depressiv wird und dass man versuche, mit Alkohol oder Drogen zu kompensieren.

Viele waren vor der Krise stabil, mit Corona verschlechtert sich ihre psychische Situation
Autor: Simone AerniFachmitarbeiterin Nordliecht

Besonders Jugendliche sind betroffen

Kinder- und Jugendlichen gehören bereits zu einer gefährdeten Gruppe, weil sie sich in einer vulnerablen Entwicklungsphase befinden. Das sagt Dagmar Pauli, Leiterin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie: «Und wenn sie jetzt zum Beispiel Konflikte zu Hause haben und sich wegen Corona nicht mit Gleichaltrigen treffen können, dann kann sich das zuspitzen.»

Ein Teil der jugendlichen Sorgen landet bei der Telefonberatung 147 von Pro Juventute. Viel geht es dabei um Einsamkeit, ausgelöst durch das Fehlen von sozialen Kontakten. Aber auch um Zukunftsängste. Gerade bei Personen, die schon früher mit Problemen kämpften, sei Corona nun der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe, sagt Petra Schneider, Telefonberaterin bei 147: «Kürzlich meldete sich eine junge Frau, die bereits Probleme hat, unter anderem eine Essstörung.» Es ging der Frau einigermassen gut, sagt Schneider, bis zum Zeitpunkt, als ihr Freund in Quarantäne musste und als wichtige Stütze wegfiel: «Sie sagte, jetzt ist es zu viel, jetzt kann ich nicht mehr.»

Psychische Krisen kann man besser bewältigen, wenn man eine Strategie zur Problemlösung hat.
Autor: Dagmar PauliJugendpsychiaterin

Unklare Regeln verunsichern zusätzlich

Für Jugendpsychiaterin Dagmar Pauli ist klar: «Psychische Krisen kann man besser bewältigen, wenn man eine Strategie zur Problemlösung hat.» Deshalb sei die aktuelle Uneinigkeit in der Schweiz über die Corona-Massnahmen ein zusätzlicher Faktor, der Menschen mit psychischen Problemen verunsichere. Es gehe um die Handlungsfähigkeit: «Dass wir als Gesellschaft klare Anweisungen haben, es braucht Klarheit und Ausblick.»

Im Kleinen könne aber jeder etwas Gutes für seine psychische Gesundheit tun, sagt Pauli: «Einzelne Beziehungen intensiv pflegen, sich online oder draussen treffen.» Und darüber zu sprechen, wie es einem gehe. Mit Freunden, Familie oder auch einer Fachperson: «Es ist ganz normal, dass einen eine so belastende Situation herunterziehen kann.»

10vor10, 10.12.2020, 21.50 Uhr

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89 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Stähli  (Mich)
    Allen die hier sagen es gibt Leute denen es viel schlechter geht und wir sollen nicht so tun möchte ich nur sagen wie erbärmlich sie eigentlich sind. Ich war lange auch der Überzeugung alle die Burnouts und Depressionen haben sind nur zu faul zum arbeiten bis es mich selbst erwischt hat. Es kann jeden erwischen und wenn man noch in der momentanen Lage ist, allein und das Gefühl hat die Welt gehe unter und es bringe nichts mehr ist es manchmal echt schwer aufzustehen
    Ich wünsche allen viel Kraft
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  • Kommentar von Chris Jäger  (stine)
    Es geht nicht nur den Jugendlichen so. Natürlich finde ich es gravierend, was auf sie die letzen Jahren alles schon hören mussten: Flüchtlingskriese, Unweltkriese und nun die Coronakriese - Presse sei Dank dafür! Wann wird sie zur Verantwortung gezogen? Auf der anderen Seite, snd es nun besonders die Senioren die sehr isoliert werden und keine/kaum Kontakte mehr pflegen können/dürfen! Wer spricht über Sie? Sie wollen sterben und niemand hört ihre Einsamkeit.
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  • Kommentar von Esther Wiesendanger  (EsWie)
    Lesenswert: Corona in der Schweiz - ein Plädoyer für evidenzbasierte Pandemiepolitik:
    https://www.unilu.ch/news/alle-news/corona-in-der-schweiz-plaedoyer-fuer-eine-evidenzbasierte-pandemiepolitik-5553/
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