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Corona-Hotspot Expertin: «Die Schweiz wird nicht an Glaubwürdigkeit verlieren»

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Zweite Covid-Welle führt zu Übersterblichkeit
Aus 10vor10 vom 19.11.2020.
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Die Schweiz, die für ihr Management der ersten Welle von Covid-19 international viel Lob erhalten hat, gilt in der aktuellen Corona-Pandemie als einer der Hotspots in Europa. Kommunikations-Expertin Diana Ingenhoff erklärt die Auswirkungen auf das Image der Schweiz im Ausland.

Diana Ingenhoff

Diana Ingenhoff

Professorin für Organisationskommunikation

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Diana Ingenhoff ist Professorin für Organisationskommunikation und Public Diplomacy an der Universität Freiburg. Sie ist Expertin in der Reputationsforschung.

SRF News: Wie wird die Schweiz im Ausland im Vergleich zur ersten Welle wahrgenommen?

Diana Ingenhoff: Geografisch nahe und kulturell ähnliche Länder wie Deutschland, Italien oder Frankreich nehmen die Massnahmen der Schweiz in Sachen Covid-19 viel genauer wahr als weiter entfernte Länder. Das Management der beiden Wellen wird jeweils vor dem Hintergrund des eigenen politischen Handelns beurteilt.

Länder, die ähnlich wie die Schweiz gehandelt haben und sehr wenige Restriktionen hatten, führen die Schweiz als positives Beispiel an – Länder, die einen harten Lockdown forcierten, werden nun Gründe haben, die Schweiz für ihren Umgang mit der zweiten Welle zu kritisieren.

Ein verändertes Image wird aber erst im Nachhinein und nur anhand empirischer Analysen – wie einer Inhaltsanalyse der ausländischen Medien und einer repräsentativen Befragung der Bevölkerung in den jeweiligen Ländern – attestiert werden können.

Die jetzigen Massnahmen der Schweiz ähneln denjenigen von Schweden in der ersten Welle. Wirkt sich das auf die Glaubwürdigkeit der Schweiz im Ausland aus?

Das hängt zum einen davon ab, ob die Bevölkerung eines anderen Landes von den Unterschieden des Managements der ersten und zweiten Welle überhaupt erfährt, und zum anderen, ob es die Unterschiede auch in Erinnerung behält.

Es ist zu erwarten, dass zum Beispiel in Schweden die Schweiz sehr viel positiver bewertet wird als in Österreich.

Auch die Kultur spielt hier sicherlich eine Rolle: Jede Nation vergleicht andere Länder jeweils mit dem eigenen Land und bewertet dies auf dieser Grundlage. Es ist also zu erwarten, dass zum Beispiel in Schweden die Schweiz bezüglich ihres Covid-19-Managements sehr viel positiver bewertet wird als in Österreich.

Wie denken weiter entfernte Länder über unseren Massnahmen?

Dort wird in den Medien weniger berichtet. Personen aus solchen Ländern greifen bei der Landesbewertung stärker auf Stereotype zurück. So verbindet man die Schweiz in den USA oder in Indien öfter mit der schönen Landschaft und hohen Bergen – von unserem politischen System haben viele nur eine geringe Vorstellung. Wahrscheinlich verhält es sich hier genauso mit der Einschätzung zum Management in Sachen Covid-19.

Glauben Sie, dass die aktuellen Umstände langfristige Auswirkungen auf das Bild der Schweiz im Ausland haben kann?

Grundsätzlich zeigt sich in unseren langjährigen Untersuchungen, dass das Schweizer Landesimage im Ausland sehr stabil und extrem positiv ist. Es ist also nicht zu erwarten, dass die Schweiz nun aufgrund eines eventuell nicht optimalen Managements der zweiten Covid-19-Welle gleich an Glaubwürdigkeit verliert oder einen starken Reputationsschaden erleidet.

Auch die Innovationskraft, zum Beispiel die weltweit erste Lizenz-Erteilung an Blockchain-Finanzdienstleister durch die Finma oder der Forschungsplatz Schweiz mit Nobelpreisen für Physik an die Schweizer Michel Mayor und Didier Queloz, spielen beim Image eine wichtige Rolle.

Genauso tragen auch der Umgang der Schweiz mit dem Klimawandel, die Europapolitik und das Image des Finanzplatzes zum Konstrukt des Schweizer Images bei. Aber schlussendlich können wir hierzu nur Aussagen auf der Grundlage von empirischen Analysen machen, und die stehen derzeit noch aus.

Das Gespräch führte Luisa Böbner.

Tagesschau, 12.11.2020, 19:30 Uhr;

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Roland Burger  (Obrigkeits nicht mehr gläubiger)
    Lockdown bei den welschen führt dazu, dass Bern von VD, FR und NE überrollt wird (bsp SA 21.11). Wirklich toll gemacht !
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  • Kommentar von Ringo Noki  (Rinok)
    Monat 9 der Pandemie in CH: Freizeitreisende drängen sich zur Pendlerstosszeit in volle Züge, so dass ich auf Langstrecken (30/60 Minuten, ohne Auto, zwingend Präsenzarbeit) im Umkreis von 1,5 m von 6 fremden stehenden und sitzenden Reisenden umgeben bin. während Läden Ampelsysteme haben, während wir unsere persönlichn Kontakte seit Monaten beschränken. Muss ich mich auf dem Arbeitsweg dem Risiko aussetzen wie an einer Party, weil die SBB und die Politik nach so langer Zeit nichts tun?
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  • Kommentar von Monika Mitulla  (momi)
    Allen Nörglern zum Trotz: Bei uns sinken die Fallzahlen seit mehr als einer Woche - in Österreich und in Deutschland steigen sie trotz Lockdown. Österreich hat uns mittlerweile sogar überholt! Und Deutschland hatte mal nur 10% unserer Fallzahlen - heute sind es 50%. Folglich machen wir wohl irgend etwas richtig. Zur Erinnerung: Das Wichtigste sind die persönlichen Hygienemassnahmen und die Abstandsregel.
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    1. Antwort von Hans-Harald Schulz  (hhschulz)
      Frau Mitulla: lesen Sie
      https://www.spiegel.de/politik/ausland/corona-in-der-schweiz-intensivmediziner-warnen-vor-engpaessen-a-56faad3f-c017-4c8a-ab98-ce742dc3a0e3
      Wenn Sie dann finden dass "alles ok" ist ...
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    2. Antwort von Monika Mitulla  (momi)
      Ja, die Deutschen waren und sind besser - also ich meine sie sind besser punkto "Fallzahlen". Aber - sie holen auf mit Riesenschritten. Davon steht natürlich nichts im "Spiegel". Man sollte die Dinge immer ganzheitlich anschauen.
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    3. Antwort von Manuel Schütz  (ld238m)
      @momi: Wo haben Sie gefunden, dass die Auslastung der Intensivstationen in Deutschland steigt und wie bei uns ans Limit kommt?
      Logisch hatte D zuvor 10% der Fallzahlen und jetzt 50%... Bei uns kam die zweite Welle auch früher.
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    4. Antwort von Hans Meuri  (hmeuri)
      Frau Mitulla, was machen wir in der Schweiz richtig, mit über 2.5x mehr Todesfällen pro Mio Einwohner als in Deutschland?
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