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So ist die Situation in den verschiedenen Zentren
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 27.01.2021.
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Corona im Asylzentrum Pandemie fordert Bewohnerinnen und Betreuer in Asylzentren

Das Rückkehrzentrum Aarwangen steht unter Quarantäne. Betroffene berichten von einer schwierigen Situation.

Fast 100 Personen des Asylzentrums Aarwangen dürfen die Unterkunft nicht mehr verlassen. Der Grund: Mindestens 19 Bewohnerinnen und Bewohner haben sich mit dem Coronavirus angesteckt. Das Zentrum ist vom Kanton unter Quarantäne gestellt worden. Auch der Kindergarten und die interne Schule sind geschlossen.

Wir haben fast nichts zu tun in unserer Isolation.
Autor: Saeed FarkhondehBewohner Asylzentrum

«Wir sind isoliert in einem Raum», erzählt der 19-jährige Bewohner Saeed Farkhondeh. Der Iraner ist mit seiner Familie seit acht Jahren in der Schweiz. Weil ihr Asylgesuch abgelehnt wurde, sollten sie das Land verlassen. «Wir können derzeit in der Isolation nicht viel tun», erzählt er. Bekannte und Freunde stellen Essen vor die Türe. Farkhondeh kritisiert die engen Platzverhältnisse im Zentrum sowie die sanitären Einrichtungen.

Porträt
Legende: Bewohner Saeed Farkhondeh kommt aus dem Iran. Hier ist er auf einem Bild, welches vor den Quarantänemassnahmen in Aarwangen entstanden ist. SRF

Die Corona-Pandemie ist für die Asylzentren eine grosse Herausforderung – egal, ob sie – wie im Fall von Aarwangen – unter Quarantäne stehen oder nicht.

«In einer Kollektivunterkunft leben verschiedene Menschen nahe aufeinander und benützen die gleichen sanitären Einrichtungen», sagt Lea Münger vom Roten Kreuz des Kantons Bern, das mit anderen Organisationen für den Betrieb von Asylzentren verantwortlich ist.

Angespannte Situation in Bundesasylzentren

Ende Oktober sprach die zuständige Bundesrätin Karin Keller-Sutter im Parlament von einer schon fast prekären Situation. Auch Mario Gattiker, der Direktor des Staatsekretariats für Migration (SEM), wies auf fehlende Unterbringungsreserven hin. Der Grund: Corona. Aufgrund von Abstandsregeln dürfen weniger Menschen in den einzelnen Zetren leben. Im Dezember hat der Bund deshalb weitere Zentren eröffnet.

Gemeinschaftsräume sind das Gegenteil von dem, was in einer Pandemie sinnvoll ist. Derzeit sollte man Kontakte meiden, statt andere in Küchen oder Gemeinschaftsräumen zu treffen. «Wir versuchen darauf zu achten, dass die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.» Schwierig ist das Umsetzen der Maskenpflicht. «Die Asylzentren sind das Zuhause der Bewohnerinnen. Daheim eine Maske zu tragen ist natürlich für viele sehr ungewohnt», sagt Münger.

Corona-Massnahmen in den Zentren

Werden die Massnahmen eingehalten? Klappt das Zusammenleben in dieser schwierigen Situation? Die Antwort fällt unterschiedlich aus. «Es kommt darauf an, welche Leute in den jeweiligen Asylzentren leben», sagt SRF-Redaktor Christian Liechti, der mit verschiedenen Betreibern von Berner Asylzentren gesprochen hat. «Es spielt eine Rolle, ob es Familien mit Kindern sind, welche in der Schweiz bleiben dürfen, oder junge Männer, die das Land verlassen sollten.»

Bei Menschen mit einem negativen Asylentscheid komme neben der persönlichen Krise nun auch noch eine Gesundheitskrise hinzu. «Quarantäne und Isolation verschlechtern die ohnehin schon schwierige Situation zusätzlich.»

Die unterschiedlichen Betreuungssituationen

Familien mit Kindern kommen zum Beispiel in der Kollektivunterkunft Bärgsunne Hondrich bei Spiez unter. Da habe man sich gut mit der speziellen Situation arrangiert, sagt Leiterin Barbara Jost. «Alle helfen sich gegenseitig.» Wichtig sei auch, dass die Schule offen haben – ein Stück Normalität in diesen Zeiten. «Die Stimmung ist gut».

Anders sieht es im Rückkehrzentrum Aarwangen aus, das nun unter Quarantäne gestellt wurde. Hier sind Menschen untergebracht, die einen negativen Asylentscheid erhalten haben.

Die Situation darf man nicht unterschätzen.
Autor: Lutz HahnBetreuungsorganisation ORS

Die ORS Service AG betreibt das Zentrum. Unternehmenssprecher Lutz Hahn berichtet von einer angespannten Stimmung. «Diese bekommen auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu spüren.» Er sprich auch von Angriffen aufs Personal. «Man darf die Situation nicht unterschätze. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben kaum Perspektiven und werden manchmal ausfällig.»

Laut Lutz Hahn haben sich in den vergangenen Wochen längst nicht alle an die Corona-Massnahmen gehalten. «Wer sich nicht daranhält, wird der Polizei gemeldet.» Und zwar konsequent.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 26.1.2021, 17:30 Uhr;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von ely berger  (bernina)
    Ich weiss, es geht gegen den linken Mainstream - die Gleichmacherei - trotzdem: die Heimat zu verlieren ist irreversibel. Warum werden nicht beaufsichtige (kleine) Schulen und Lehrbetriebe in den "Problemländern" errichtet, wo die Geflüchteten in ihrem gewohnten Umfeld eine nützliche, sinnstiftende Tätigkeit finden? Wer will Almosen? Im Grunde keine/r. Also ist es Aufgabe der Politik, diesen Leuten zuhause eine Perspektive anzubieten.
    1. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Weil wir in den Herkunftsländern dieser Menschen schlicht nichts zu melden haben? Weil zum Beispiel Iran eh unter Embargo steht? Weil gewisse Regierungen nicht das Gefühl haben, in ihrem Land gäbe es ein Problem, und sich den Teufel um ihre Bürger scheren?
    2. Antwort von ely berger  (bernina)
      Frau Meier. Eine Organisation hat in Afghanistan (!) dutzende kleine Schulen gegründet und unterhält sie (die UNO weiss es). Vielleicht ist dieses Land das schlimmstmögliche. Es gibt keine, wirklich keine Entschuldigung
  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Meine Kindheit verbrachte ich in einem kleinen osteuropäischen Kaff. In den Sommerferien von 3 Monaten, bei oft 40 Grad im Schatten verliess ich das Elternhaus wochenlang nicht, denn es gab keinen Ort, wo ein Kind/Jugendliche einer vernünftigen Beschäftigung hätte nachgehen können. Kein Internet/Telefon. Ich wandte mich meinen Büchern zu, habe zwei Fremdsprachen gelernt. ich kam nie auf die Gedanken, zu "leiden" und lauter "Leiden" Seich zu machen. In OstEU sind heute Millionen in dieser Lage.
    1. Antwort von Heidi Müller Mermer  (Gelincik)
      Sie waren in Ihrem Elternhaus. Ihre damalige Situation mit der von Asylsuchenden in einem Heim zu vergleichen, und das zu Coronazeiten finde ich völlig daneben.
    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Frau Müller, der Porträtierte hat offensichtlich kein Problem damit, dass er in einem Heim lebt, sonst wäre er schon in seinem Heimatland oder sonst in einem Haus bei Verwandten. Der Porträtierte hat damit ein Problem, dass er nicht raus kann und in der Quarantäne sich nicht beschäftigen kann. Das ist sehr wohl vergleichbar mit der Situation von Millionen von minderbemittelten Menschen. Zudem spielt er ja gerade mit seinem Handy, also das Netz bietet viele Beschäftigungsmöglichkeiten.
    3. Antwort von Mark Stalden  (Mark)
      Sie haben Recht Frau Müller es ist auch daneben. Offenbar hat Frau Fitzi keine Sekunde in einem Asylheim verbracht und ich nicht auf diesem Weg eingereist. Empathie für andere ist trotz nicht Schweizer Elternhaus und schwierigen Umständen eben nicht einfach angeboren. Die ewig gleichen Kritiker können und wollen sich nicht in die Lage eines Asylsuchenden versetzten, schlimmer noch man Vergleicht es Hämisch mit Swiss Piloten. Traurig aber Wahr.
    4. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Stalden, ich habe langjährig im CH-Asylwesen gearbeitet. Unzählige Protokolle erstellt, gelesen, Entscheidungen getroffen und mit Tausenden von Asylsuchenden interagiert. Ja. Meine Empathie zu diesem Thema ist nicht angeboren, sondern faktenbasiert.
  • Kommentar von Christophe Bühler  ((Bühli))
    Vielen Swiss Piloten geht es ähnlich, sie sind gegroundet und wollen dazu beitragen Leute wie Herrn Saeed nach hause zu fliegen. Es ist eine Frage des Wollens der Politik, wann dies durchgesetzt wird.
    1. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Die gegroundeten Swiss Piloten verdienen allerdings immer noch einen Jahreslohn von rund 100‘000. Kurzarbeit zwar, aber vom Arbeitgeber grosszügig aufgestockt. Es braucht schon ziemlich viel Zynismus, um ihre Situation mit der von Asylsuchenden zu vergleichen, auch wenn diese aus wirtschaftlichen Gründen kommen. Im übrigen sind die Piloten nicht gegroundet, sie fliegen nur viel weniger, behalten aber ihre Arbeitsplätze.