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Marcel Salathé: Erst bei massiv tieferen Ansteckungszahlen Massnahmen aufheben
Aus 10 vor 10 vom 03.04.2020.
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Corona-Massnahmen aufheben? «Für eine Lockerung müssen Ansteckungszahlen massiv sinken»

Epidemiologie-Professor Marcel Salathé von der ETH Lausanne ist Mitglied der neu eingesetzten «Swiss National COVID-19 Task Force». Sie soll den Gesamtbundesrat, das Eidgenössische Departement des Innern sowie die zuständigen Stellen des Bundes und der Kantone beratend unterstützen. Am Donnerstag hat die Task Force erstmals getagt. Zuoberst auf der Traktandenliste: die Frage nach der Aufhebung der Ausgeh-Restriktionen.

Marcel Salathé

Marcel Salathé

Professor für Epidemiologie

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Marcel Salathé ist Epidemiologe an der ETH Lausanne (EPFL). Er ist Professor und leitet das Digital Epidemiology Lab an der EPFL. In der Coronakrise ist er Mitglied der Taskforce des Bundes, der «Swiss National COVID-19 Task Force».

SRF: Herr Salathé, wann kann aus Ihrer Sicht der Lockdown gelockert werden?

Marcel Salathé: Die grosse Frage lautet: Wann gehen die Fallzahlen der täglich Neuinfizierten zurück? Mit mehr als tausend Fällen pro Tag ist das Risiko noch zu hoch. Denn die Gefahr besteht, dass die Zahlen gleich wieder hochschnellen, wenn wir die Restriktionen lockern. Erst wenn die Fallzahlen auf eine tiefe dreistellige – oder noch besser auf eine zweistellige – Zahl gesunken sind, ist eine Lockerung des Lockdowns aus epidemiologischer Sicht zu verantworten.

Wie kann eine erneute Ansteckungswelle verhindert werden?
Die Restriktionen müssen schrittweise gelockert werden. Gleichzeitig müssen möglichst viele Menschen auf Antikörper getestet werden. So können wir hochrechnen, wie viele Menschen bereits infiziert wurden und nun gegen das Virus immun sind. Das wiederum hilft uns zu verstehen, wo wir zurzeit in der aktuellen Ansteckungswelle stehen.

Antikörper-Tests zeigen keine Neuinfektionen an. Es braucht also weiterhin Covid-19-Tests?
Ja, die brauchen wir zusätzlich. Nur so können wir hochansteckende Personen sofort isolieren und anschliessend mit dem sogenanntem Contact Tracing nachverfolgen, wo und mit wem die infizierte Person Kontakt hatte. Diesen Kontakten muss dann die Möglichkeit gegeben werden, sich in Quarantäne zu begeben. Deshalb muss die Zahl der täglich Neuinfizierten so tief sein wie nur möglich, denn sonst lässt sich das kaum bewerkstelligen.

In dem Moment, wo wir einen Impfstoff haben, ist der ganze Spuk vorbei.

Was geschieht bei einer Lockerung der Restriktionen mit Risikogruppen wie den über 65-Jährigen?
Das hängt von zwei wichtigen Faktoren ab. Erstens: Wann steht uns ein zuverlässiges Covid-19-Medikament zur Verfügung, dass die schlimmsten klinischen Konsequenzen verhindert? Zweitens: Wann ist ein Covid-19-Impfstoff verfügbar? Beides haben wir noch nicht.

Das heisst: Solange müssen sich diese Risikogruppen durch Isolation schützen?
Ja, so ist es.

Das kann aber noch Monate dauern?
Zurzeit kann niemand abschätzen, wie lange es dauern wird, bis ein Medikament oder ein Impfstoff auf den Markt kommt. Was aber allen Fachleuten klar ist: In dem Moment, wo wir einen Impfstoff haben, ist der ganze Spuk vorbei.

Der Impfstoff ist also der sicherste Weg aus der Krise?
Ja. Ein effizienter und sicherer Impfstoff schiebt der Corona-Krise endgültig den Riegel.

Das Interview führte Mario Nottaris.

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Wann wird das Leben – trotz Corona – wieder normaler?
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10vor10, 03.04.2020;

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137 Kommentare

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  • Kommentar von ruedi hug  (ruedihug)
    Wir brauchen Contact Tracing mit einer App, eine neue wissenschaftliche Studie aus Oxford beweist, dass wir mit den heutigen Methoden zu langsam sind, um die Infektionsketten rechtzeitig zu unterbrechen. Zusätzlich brauchen wir endlich die einfachen Schutzmasken für alle und eine entsprechende Tragepflicht. Damit wird die Virenlast in der Umwelt reduziert und es ist auch ein wichtiges psychologisches Signal. Notfalls müssen wir deren Produktion erzwingen, Firmen, die das können, haben wir genug.
    1. Antwort von Franz Giger  (fjg)
      Der Überwachungs- und Polizeistaat auf der Überholspur. Ist das tatsächlich ihre Vision?
    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Solange man eine solche App auch wieder deinstallieren kann, sehe ich vom Überwachungsstaat her kein allzu grosses Problem. Aber diese App allein ist nicht in der Lage die nötige Beschleunigung zu bringen. Vorerst ist es wichtig die Massnahmen konsequent zu leben und die Zahlen herunterzubringen. Erst dann kann die App effektiv helfen.
    3. Antwort von ruedi hug  (ruedihug)
      @Giger
      Dieses Contact Tracing kann man durchaus Anonymisieren. Abgesehen davon, dass z.B. Google sowieso alles weiss, egal ob wir das bewilligt haben oder nicht, Ein Polizeistaat will niemand, aber bis zu einer sicheren Impfung dauerts noch und wir müssen weg von diesem generellen Lock down zu einem gezielten Lock down und man bedenke, weniger als 1% der Bevölkerung ist bisher infiziert, für 99% droht permanent die Gefahr der exponentiell rasenden Ansteckung.
    4. Antwort von Thomas Steiner  (Thomas Steiner)
      Franz Giger, die Daten müssen nicht vom Staat gesammelt werden, eine neu gegründete NGO die für den Staat die relevanten Informationen bereitstellt (aber eben auch nur relevante), würde kein Überwachungs- und Polizeistaat fördern..
  • Kommentar von markus ellenberger  (ELAL)
    Da wird von fallzahlen neu infizierten toten usw. weiter geredet. Wäre es nicht besser wenn das ganze, ganz normal jeder geht seinem Alltag nach die gesunde Bevölkerung kann Abwehrstoff produzieren und die kranke werde mit den nötigen Massnahmen geschützt somit würden wir einen ganz natürlichen Zyklus schaffen was ja auch bei der ganz normalen Grippe auf passiert
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Kranke können nicht geschützt werden, solange wir kein geprüftes wirksames Medikament haben. Deshalb ist das hier keine normale Grippe.
  • Kommentar von Michael Ausfeld  (micaus)
    Ist es eigentlich korrekt wenn länderübergreifend die absoluten Zahlen miteinander verglichen werden?
    Müsste man nicht vielmehr die Zahlen der Schweiz bei einem Vergleich mit einem anderen Land in Relation zu dessen Bevölkerungszahl setzen?
    1. Antwort von Hans Ochsner  (Hans Ochsner)
      Merken Sie das auch schon? Und wie wäre es wenn man die total Verstorbenen, die an oder mit Corona verstorbenen sind, ins Verhältnis setzen würde zu den in den Vorjahren im Durchschnitt in derselben Periode Verstorbenen? Das geschieht nicht. Geschieht es bewusst nicht? Will man uns ein X für ein U vormachen? Diese Frage sollte man sich ernsthaft stellen!
    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Hr. Ausfeld: Es spielt nur bedingt eine Rolle. Die Zahlen werden effektiv nur nebeneinander publiziert. Ob sie verglichen werden oder nicht ist dem Leser überlassen. Das was man effektiv vergleichen kann sind die Veränderungen der Kurven, z.B. die Abflachungen, die allenfalls einen Hinweis auf die Wirksamkeit von Massnahmen geben können. Wenn Sie wollen können Sie jederzeit die Relation zur Bevölkerung selbst vornehmen. Z.B. sind die Bevölkerungszahlen aller Länder bei Wikipedia ersichtlich.
    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      @Ochsner: Vor 1 oder 2 Tagen hat SRF irgendwo eine Kurve mit Übersterblichkeiten über mehrere Jahre publiziert, also genau das was Sie wollen. Soweit ich gesehen habe geht unsere Sterblichkeit aktuell gerade durch die Decke, weil auf der normalen Jahreskurve die Sterblichkeit jetzt runter geht. Unsere effektive Sterblichkeit geht jedoch hoch, was eindeutig auf Corona zurückzuführen ist. Leider weiss ich nicht mehr wo (in welchem Artikel) diese Kurve war.

      @SRF: Können Sie helfen?
    4. Antwort von SRF News editor
      @Beat Reuteler Guten Tag! Meinen Sie vielleicht die Grafik in folgendem Artikel? https://www.srf.ch/news/schweiz/bag-zahlen-kritisch-betrachtet-sterben-die-patienten-wegen-oder-mit-corona Freundliche Grüsse, die Redaktion