Zum Inhalt springen

Header

Video
Tanja Stadler im Interview über die Corona-Mutation
Aus News-Clip vom 22.12.2020.
abspielen. Laufzeit 5 Minuten 7 Sekunden.
Inhalt

Corona-Mutation Tanja Stadler: «Man müsste die Massnahmen jetzt verschärfen»

Endlich ist sie da, die Impfung gegen das Coronavirus – doch praktisch gleichzeitig taucht nun eine Mutation des Virus auf, welche noch aggressiver erscheint. Tanja Stadler von der Covid-19-Taskforce sagt, wahrscheinlich sei diese Variante schon in der Schweiz angekommen. Sie plädiert für schärfere Massnahmen.

Tanja Stadler

Tanja Stadler

ETH-Professorin am Departement für Biosysteme

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Die Mathematikerin Tanja Stadler ist Professorin am Departement für Biosystems Science und Engineering an der ETH. Sie entwickelt Methoden, um die Ausbreitung von Virus-Epidemien zu berechnen.

SRF News: Müssen wir uns Sorgen machen, dass die neue Variante des Coronavirus stärkere Krankheitssymptome oder mehr Todesfälle verursacht?

Tanja Stadler: Bisher haben wir keinerlei Indizien, dass diese neue Variante gefährlicher wäre.

Müssen wir uns Sorgen machen, dass die Impfungen nicht wirken könnten?

Wissenschaftler auf der ganzen Welt schauen sich an, wo sich diese Variante verändert hat. Und tatsächlich ist sie an der Oberfläche leicht anders. Aber es gibt keinerlei Hinweise, dass der Impfstoff nicht mehr wirksam wäre.

Es gibt keinerlei Hinweise, dass der Impfstoff nicht mehr wirksam wäre.

Sie haben gesagt, dass statistisch gesehen in jedem zweiten der fast 100 Flüge der vergangenen Tage aus Grossbritannien die mutierte Virusvariante in die Schweiz gebracht worden ist. Wie kommen Sie darauf?

Im Grossraum London, wo diese neue Variante vor allem zirkuliert, ist ungefähr einer von 300 Menschen positiv. Ungefähr die Hälfte haben diese neue Variante. Wenn man das hochrechnet auf die Zahl der Flugzeuge, dann kommt man auf diese Aussage.

Das würde bedeuten, dass ungefähr 50 Personen mit dem mutierten Virus bereits in der Schweiz sind?

Das ist eine grobe Schätzung, aber wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass diese Variante bereits eingeschleppt wurde.

Gemäss Martin Ackermann von der Covid-19-Taskforce werden die Massnahmen des Bundesrats nicht ausreichen, um eine Weiterverbreitung des Virus einzudämmen. Sehen Sie das auch so?

Wir sind nicht sehr optimistisch, dass man mit den bestehenden Massnahmen den R-Wert genügend absenken kann. Man müsste die Massnahmen per sofort verschärfen.

Wir sind nicht sehr optimistisch.

Die Westschweizer Kantone wollen Restaurants schliessen wegen des gestiegenen R-Werts. Also eigentlich ihretwegen, denn Sie berechnen ja diesen R-Wert?

Ich möchte betonen, dass wir diesen R-Wert jetzt schweizweit deutlich unter 1 drücken müssen – etwa auf 0.8. Dies würde eine Halbierung der Fallzahlen alle zwei Wochen bedeuten.

Dieser Wert sagt also vor allem etwas über die Situation von vor 14 Tagen aus?

Wenn ich mich heute anstecke, dann bekomme ich nach etwa fünf Tagen Symptome – es vergehen aber noch ein paar Tage, bis ich getestet bin und in der Datenbank erscheine. Bis wir also sehen, ob sich etwas signifikant verändert hat, vergehen somit 10 bis 14 Tage.

Wenn also die Kantone jetzt reagieren, sind sie eigentlich schon zwei Wochen zu spät?

Das ist das Problematische: Der Virus ist uns immer voraus, wir sehen nur, was vor 10 bis 14 Tagen passiert ist.

Sie müssten eigentlich recht genau wissen, welche Massnahmen wirken, weil Sie das dann am R-Wert sehen.

Das wäre schön. Wir Menschen funktionieren aber nicht wie Roboter. Wenn eine Massnahme eingeführt wird, heisst das nicht, dass dann alle dies genau gleich umsetzen. Die Massnahmen und die Umsetzung spielen zusammen. Und seit ein paar Tagen kommt jetzt noch diese neue Virus-Variante dazu. Von diesen Faktoren hängt ab, ob die Fallzahlen sinken oder steigen.

Was machen Sie an Weihnachten?

Im ganz kleinen Kreis mit der Familie feiern.

Das Gespräch führte Urs Leuthard.

Tagesschau, 22.12.2020, 18:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

162 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Charly Doerig  (Chuck1)
    @Schlatter : Danke für den wertvollen Hinweis auf den Virologie Professor Vincent Raccaniello. Manchmal lohnt es sich doch, durch alle Kommentare zu browsen. Hie und da tut sich doch ein neues Türchen auf.
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Hauptsache der Blick druckt auf der Titelseite, wo man noch überall hin kann, wo noch offen ist, und wo sich das Virus noch nicht so einsam fühlt.
    Cool, so ein Verzeichnis, wo man doch noch ohne viel Zeitverlust das Virus ans Weihnachtsfest mit den Grosseltern und dann ins Altersheim und Pflegezentrum holen kann ...
  • Kommentar von Philipp Borer  (Lux)
    Erstaunlich viele ETH Professoren kommen als Pandemie Experten zu Wort. Ich war immer der Meinung ETH heisse Eidgenössisch Technische Hochschule. Das die nun auch eine Medizinische Fakultät haben ist neu für mich.
    1. Antwort von Thomas Spirig  (lalelu)
      die statistischen berechnungen überlassen die mediziner besser den ETH leuten. das macht schon sinn. ;-)