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Milliardenausfälle wegen Corona: Spitäler machen Druck vor Treffen mit Berset
Aus HeuteMorgen vom 31.08.2020.
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Corona verhinderte Operationen Spitäler erhöhen Druck auf Alain Berset

Die Spitäler und andere Akteure fordern eine Entschädigung für den Corona-Mehraufwand. Offene Fragen sollen heute mit Bundesrat Berset geklärt werden.

Damit die Spitäler im Fall von schweren Corona-Erkrankungen flexibel reagieren konnten, hiess sie der Bundesrat im Frühling, während fünf Wochen auf nicht-dringliche Eingriffe zu verzichten. Das werde Verluste geben, mahnten die Spitäler.

Aufgehoben oder aufgeschoben?

Gesundheitsminister Alain Berset stellte sich im Mai auf den Standpunkt, diese Operationen seien ja nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben: «Wenn es helfen kann, unnötige Eingriffe nicht zu machen, wäre das positiv.»

Nun beziffert der Verband der Spitäler H+ das Defizit auf bis zu 2.6 Milliarden Franken. Direktorin Anne-Geneviève Bütikofer: «Das Defizit in den Spitälern ist eine Realität. Die aktualisierten Daten zeigen, dass die Spitäler nicht alle Behandlungen und Operationen nachholen können.»

Die aktualisierten Daten zeigen, dass die Spitäler nicht alle Behandlungen und Operationen nachholen können.
Autor: Anne-Geneviève BütikoferDirektorin Spitäler H+

Ruf nach Entschädigung

Die Spitäler seien ausgelastet, Verluste könnten nicht wettgemacht werden, begründet Bütikofer. Die Spitäler wünschen eine gemeinsame Lösung und verlangen eine Entschädigung für die Verluste.

Das wollen auch andere Akteure im Gesundheitswesen – etwa für Kosten wegen Mehrstunden und zusätzlichem Material. Auch die Kantone stellen sich auf den Standpunkt, Verluste müssten entschädigt werden.

Krankenkassen sehen keine Verluste

Doch die Zahlen der Krankenkassen zeigen ein anderes Bild: Der Verband santésuisse schreibt: «Bei den Spitälern sind die Umsätze sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich praktisch gleich geblieben wie in der Vorjahresperiode.»

Das könne an Rechnungen für Behandlungen aus den Vorjahren liegen oder an der aufwändigen Behandlung der hospitalisierten Corona-Patientinnen und -Patienten. Abschliessend lässt sich das wohl noch nicht sagen.

Die Umsätze sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich sind praktisch gleich geblieben wie in der Vorjahresperiode.
Autor: santésuisse

Die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) will eine Kompensation durch die öffentliche Hand erst dann diskutieren, wenn «datenbasiert unter dem Strich ein Verlust» bleibt.

Treffen soll mehr Klarheit bringen

Heute treffen sich die verschiedenen Akteure des Gesundheitswesens mit Bundesrat Alain Berset zu einer Aussprache. Mit dabei sind Vertreterinnen und Vertreter von Spitälern, Ärzteschaft, Kantonen und Krankenkassen.

Absage an Forderungen

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Bundesrat Alain Berset erklärte nach dem Treffen, die Spitäler nicht für abgesagte Eingriffe und Behandlungen entschädigen zu wollen. Berset bezweifelte, dass wirklich ein grosser Schaden entstanden ist. Er gehe davon aus, dass die Behandlungen in den Spitälern nachgeholt würden.

Trotz der Absage sprach die Direktorin des Spitalverbandes H+, Anne-Geneviève Bütikofer, von einem konstruktiven Dialog. So habe sich Berset gesprächsbereit gezeigt bei den Mehrkosten, die zum Beispiel für Schutzmassnahmen bei den Spitälern angefallen sind. Die Spitäler müssten die Mehrausgaben genau darlegen, dann könne man über eine Unterstützung diskutieren.

Gesundheitsminister Berset hatte zu coronabezogenen Fragen zur Finanzierung zwar Gesprächsbereitschaft signalisiert, doch auch Zweifel geäussert, ob sich die effektiven Kosten und allfällige Verluste schon beziffern lassen.

Die Beteiligten erhoffen sich vom Treffen, einen Schritt weiterzukommen. Zum Beispiel darüber, wer wofür bis wann verantwortlich ist. Das Bestreben, ungeklärte Fragen gemeinsam zu regeln, eint die sonst so verschiedenen Interessen.

Video
Aus dem Archiv: Spitäler bereit für eine zweite Welle
Aus Tagesschau vom 27.07.2020.
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HeuteMorgen, 31.08.2020, 06:00 Uhr

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Michel  (Joshuatree)
    Wieso müssen Spitäler Profitcenter sein die Spitäler sind da um unsere Pasienten gesund zupflegen und nicht um jedes Jahr den Gewinn zu steigern Herr Berset da läuft irgendwas falsch! Dazu noch nicht lebens nitwendigen überrissenen Saläre der Chefärzte?
  • Kommentar von Misra Namana  (Misra Namana)
    Ok, die Spitäler machen ein Minus. Andere Frage: Wie sieht es bei den nicht durchgeführten Operationen bei den Patienten aus? Machen die auch ein Minus? Oder wie beziffert man das? Nicht nötig gewesen oder schwer belastend für den Patienten?
  • Kommentar von Adrian Weber  (Pöbel)
    Die Spitäler haben bewiesen, dass in einer Pandemie auf sie verlass ist. Der Mehraufwand war enorm, Militär musste aufgeboten werden und rechtliche Vorgaben wurden ausgesetzt. Dass sich das finanziell auswirkt, ist nachvollziehbar. Wenn dieser Pandemie-Schaden nun durch Einsparungen beim Personal aufgefangen werden soll, das bereits am Mangel an Fachkräften leidet, dann fahren wir unser Gesundheitswesen an die Wand! Was ein Fachkräftemangel bedeutet sehen wir ja bei den Lokführern...
    1. Antwort von Daniel Beguelin  (Daniel Beguelin)
      Das Gesundheitswesen wird nicht an die Wand gefahren. Im Gegenteil, die Spitäler sagen hier ja selbst, wie man das Problem vom Fachkräftemangel einfach und billig lösen kann: Für alle nicht-Notfall Operationen eine Wartefrist von 5 Wochen einführen. Offenbar werden die meisten PatientInnen nach dieser Zeit auch ohne Operation gesund. Das Gesundheitswesen würde entlastet, die Fachkräfte hätten Zeit für das Wesentliche und die Krankenkassenprämien würden sinken.
    2. Antwort von Adrian Weber  (Pöbel)
      Danke für den konstruktiven Beitrag Herr Beguelin. Diese Idee kann längerfristig sinnvoll sein und ist sicher eine Diskussion wert. Wie die Defizite damit kurzfristig ausgeglichen werden können, ohne Personaleinsparungen, sehe ich noch nicht.
      Viele Pflegende haben trotz 12h-Schichten und trotz Arbeit auf Abruf (