Zum Inhalt springen

Header

Audio
Fachkräftemangel in der Event-Branche
Aus Rendez-vous vom 22.09.2021.
abspielen. Laufzeit 03:54 Minuten.
Inhalt

Coronakrise nicht vorbei Die Probleme in der Event-Branche nehmen kein Ende

Anderthalb Jahre keine Arbeit, jetzt viel zu viel – und trotzdem unsichere Aussichten. Die Situation für Konzert-Veranstalter und Event-Mitarbeiter ist schwierig.

Ruedi Schweizer war schon bei vielen Grosskonzerten dabei, vor allem im Hallenstadion Zürich. Er arbeitet seit über 30 Jahren als selbstständiger Tontechniker, Stagemanager und Crew-Chef in der Event-Branche. Im letzten Jahr hatte er wegen der Corona-Pandemie von einem Tag auf den anderen keine Aufträge mehr.

Doch in den vergangenen Wochen erhielt er so viele Anfragen, dass er oft absagen musste. «Derzeit muss ich jeden Tag zwei bis drei Aufträge ablehnen. Das ist schwierig», sagt Schweizer. Zumal er anderthalb Jahre nichts zu tun gehabt habe.

Jetzt kommen Studierende zum Zug

Arbeit wäre jetzt also da. Doch viele seiner Kollegen sind abgesprungen, als im letzten Jahr von einem Tag auf den anderen nichts mehr zu tun war. Profitieren von der Situation können jetzt Studenten wie Ilas Woo, der diesen Sommer neu eingestiegen ist. «Weil weniger Leute verfügbar sind, ist die Chance grösser, dass man angenommen wird», sagt er. Doch auch von den arbeitswilligen Studenten hat es zu wenige.

Ich muss sehr viele Anfragen ablehnen.
Autor: Jürg Guidon «Röck'n'Röll-Krew»

Jürg Guidon von der «Röck’n’Röll-Krew» vermittelt seit 20 Jahren solche Helferinnen und Helfer, die Festivals, Messen, Firmen-Events, aufbauen, betreuen und abbauen. Statt der 120 Leute, die vor der Pandemie aktiv für ihn arbeiteten, sind es derzeit maximal 20.

«Ich muss deshalb sehr viele Anfragen ablehnen», sagt Guidon. Den Mangel an Event-Personal spüre die ganze Branche. Weil in der ganzen Schweiz Leute fehlten, würden die Veranstalter, die sich bei ihm melden, alle angebotenen Hilfskräfte annehmen.

Legende: Erst in diesem Sommer nahm die Event-Branche wieder etwas Fahrt auf – wie hier am Jazz Festival Montreux. Keystone

Und auch im Ausland fehlt Personal, weshalb Veranstalter aus Deutschland oder England sogar in der Schweiz nach Leuten suchen. Gewisse Veranstalter hätten gar das Doppelte bezahlt, um genügend Leute zu finden, heisst es aus der Branche.

Viele Events 2022 – Engpässe befürchtet

«Viele Veranstalter mussten oft auch kurzfristig nach Ersatz suchen», sagt Christoph Bill, Präsident der Schweizer Konzertveranstalter. Und die Situation werde sich noch verschärfen, angesichts der vielen fürs nächste Jahr angekündigten Grossevents. «Viele sind in den vergangenen anderthalb Jahren angesichts der ungewissen Zukunftsaussichten bereits abgesprungen», beklagt Bill.

Legende: Das Gampel Openair war einer der wenigen Grossevents, die diesen Sommer stattfinden konnten. Keystone

Manche von ihnen haben einen besseren Job mit geregelten Arbeitszeiten und besserem Lohn gefunden. So auch Jürgen Broger, der während 25 Jahren als Tontechniker gearbeitet hatte, seit letztem Sommer aber als Lastwagenchauffeur arbeitet. Er werde sicher noch einige Zeit beim Lastwagenfahren bleiben und abwarten, wie es mit der Event-Branche weitergehe, sagt Broger.

Situation bleibt sehr unsicher

Mit der unsicheren Lage kämpfen auch die Arbeiterinnen und Arbeiter, die neu eingestiegen sind. Der Vermittler Jürg Guidon ist mit zwar unter Hochtouren daran, neue Leute zu finden. Doch die Suche gestaltet sich schwierig, weil er nicht weiss, wie viele Jobs in den nächsten Monaten tatsächlich offen sein werden. «Angesichts dieser Unsicherheit gehen manche lieber als Kurier oder an einer Bar arbeiten», weiss er.

Weil der Event-Branche erneut ein ruhiger Winter droht, fehlt es dem Personal an Praxis. Darum dürfte es bald zu wenig qualifizierte Leute geben, so die Befürchtung. Das aber würde die Branche laut Veranstaltern über Jahre verfolgen.

Rendez-vous, 22.09.2021, 12:30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Hans Schaffner  (Housi)
    Wir leben auch ohne diese Monsterevents ganz gut!
    Tut auf jeden Fall auch der Umwelt gut. Weniger Müll, weniger CO2
    1. Antwort von Daniel Schmid  (Daniel S.)
      Grüezi Housi, Sorry aber mit Deiner Aussage belegst Du nur, dass Du keine Ahnung von Veranstaltungstechnik hast. Dieses Leben besteht nicht nur aus grossen Events, Open Air und Party sondern geht viel weiter. Hast Du mal eine Messe besucht, warst Du mal an einem Weihnachtsessen mit Showact, hast Du mal im TV ein Live Event gesehen oder die 1. August Rede an deinem Wohnort gehört?
    2. Antwort von Daniel Schmid  (Daniel S.)
      Da waren überall Veranstaltungstechniker am Werk oder glaubst Du, dass der Gemeinde Präsident einfach ein Mikrofon aus dem Schrank nimmt und es funktioniert? Übrigens, ich war Heute an einer Diplomfeier als Veranstaltungstechniker angestellt....
    3. Antwort von Daniel Schmid  (Daniel S.)
      Muss es leider in drei Teilen schreiben da nur 500 Zeichen erlaubt sind. Apropos CO2,Vielleicht gehst Du an eine Klimademo wo Greta Thunberg eine Rede halten sollte. Doch keiner hört was, denn der Veranstaltungstechniker hat sich einen neuen Job gesucht. Nun muss er sich nicht mehr rechtfertigen, dass er ein überflüssigen Job hat.
    4. Antwort von Vale Nipo  (VNxpo)
      Ach Herr Schmid, Veranstaltungstechniker sind ganz wichtig, sind doch grosse Events schädlich für die Umwelt. Niemand sagt, dass Veranstaltungstechniker überflüssig sind. Und mit genügend Ratio kann jeder ein Mikrophon kaufen und bedienen.