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Eventbranche verlangt 220 Millionen Franken Corona-Hilfe
Aus Tagesschau vom 17.09.2020.
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Coronakrise Veranstalter wollen 220 Millionen Franken – geschenkt

Zwar sind ab 1. Oktober auch grössere Veranstaltungen unter Einhaltung von Schutzkonzepten in der Schweiz wieder möglich. Aber die Event- und Veranstaltungsbranche hat 2020 ein Minus von 80 Prozent des Umsatzes zu verkraften. Nun fordert die Branche 220 Millionen Franken als Überlebenshilfe.

Jörg Gantenbein

Jörg Gantenbein

Präsident des Verbandes technischer Bühnen- und Veranstaltungsberufe

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Gantenbein ist Geschäftsführer der Veranstaltungsfirma Eventpartner. Er ist auch Präsident des Verbandes der Theater- und Bühnentechnik-Berufe (SVTB).

SRF News: Jörg Gantenbein, 220 Millionen Franken für eine Branche à fonds perdu, also geschenkt. Das ist sehr viel Geld.

Jörg Gantenbein: Das ist natürlich kein Geschenk, sondern das Mindeste, um diese Firmen am Leben zu erhalten. A fonds perdu muss es sein, denn seit sechs Monaten und nun weitere sechs Monate haben diese Unternehmen keine Erträge erwirtschaften können. Kredite genügen nicht, irgendwann sind die Fixkosten so hoch, dass man das Geschäft nicht mehr tragen kann.

Viele dieser Betriebe haben also auch Covid-Kredite erhalten?

Ja, aber niemand konnte absehen, wie lange die Pandemie dauert. Und das sind ja alles gesunde Unternehmen, das ist nicht ein Fass ohne Boden. Die Ertragsausfälle müssen aufgefangen werden, sonst wird eine ganze Branche wegsterben.

Weshalb soll die Allgemeinheit verschiedenen Betrieben Geld schenken?

Es sind Überbrückungszahlungen, damit die Firmen überhaupt da sind, wenn die Pandemie einmal vorbei ist. Das ist schlicht günstiger, als wenn eine ganze Branche Pleite geht und Tausende von Arbeitsplätzen wegfallen.

Auch die Gastro- oder Tourismus-Branchen leiden enorm unter der Pandemie. Ihnen fehlen ebenfalls Dutzende Millionen Franken Einnahmen.

Ja, das ist so. Es ist zum Glück – wie bei uns – nicht bei allen Betrieben so, dass sie Geld brauchen. Wir reden nur über Härtefälle! Im Tourismus zum Beispiel gibt es Destinationen, die halbwegs überleben können, etwa in den Bergen. Auch bei uns gibt es Ausnahmen: Betriebe, die noch Umsatz machen und kein Härtefall sind. Geld sollen nur Firmen erhalten, die dieses Jahr weniger als 60 Prozent des Bruttoumsatzes des letzten Jahres verdienen.

Wie sieht die Situation heute in Ihrem Betrieb aus?

Wir machen zirka 70 Prozent des Umsatzes des letzten Jahres, sind also noch kein Härtefall.

Weshalb gelingt Ihnen das?

Wir sind mit unseren 43 Angestellten diversifiziert aufgestellt und arbeiten in vielen Bereichen. Aber auch ein Minus von 30 Prozent ist nicht lustig. Ich habe selber aus meinem Vermögen Geld eingeschossen, damit ich niemanden entlassen muss.

Im Covid-19-Gesetz, dass gerade im Parlament beraten wird, ist eine Härtefall-Klausel vorgesehen. Firmen, deren Umsatz unter 60 Prozent der Vorjahre sinkt, sollen unterstützt werden, wobei die Gesamtvermögenssituation berücksichtigt würde und nur Geld fliesst, wenn der jeweilige Kanton die Hälfte der Hilfe beisteuert. Genügt das?

So, wie es heute im Gesetz steht, ist das OK. Ob es am Schluss genügt, wissen wir nicht, denn niemand weiss, wann die Pandemie zu Ende ist, wann wir also wieder Planungssicherheit haben.

Die Forderung nach dieser Härtefall-Klausel war in der Politik anfänglich umstritten, nun scheint sie eine Mehrheit zu finden. Ist das klassische Lobbyarbeit seitens der Veranstaltungsbranche?

Es war wichtig, dass wir als ganze Branche zusammengestanden sind und gelernt haben, auch, was politische Arbeit heisst. Wir haben über den Sommer alle hart gearbeitet und versucht, in der Politik etwas zu erreichen. Bitte vergessen Sie nicht: Wir sind nicht eine kleine Sparte, wir sind ein Wirtschaftszweig. Der ganze Veranstaltungsbereich mit seinen Wertschöpfungsketten umfasst schlussendlich über 200'000 Angestellte.

Das Gespräch führte Michael Perricone.

Tagesschau, 17.09.2020, 18:00 Uhr;

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46 Kommentare

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  • Kommentar von Sven Zihlmann  (Dr. Gonzo)
    Die meisten Leser hier in den Kommentaren scheinen offensichtlich keine Ahnung von der Veranstaltungsbranche zu haben. Überall Vorurteile von wegen alles sei nur Partykultur.
    Diese Branche ist weit mehr als das. Hochzeiten, Firmenanlässe, Messen, Theater/Opern, Konzerte, Live-TV, Politikveranstaltungen und vieles mehr. Das alles gehört ebenso zu unserer Kultur wie Bars, Restaurants ect.

    Manche sollten sich definitiv besser informieren um was es sich bei dieser Branche handelt.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Sven Zihlmann: Es ist wohl weniger ein Unverständnis gegenüber den Veranstaltern, als die pure Angst davor, wie das weitergehen soll. Man verteilt inzwischen 220 Mio. Fr. bald im Wochentakt, mal hier mal dort; auch an nicht-systemrelevante Branchen. Früher musste bereits um 20 Mio. Fr. gekämpft werden. Diese Ausgaben haben sich inzwischen auf über 72 Mrd. Fr. alleine beim Bund kumuliert. Sie werden unseren zukünftigen finanziellen Spielraum schmälern und auf uns als Steuerzahler zurückkommen.
    2. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Kultur geht doch nicht verloren, nur weil für einige Zeit kürzer getreten werden muss. Andere Branchen müssen auch versuchen, die Krise irgendwie zu überwinden.
  • Kommentar von Javier López  (Javier López)
    Ich habe einmal einen Beitrag über das Leben im alten Zürich gelesen. Da stand ein Satz: Alles, was Freude machte, war verboten.

    Eine Gesellschaft ohne kulturelle und festliche Anlässe kann man als Gehirntod bezeichnen.

    Der Steuerzahler hat die Banken gerettet. Was war Dank oder die Solidarität? Keine!
    Wenn man jetzt diese Branche unterstützt, wie will sie die erhaltene Hilfe zurückgeben (nicht zahlen).

    Ich versuche die erhaltene Hilfe im Leben durch eigene Hilfe weiterzureichen.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Javier López: Das war tatsächlich bis anfangs der 70er Jahre so. Inzwischen hat das Pendel genau ins Gegenteil ausgeschlagen: Street Parade, Züri-Fäscht, Party, Spassgesellschaft, Abfallberge und Littering. Kulturell hochstehend ist das nicht mehr.
    2. Antwort von Walter Matzler  (wmatz)
      Herr Leu, da bin ich ganz bei Ihnen.
  • Kommentar von Julian Rossdeutsch  (JuRo)
    Kultur ist kein Luxusgut. Künstler und Veranstalter im Inland prägen die Schweizer Kulturidentität, schaffen gesellschaftlichen Zusammenhalt und sorgen dafür, dass es noch etwas anderes gibt, als die Arbeit.

    Kultur ist meines Erachtens essentiell für eine Gesellschaft und ein Träger der Kulturidentität einer Nation. Künstler und Veranstalter prägen die kulturelle Identität einer Bevölkerung und haben eine Daseinsberechtigung. Warum Banken mit Milliarden retten und Events nicht?
    1. Antwort von Walter Matzler  (wmatz)
      Kultur ist ein dehnbarer Begriff. Ein hüpfender Schreihals mit einer umgehängten Gitarre mag in ihren Augen Kulturschaffender sein. Ich kann damit nichts anfangen. Sollen doch die Zehntausenden, die jeweils Mithüfpen und Mitschreien dafür sorgen, dass der "Künstler" weiter schreien kann. Meine Aufgabe ist das nicht.
    2. Antwort von Hans Peter  (Byron)
      @wmatz: diese Meinung ist selbstverständlich Ihr gutes Recht. Ich nehme dann aber an, dass Sie auch Verständnis dafür haben, wenn z.B. die Bewunderer des hüpfenden Schreihalses auch keine sterbenden Schwäne mit nach deren Dafürhalte hysterischen Gesängen mehr finanzieren wollen ? Meines Wissens nach fliesst für derartige Darbietungen (welche ich im passenden Umfeld durchaus selber schätze) einiges mehr an Subventionen...
    3. Antwort von Walter Matzler  (wmatz)
      Vielleicht ist das nicht so einfach zu verstehen. Aber wenn ich etwas anbiete das niemand kauft, muss ich etwas anderes machen. So ist es auch mit der Kultur. Was auch immer unter kultur angeboten wird, es ist Sache derjenigen, die das wollen, dafür aufzukommen. Egal ob Maler, Musiker, Komiker oder Schauspieler, wer keine bezahlende Fangemeinde hat, kann nicht einfach verlangen, dass die Allgemeinheit dafür aufkommt.
    4. Antwort von Walter Matzler  (wmatz)
      Selbstverständlich, Herr Peter, habe ich Verständnis, dass nicht jedermann beispielsweise in die Oper oder in die Kunstausstellung gehen will. Vielleicht haben Sie festgestellt, dass nach meiner Meinung vor allen die Klientel der verschiedenen Angebote für die Kosten aufkommen soll und deshalb bin ich auch keine Freund ausufernder Subventionen. Ich denke, dass unsere Vorstellung gar nicht soweit auseinander liegen.