Zum Inhalt springen

Header

Video
Corona-Krise: Wie gut können Heime ihre Bewohner schützen?
Aus 10 vor 10 vom 10.09.2020.
abspielen
Inhalt

Coronavirus Altersheime: «Einige erleben jetzt, wovor alle Angst haben»

Vergangene Woche kam es in mehreren Altersheimen in der Schweiz zu einem Coronaausbruch. In diesen Heimen sind mittlerweile Dutzende Bewohnerinnen und Bewohner sowie Angestellte positiv auf das Virus getestet worden.

Im freiburgischen Siviriez sind sieben Personen daran gestorben. Damit rücken die Altersheime wieder vermehrt in den Fokus. Markus Leser ist Mitglied der Geschäftsleitung des Branchenverbands für Heime. Er leitet dort den Fachbereich Alter und gibt Auskunft über die Massnahmen.

Markus Leser

Markus Leser

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Markus Leser ist Mitglied der Geschäftsleitung des Heimverbands Curaviva und dort Leiter des Fachbereichs Alter.

SRF News: Sind die Schutzkonzepte angesichts der neusten Coronaausbrüche in Altersheimen ausreichend?

Markus Leser: Wir sind der Meinung, dass die Konzepte ausreichend sind. Es gibt Schutzkonzepte auf nationaler und kantonaler Ebene und auf der Ebene der Heime selbst. Was wir jetzt in einigen Heimen erleben, ist das, wovor alle Angst haben.

Wichtig ist, dass alle diese Massnahmen interdisziplinär zwischen Personal, Ärzten, Angehörigen, Besuchern und therapeutischem Personal abgesprochen sind.

Wir müssen uns vor Augen führen, wie gefährlich dieses Virus ist und dass wir einen hundertprozentigen Schutz vielleicht nicht hinbekommen. Wir können nur alles dafür tun, dass das Virus nicht in ein Heim kommt.

Was sind die Eckpfeiler dieser Schutzkonzepte in Alters- und Pflegeheimen?

Es ist ein Bündel von Massnahmen. Ich war gestern in einem Heim als Besucher. Dort musste man sich anmelden und registrieren lassen. Wo es möglich und sinnvoll ist, besteht in diesem Heim eine Maskenpflicht. Gruppen werden getrennt. Dort war es so, dass die Bewohner des Heimes von den Tagesgästen und von den Menschen im betreuten Wohnen getrennt werden.

Es ist wichtig, dass es eine klare Teststrategie gibt. Wichtig ist weiter, dass alle diese Massnahmen interdisziplinär zwischen Personal, Ärzten, Angehörigen, Besuchern und therapeutischem Personal abgesprochen sind.

Es kann auch zu Ausfällen beim Personal kommen, weil Angestellte in Quarantäne müssen. Wie gehen die Heime mit diesem Problem um?

Das ist eine grosse Herausforderung, vor allem, wenn das Personal knapp wird. Da wird oft auf Aushilfen zurückgegriffen, oder man versucht intern Synergien zu knüpfen. Da braucht es eine gewisse Kreativität.

Die strengen Massnahmen mit Besuchsverboten in den Alters- und Pflegeheimen während des Lockdowns wurden stark kritisiert. Nun stellt sich wieder die Frage, ob die Menschen in Heimen genügend geschützt sind. Wie kann man mit diesem ethischen Dilemma umgehen?

Das ist eine schwierige Frage. Es geht um Schutz versus Freiheit und Selbstbestimmung. Uns muss klar sein: Hundertprozentiger Schutz und hundertprozentige Freiheit gehen nicht zusammen.

Es geht um einen ein ganzheitlichen Schutz von Körper, Seele und Geist.

Es gibt keine Standardlösung. Wir müssen uns auch vor Augen führen, dass es beim Schutz eines Menschen nicht nur um körperlichen Schutz geht. Es geht um einen ganzheitlichen Schutz von Körper, Seele und Geist. Und das macht es sehr komplex. Deshalb gibt es fast nur immer Einzellösungen. Man muss herausfinden, was für eine Person das Beste ist.

Das Coronavirus wird uns auch im Herbst und im Winter beschäftigen. Müssen uns an solche Ausbrüche in Altersheimen mit mehreren Todesfällen gewöhnen?

Das hoffe ich nicht. Ich hoffe, dass die Schutzkonzepte möglichst überall konsequent durchgesetzt werden. Aber wir müssen uns bewusst sein, dass Menschen in einem Heim eine stark gefährdete und vulnerable Gruppe sind. Es sind Menschen in einem hohen Alter, meistens irgendwo zwischen 85 bis teilweise über hundert. Es ist selbstverständlich, dass wir grosses Engagement zeigen müssen.

Das Gespräch führte Raphael Günther.

Video
Aus dem Archiv: Schweiz aktuell: Todesfälle in Altersheimen
Aus Schweiz aktuell vom 18.06.2020.
abspielen

SRF 4 News; 10.09.2020, 10:23 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

68 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hansueli Meier  (Moschtbartli)
    Was ich mich schon lange frage? ..sterben die meisten Leute wegen Grippe, oder mit Grippe?? Wieviele, tatsächliche Grippe-tote, abzüglich der hochrechnung gibt es wirklich??
    1. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      Das frage ich mich eben auch. Ich erinnere mich genau. Da hiess es die oder der sei geschwächt und nun wurde der Person eine Lungenentzündung zum Verhängnis. Besonders in der Grippesaison. Wurde da auch eine Übersteblichkeitsstatistik geführt? Oder wurde "das Sterben" anders hingenommen? Corona-Viren gabe es ja schon lange in allen möglichen Varianten.
  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Ich wette, dass die allermeisten Ansteckungen von Bewohnern/Bewohnerinnen in Alters- und Pflegeheimen via dortiges Personal erfolgen - und nicht durch Angehörige oder andere Besucher/-innen. Und ich wette auch, dass das Personal sich nicht konsequent an die Schutzmassnahmen hält resp. dass die Schutzmassnahmen von den Heimleitungen nicht ausreichend konsequent eingefordert werden.
  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    Warum gehen die Verantwortlich inkl. BR. Berset nicht mal raus zum Volk, zu den Senioren, in Heimen, auf Wanderwegen, im Restaurant ums Eck und fragen, was sie von den Massnahmen halten? Ausnahmslos alle älteren Personen, mit denen ich gesprochen habe seit dem Lockdown, finden, dass die Massnahmen übertrieben seien und wenn sie Pech haben und der Virus sie schlimm erwischt, dass sie dann halt nach einem erfüllten Leben sterben werden. Sie finden es unfair, den Jungen gegenüber.
    1. Antwort von Beate Rieger  (Silenzio)
      Ältere Menschen erlebe ich bisher bei Diskussionen um Corona insgesamt relativ entspannt. Ein Grund dafür: Sie sind lebenserfahren und haben schon andere Krisen mitgemacht. Allerdings kritisieren sie die starre Definition der vulnerablen Bevölkerungsgruppen. Vorerkrankungen seien entscheidender: „Alter ist keine Krankheit, es korreliert nur mit Krankheit“. Das 65. Lebensjahr sei plötzlich zu einer Art „Risiko“ geworden. Dabei geht gerne vergessen, wie viele Ü65-Jährige noch aktiv & tätig sind.
    2. Antwort von Beate Rieger  (Silenzio)
      Senioren haben auch Freude am Leben und wollen kein Senioren-Bashing – sondern von „pauschalisierten“ Risikopersonen zurück zum Menschen!
      Von 30 bis 60 Jahre
      ist es genau so lang wie von
      60 bis 90.
      Wer definiert, nach welcher Lebenszeit ein Leben als „erfüllt“ betrachtet wird?
    3. Antwort von Karin Känel  (Ka09)
      Das erlebe ich in meinem Umfeld völlig anders. Man ist vorsichtig aber nicht mehr isoliert, man möchte diese Virus wirklich lieber nicht bekommen und befürwortet die Maßnahmen. Diejenigen welche ausrufen sind halt sehr viel lauter als die grosse aber stille Mehrheit.
    4. Antwort von Petet Schaffner  (schaffnerpe)
      Das har BR Berset vor einiger Zeit gemacht und wurde danach bös kritisiert