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Bundesrat ruft Kantone zum Handeln auf
Aus Tagesschau vom 04.12.2020.
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Coronavirus Hoffen, dass es gut geht

Noch Mitte November schien dem Pistengaudi nichts im Weg zu stehen. Die Zahl der täglichen Neuansteckungen hatte sich in den ersten beiden Novemberwochen praktisch halbiert, von über 10'000 Fällen auf gut 5000 vor zwei Wochen.

Doch seither stagnieren die Zahlen bei gut 4000 Fällen pro Tag. Und ausgerechnet heute vermeldete das BAG erstmals seit dem 1. November wieder einen Anstieg gegenüber der Vorwoche. «Die Situation ist besorgniserregend», sagte Bundesrat Alain Berset.

Es geht um die Existenz der Skigebiete

In dieser Situation musste der Bundesrat handeln. Er tut es mit Einschränkungen für die Skigebiete, mit strengeren Vorschriften für Läden. Vor allem aber stellt er den Kantonen ein Ultimatum. Kantone mit steigenden Covid-Zahlen müssen zwingend handeln. Sonst drohen Zwangsmassnahmen des Bundes.

Bei den Regeln für Weihnachtsfeiern bleibt es bei Empfehlungen. Der Bundesrat setzt also weiterhin auch auf Eigenverantwortung. Er geht damit den gewählten Schweizer Mittelweg weiter. Unbeirrt von der besorgniserregenden Situation. Das zeigt sich auch beim Thema Wintersport.

Der Bundesrat nimmt bestmöglich Rücksicht auf die Skigebiete. Wo immer möglich sollen die Bahnen laufen. Das ist verständlich. Viele Destinationen machen bis zum 6. Januar ein Viertel ihres Jahresumsatzes. Jeder verlorene Tag hinterlässt tiefe Spuren in der Bilanz. Für viele geht es um die Existenz. Sie haben in den letzten Jahren viel in die Modernisierung der Anlagen investiert. Das verursacht Kosten, ob die Anlagen laufen oder nicht.

Schweizer Mittelweg wird immer riskanter

Wirtschaftliche Schadensbegrenzung. Immerhin mit gewissen Leitplanken. Maskenpflicht. Abstandsregeln. Beschränkter Zutritt zu Restaurants. Und reduzierte Kapazität in den Seilbahnen und Gondeln. Damit werden die Skigebiete leben können. Die ausländischen Gäste bleiben so oder so grösstenteils weg. Und vielen Schweizern ist es wohl auch nicht ums Skifahren dieses Jahr.

Einschneidender sind die Bedingungen für die kantonalen Betriebsbewilligungen: Die Skigebiete dürfen nur so lange in Betrieb sein, wie genügend Kapazitäten in den Spitälern, für das Contact-Tracing und für das Testen vorhanden sind.

Damit bleibt die Verantwortung bei den Kantonen. Doch der Bund sorgt für einheitliche Spielregeln. Und er erhöht den Druck auf die Kantone. Graubünden hat bereits gestern mit einem vorsorglichen Mini-Lockdown reagiert. Lieber sich jetzt etwas einschränken, die Spitäler entlasten, sich etwas Luft verschaffen für den Jahreswechsel. Das ergibt Sinn. Doch ob die Strategie aufgeht?

Die Diskussion um das Skifahren über die Festtage zeigt eines überdeutlich: Der Schweizer Mittelweg in dieser zweiten Corona-Welle ist längst zur gefährlichen Gratwanderung geworden.

Man kann nur hoffen, dass das gut geht.

Erwin Schmid

Erwin Schmid

Bundeshausredaktor, SRF

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Erwin Schmid ist Bundeshausredaktor von SRF. Er berichtet seit 2001 für das Unternehmen. Er war Korrespondent in Wien und in Barcelona. Zudem berichtete er als Sonderkorrespondent aus Krisen- und Konfliktregionen. Schmid studierte in Zürich und Wien Umweltnaturwissenschaften und Internationale Beziehungen.

SRF 4 News, 04.12.2020, 16:00 Uhr

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91 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Schor  (Küsu)
    Jeder schiebt den Ball von einem zum andern. Bund und Kantone haben die Übersicht komplett verloren. Vor allem der Hotspot Bern muss sich etwas einfallen lassen. Tourismus hin oder her.
  • Kommentar von Peter Gmoretti  (PeGmo)
    Einfach das schlechteste Krisenmanagement, dass man sich vorstellen kann.
    1. Antwort von Ianet Kienz  (Ianos)
      Dem muss ich leider auch zustimmen. Es wird alles ungebremst weitergehen. So werden wir diesen Krieg gegen den Virus nie gewinnen. Es werden weiterhin zu viele Menschen sterben, vor allem 80+. Es wäre nicht nötig, aber leider wurde vieles verpasst, leider aber auch nichts dazugelernt. Von einer gemeinschaftlichen Solidarität ist nichts mehr zu spüren. Es wird nur noch dem Mammon nachgejagt, aber damit
      wird alles noch viel teurer und vor allem noch viel schlimmer.
    2. Antwort von Dominic Müller  (Domi3)
      @lanos. Es ist kein Krieg gegen das Virus, und gewinnen können wir sowieso nicht. Es gibt nur zu verlieren. In ganz Europa stirbt eine unglaubliche Zahl der Menschen, und dies obwohl unzählige Existenzen vernichtet werden. Von mangelnder Solidarität zu sprechen finde ich sehr zynisch, wenn ich denke, was alles geopfert wird.
  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    "Der Schweizer Mittelweg in dieser zweiten Corona-Welle ist längst zur gefährlichen Gratwanderung geworden."

    In einem Punkt stimme ich zu: Daheim, in feierlicher Stimmung unter ausgewählten Bezugspersonen, drohen wir abzustürzen. Wie tief die Fallhöhe ist, bleibt unklar, aber Covid ist für ernsthaft vorerkrankte Menschen ziemlich sicher sehr gefährlich - und wer fühlt sich davon schon gern angesprochen!

    Ob unsere Nachbarn weniger gratwandern, sehen wir vielleicht bald. Passt auf euch auf!
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Wobei mir unser Weg nicht wie ein Grat vorkommt, sondern ein Weg an einem Wiesenbord entlang, unter dem sich ein Abgrund befindet. Die Massnahmen sind eine Wand, an der wir uns halten, die Empfehlung, seine Kontakte zu reduzieren, ein wackliges und lückenhaftes Geländer. Indem wir uns an die Wand halten, halten wir Abstand, trauen uns aber auch eher vor, die Wand vermittelt Sicherheit. Den ganzen Weg lang aufzupassen, wohin wir unsere Füsse setzen, wäre schwer, Wand und Geländer sollen helfen.