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Weihnachtsmärkte in Zeiten von Corona: Warum auch Bern den Stecker zieht
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 20.10.2020.
abspielen. Laufzeit 02:07 Minuten.
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Coronavirus in der Schweiz O du frustrierende: Weihnachtsmärkte werden reihenweise abgesagt

Gemütlich mit dem Glühwein in der Hand von Stand zu Stand schlendern und an weihnachtlich dekorierten Ständen Geschenke für die Liebsten aussuchen: Das ist voraussichtlich im Advent 2020 nur an wenigen Orten oder unter eingeschränkten Bedingungen möglich. Doch es gibt sie, die Orte und Möglichkeiten.

Zu grosse Risiken und keine Planungssicherheit

Die Organisatorinnen des «Weihnachtsdorfs» auf dem Zürcher Sechseläutenplatz kündeten schon im August an, auf die Durchführung ihres Marktes zu verzichten. Auch aus Respekt vor dem Ungewissen. «Wir haben keinerlei Erfahrung mit Grossanlässen in Zeiten von Corona», sagte damals Mitorganisatorin Katja Weber.

Weihnachtsdorf auf dem Zürcher Sechseläutenplatz
Legende: Den grössten Zürcher Weihnachtsmarkt auf dem Sechseläutenplatz gibt es seit fünf Jahren. Keystone

Man müsse sich der Realität beugen, hiess es bald aus Luzern. Es folgten Absagen aus Einsiedeln, St. Gallen oder Bremgarten AG.

Kapitulation aufgrund der Realität.
Autor: IG Luzerner Herbstmesse/MärkteOrganisatoren «Lozärner Wiehnachtsmärt»

Die rasant steigenden Corona-Fallzahlen der letzten Tage brachten noch einmal etliche Organisatoren dazu, ihren Anlässen den Stecker zu ziehen. So entschied Schaffhausen diesen Montag, den Weihnachtsmarkt zu streichen. Und auch die Veranstalter des grössten Weihnachtsmarkts in Bern, dem «Sternenmarkt», gaben schliesslich auf.

«Sternenmarkt» in Bern
Legende: Trotz ausgearbeitetem Schutzkonzept: Das Risiko ist den Berner Veranstaltern zu gross. Keystone

«Schweren Herzens haben wir dies entschieden, weil die Planungssicherheit nicht gewährleistet ist», sagt Organisator Tom Weingart am Dienstag auf Anfrage von Radio SRF.

Grosse Weihnachtsmärkte in der Deutschschweiz (keine Vollständigkeit)

Weihnachtsmarkt
Stand 20.10.2020
Einschränkungen
Basel Barfüsserplatz
Findet statt
halb so viele Stände, Zugangsbeschränkung und Maskentragpflicht
Bern Sternenmarkt
Abgesagt
Bern Waisenhausplatz
Findet statt
auf grösserem Gelände, Konsumation im Sitzen
Bremgarten AG
Abgesagt
EinsiedelnAbgesagt
LuzernAbgesagt
SchaffhausenAbgesagt
St. Gallen Gallusplatz
Abgesagt

St. Gallen Bohl
Wird am 22.10. entschieden

WinterthurAbgesagt
Zürich Weihnachtsdorf
Abgesagt
Zürich Christkindlimarkt
In der Schwebe, hängt von der Entwicklung der Lage ab

Zürich Niederdorf
In der Schwebe, hängt von der Entwicklung der Lage ab

Zürich Münsterhof
Findet statt

Basel will es wagen – mit Schutzkonzept

Als eine der wenigen Ausnahmen will Basel am Weihnachtsmarkt auf dem Barfüsserplatz festhalten. Sabine Horvath vom Standortmarketing Basel sagt auf Anfrage: «Wir haben ein Schutzkonzept und gehen davon aus, dass wir den Weihnachtsmarkt durchführen.» Eine Absage in letzter Minute sei dennoch nicht auszuschliessen.

Weihnachtsmarkt auf dem Basler Barfüsserplatz
Legende: Auf dem Basler Barfüsserplatz stehen dieses Jahr nur etwa 80 Häuschen, halb so viele wie sonst. Keystone

Den Weihnachtsmarkt durchführen wollen auch die Veranstalter des kleinen Marktes auf dem Zürcher Münsterhof mit 36 Häuschen. «Bei uns hat es genug Platz, wir bleiben dabei», bestätigt eine der Mitorganisatorinnen des Marktes. Die beiden Märkte im Hauptbahnhof Zürich und im Niederdorf stehen hingegen auf der Kippe. «Es steht 50 zu 50», sagt Stephan Dubi vom Verein «Weihnachten Zürich», angesichts der aktuellen Krise. Auch St. Gallen will erst am Donnerstag entscheiden.

Es ist sicher nicht so, dass es keine Weihnachten gibt!
Autor: Felix PalSchweiz Tourismus

Absagen fallen den Organisatoren sehr schwer, denn die Märkte sind auch ein grosser wirtschaftlicher und touristischer Faktor, «gerade für die Städte», sagt Felix Pal von Schweiz Tourismus. Jedes Jahr ziehen sie Hunderttausende Besucherinnen und Besucher an, füllen die Kassen der Markthändler und die Hotelbetten in den Städten. Deshalb schaffe man an Alternativen. Möglich seien kleinere Märkte oder Märkte mit Schutzkonzept. Pal ist überzeugt: «Es ist sicher nicht so, dass es gar keine Weihnachten geben wird.»

Händler unter Schock

Für die Markthändler hingegen geht es jetzt schon um die Existenz: «Wir stehen unter Schock. Wir dachten, es gebe einen Ausweg, wie wir diesen Markt durchführen können», sagt Nina Tegeltija, Geschäftsführerin von Los and Found, welche einen Marktstand am Sternenmarkt betreibt. Der Markt in Bern, aber auch jener am Bellevue in Zürich seien für sie enorm wichtig. «30 – 40 Prozent unseres Jahresumsatzes machen wir in dieser Zeit», so Tegeltija.

Wir dachten, es gebe einen Ausweg.
Autor: Nina TegeltijaMarktfahrerin/Geschäftsführerin von Los and Found

Reto Bähler vom Berner Marktverband schätzt, dass rund die Hälfte der Marktfahrer in der Existenz bedroht sind, wenn sie im Dezember gar keine Stände aufstellen dürfen. «Dann stehen wir vor einem riesigen Problem.» In Bern gibt es als Alternative zumindest den Markt auf dem Waisenhausplatz. In Zürich den Markt auf dem Münsterhof. Trotzdem: mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein dürften diese Angebote nicht sein.

Regionaljournal Bern, Freiburg, Wallis, 12:03 Uhr;

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Marlis Thaller  (Thamar)
    Traurig aber wahr!
    Lassen wir uns von Politik und Wissenschaft nicht Angst machen und geniessen das Leben.
  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Wer überprüft die Maskenpflicht an den stattfindenden Weihnachtsmärkten? Ich hoffe sehr, dass man in den durchführenden Städten nicht plötzlich erschrickt, wenn man bald einmal von Corona-Hotspots spricht. Für mich kommen solche Massenansammlungen nicht in Frage.
    1. Antwort von Peter Hahnau  (Peter Hahnau)
      Dass für Sie solche Massenansammlungen nicht in Frage kommen, ist völlig ok. Für andere Menschen wäre sie aber ok, zumal man ja immer selbst entscheiden kann, ob man sich z.B. am Sonntag Nachmittag in den Pulk wirft oder den Weihnachtsmarkt zu einer Randzeit besucht.
      Diese Entscheidungsmöglichkeit wird uns durch die Absagen in den meisten Städten einmal mehr genommen - und den Ausstellern der Grossteil ihrer Jahreseinnahmen.
  • Kommentar von Reinhard Grünenfelder  (Reinhard Grünenfelder)
    @Claudia. Die Hälfte der Bevölkerung wäre an "sowas" auch im Mittelalter nicht gestorben. Es geht hier nicht um die Pest. Die Sterberate bei Covid-19 beträgt gemäss aktueller Studie der Stanford Universität 0.23%. Bei den unter 70-jährigen 0.05 %. Beim Grippevirus beträgt die Sterblichkeit zum Vergleich zwischen 0.1 und 0.2 %.
    Covid-19 ist schlimmer als die Grippe aber auch nicht wie die Pest!
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      R. Grünenfelder. 0,23% ist die Sterberate über die ganze Bevölkerung. Es sieht ganz anders aus, wennn Sie die über 65 Jährigen anschauen. In der Lombardei waren es 2,5%, in New York 0,5% usw.
      https://news.berkeley.edu/2020/04/24/study-challenges-reports-of-low-fatality-rate-for-covid-19/
    2. Antwort von Semat Özen  (Semat)
      Würden Weltweit die Massnahmen nicht stattfinden, würden die Sterblichkeitsraten viel höher ausgehen wie Sie behaupten Herr Grünenfelder. haben Sie sich mal über diese Szenario Gedanken gemacht?
      @Srf: können Sie bitte mal diese Szenario simulieren? Wäre das möglich?