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Corona drängt Menschen in der Schweiz in die Armut
Aus Rendez-vous vom 05.05.2020.
abspielen. Laufzeit 02:45 Minuten.
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Coronavirus in der Schweiz Wenn der Shutdown direkt in die Armut führt

Kein Einkommen mehr: Viele Menschen – auch Familien – sind zurzeit auf Lebensmittelspenden angewiesen.

Eine Warteschlange von über einem Kilometer mit rund zweieinhalbtausend Menschen, die stundenlang ausharrten, um einen Sack mit Grundnahrungsmitteln wie Reis, Teigwaren oder Öl zu bekommen. Die Bilder stammen nicht aus einem Krisengebiet, sondern mitten aus der Stadt Genf. Das Hilfswerk «Caravane de la Solidarité» verteilte am Wochenende Tausende von Essenssäcken.

Leiter Christophe Jakob sagte gegenüber dem Westschweizer Fernsehen RTS, viele, die angestanden seien, hätten keinen legalen Aufenthaltsstatus. Es seien sogenannte Sans Papiers, die nun nicht mehr als Putzhilfe oder in Restaurants oder Hotels arbeiten könnten und kein Einkommen mehr hätten.

20 Franken für eine ganze Familie

Einige Wochen hätten sie sich über Wasser halten können, indem sie sich zum Beispiel Geld geliehen hätten. Nun sehe er aber ganze Familien, die mit einem Essenssack im Gegenwert von 20 Franken tagelang durchkommen müssen.

Die Bilder aus Genf führen eindrücklich vor Augen, wie die Coronakrise den Ärmsten zusetzt. In der übrigen Schweiz ist die Armut weniger augenfällig, doch Stefan Gribi, Mediensprecher von Caritas Schweiz, sagt, der Eindruck täusche. «Grundsätzlich stellen wir eine Zunahme in der ganzen Schweiz fest.»

Er spricht von einer Zunahme von Menschen, die in den Caritas-Läden günstige Waren kaufen und die sich bei Beratungsstellen melden. «Auch die Anfragen für die Sozialberatungen steigen. Es kommen Leute zu uns, die kein Geld mehr haben, um ihre Rechnungen zu bezahlen.»

Vorher knapp über der Armutsgrenze, jetzt darunter

Es seien längst nicht nur Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus, betont Stefan Gribi. «In der Schweiz lebt rund eine halbe Million Menschen ganz knapp über der Armutsgrenze. Wenn bei diesen ein Teil des Einkommens wegfällt, sind sie in einer schwierigen Situation.» Viele hätten dies Ende April gemerkt, als die Löhne ausbezahlt worden seien, viele hätten weniger erhalten.

Aktuelle Zahlen, wie viele Menschen in der Schweiz nun wegen der Coronakrise neu unter der Armutsgrenze leben, gibt es noch nicht. Bilder wie diejenigen aus Genf deuten aber darauf hin, dass sich die Lage zugespitzt hat.

Video
Aus dem Archiv: Hilfe für die Bedürftigsten in Genf
Aus Tagesschau vom 03.05.2020.
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Rendez-vous vom 05.05.2020

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38 Kommentare

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  • Kommentar von lorenz Bertsche  (lorenz.bertsche)
    Könnte es sein dass dieser Virus ein Vorbote, auf eine andere Zeit sein kann? Wir Menschen entfernen uns immer mehr von Gottes Ordnungen. Meinen wir haben alles im Griff. Sind Könige des egoistischen Treibens geworden. Treiben Kinder im Mutterleib ab, ändern Geschlechter, bringen neu Ehegesetze in die Gesellschaft usw. Alles nach eigenem Gutdünken. Auch jetzt heißt es, WIR selber bringen alles zurecht. Doch im Hintergrund geraten wir noch mehr in eine Überwachungsgeselschaft.
  • Kommentar von Patrick Rey  (PRey)
    Genf ist der vermutlich linkste Ort (Stadt wie Kanton) der Schweiz. Und nun wird sichtbar, was bisher unter den Teppich gekehrt wurde. Nicht wirklich verwunderlich ist da, dass Genf auch die höchste Covid-Fallzahl pro Kopf der Schweiz hat...
    Schwarzarbeit ist illegal, ohne Wenn und Aber, und darf nicht toleriert werden. Der Arbeitgeber bezahlt keine Sozialabgaben, und der Illegale keine Steuern. Wer beim Einen oder beim Anderen (oder Beidem) wegschaut, ist einfach ein riesengrosser Heuchler.
    1. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Zuerst hetzen Sie gegen links, dann bringen Sie im zweiten Abschnitt Forderungen, die im politischen Betrieb der Schweiz immer von der linken Seite gestellt und von rechts bekämpft werden: Dass Firmen wie Privatpersonen Steuern und Abgaben zahlen sollen. Vielleicht passt es Ihnen nicht, dass die Linke diese Menschen in die Legalität holen möchten?
  • Kommentar von Daniel Ackermann  (saskilte)
    Laut der Meinung der Kommentarschreiber*innen vor ein paar Wochen können wie uns einen Lockdown ja problemlos leisten in der Schweiz. Wir habens (hattens) ja.
    1. Antwort von Margrit Berger  (mberger)
      @D. Ackermann, - wenn ein Lockdown bedeutet, Menschenleben zu retten, ist Ihre Frage überflüssig.
      Oder wären Sie bereit, auf eine Behandlung im Spital zu verzichten, wenn es um Ihr Leben ginge?