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Kinder und Corona: Aktueller Wissensstand
Aus Echo der Zeit vom 18.07.2021.
abspielen. Laufzeit 04:52 Minuten.
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Coronavirus Kinder und Corona: Wie geht es nach den Sommerferien weiter?

Wie stark sind Kinder durch das Coronavirus gefährdet? Und: sind sie es überhaupt? Mit solchen Fragen mussten und müssen sich Eltern rumschlagen. Es geht um zum Teil sehr emotionale Auseinandersetzungen – und darum, wie stark die Eltern ihre Kinder einschränken sollen, um sie vor dem Virus zu beschützen.

300 hospitalisierte Kinder – auch vorsichtshalber

Seit Beginn der Pandemie sind in der Schweiz etwa 300 Kinder im Alter von 0 bis 9 Jahren wegen eine Coronainfektion hospitalisiert worden, und noch einmal 170 im Alter von 10 bis 19. Die Zahlen nennt Christoph Aebi, Chefarzt der Universitätsklinik für Kinderheilkunde am Inselspital Bern, und in der Kinderärztlichen Fachgesellschaft der Schweiz federführend im Umgang mit der Coronapandemie.

«Unter den hospitalisierten Kindern waren viele, die mehr vorsichtshalber im Spital aufgenommen wurden», sagt er. «Der Grund war, dass das Krankheitsbild eben neu war und die Kinderärztinnen und Kinderärzte insbesondere in der ersten aber auch in der zweiten Welle sehr vorsichtig waren und in dubio Kinder hospitalisiert haben.» Das hätten sie bei einem Virus, den sie gut kennen, nicht im gleichen Ausmass gemacht.

PIMS: Weiterer Grund für Hospitalisierungen

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Eine weiterer wichtiger Grund für Hospitalisierungen wegen Corona war PIMS, das Entzündungssyndrom, das bei Kindern wenn, dann mehrere Wochen nach einer Coronainfektion auftritt. «In den USA gibt es Zahlen, dass das PIMS-Syndrom 1 von 3500 Infektionen ausmacht. In der Schweiz ist das gleich oder sogar noch seltener», sagt Aebi.

Auch mit Fieber harmlose Corona-Verläufe bei Kindern

Die akuten Coronainfektionen, die nicht zu einem Spitalaufenthalt führen, verlaufen bei Kindern, das ist weiterhin Stand des Wissens, harmlos, auch wenn es zu Fieber kommt. Das bestätigt auch Julia Bielicki, Kinderärztin am Universitätsspital beider Basel, dem UKBB: «Man muss vielleicht Fieber senken, muss darauf achten, dass das Kind genug trinkt. Aber prinzipiell ist überhaupt nicht zu erwarten, dass das schwerwiegender verläuft als eine starke, fieberhafte Erkältung, die Eltern kennen.»

Wir haben 1000 positive Kinder betreut und wir sehen keine schweren Verläufe.
Autor: Julia Bielicki Kinderärztin UKBB

Ihre Erfahrungen im Spital bestätigen das Bild des Coronavirus, das für Erwachsene durchaus gefährlich sein kann, für Kinder aber sehr viel weniger: «Wir haben knapp 1000 positive Kinder im UKBB betreut und wir sehen keine schweren Verläufe», sagt Bielicki.

Legende: Schwere Fälle hat Julia Bielicki nur bei wenigen Jugendlichen miterlebt, die Verläufe hatten wie Erwachsene. Keystone

Nur eine Handvoll Jugendlicher hat Julia Bielicki während der zweiten Welle im Spital am UKBB erlebt, die Verläufe hatten wie Erwachsene und intensivmedizinische Betreuung brauchten.

Schwere Verläufe bei Kindern selten und beeinflussbar

Eine neue Studie aus England unterstreicht dieses Gesamtbild. Die Forscher werteten aus, wie viele Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren in den ersten 12 Pandemie-Monaten an oder mit Corona verstarben. Es waren 61, und nur bei einem Drittel war klar, dass sie durch das Virus starben: «Die meisten tatsächlich mit einer akuten Infektion, wovon die allermeisten Kinder mit Vorerkrankungen waren.» Damit ist die Sterblichkeit pro infiziertem Kind oder Jugendlichen 5 pro Hunderttausend. Sehr niedrig.

Stand jetzt würde ich mir als Eltern keine Sorgen machen.
Autor: Christoph Aebi Chefarzt am Inselspital Bern

Christoph Aebi vom Inselspital Bern betont, es sei wichtig, beim Blick auf diese Zahlen zwei Perspektiven auseinanderzuhalten. Einerseits gebe es die individuelle Ebene der Eltern. «Stand jetzt», sagt Aebi aber, «würde ich mir als Eltern keine Sorgen machen.» Man könne und solle gesunde Kindern und solche mit Vorerkrankungen, die nicht kritisch seien, ohne Ängste in die Schule schicken.

Zahl der schweren Verläufe hängt direkt davon ab, wie viele Infektionen es insgesamt in der Bevölkerung gibt.
Autor: Christoph Aebi Chefarzt am Inselspital Bern

Andererseits seien gesamthaft gesehen schwere Verläufe und Todesfälle unter Kindern und Jugendlichen zwar selten, «aber absolut gesehen, sind es 200 oder 300 schwere Verläufe, das ist nicht zu vernachlässigen.» Die Zahl der schweren Verläufe hänge aber direkt davon ab, wie viele Infektionen es insgesamt in der Bevölkerung gebe. «Wenn wir das Virus unter Kontrolle halten können, wird es nur ganz wenig solcher Fälle geben», so Aebi.

Es ist ein klarer Hinweis: Die Zahl schwerer Verläufe bei Kindern und Jugendlichen ist beeinflussbar. Will man ihre Zahl tief halten, kann man das mit etwas Aufwand erreichen: weiter Impfen, weiter Reihentests, dort, wo sie etwas nützen, weiterhin Abstand, dort, wo es sinnvoll ist.

Echo der Zeit; 18.7.21; 18 Uhr;

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48 Kommentare

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Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    Wie geht es nach Schulbeginn weiter? Es ist wohl eine der schwersten Entscheidungen der Eltern und wir sollten das grösste Verständnis dafür haben. Ich habe auch 3 Kinder, jetzt im
    Erwachsenenalter und ich wäre auch gegen ein Impfung, obwohl ich für Erwachsene ohne
    Gesundheitsrisiko, kein Verständnis habe. Noch immer fehlen Long-Zeit Erfahrungen, und
    diese können nicht abgegeben werden, nach dieser kurzen Zeit.Vor allem nicht von
    Selbst ernannten Spezialisten.Ist gut gemeint aber belastend
  • Kommentar von Katharina Bleuer  (Blk)
    Leider kein Wort von Long Covid Kids. Grossbritannien hat in den Schulen alle Massnahmen aufgehoben und baut nun landesweit 15 "pediatric hubs", um an LongCovid erkrankte Kinder adäquat zu betreuen: "While the majority of children and young people are not severely affected by COVID, ONS data has shown that 7.4% of children aged 2-11 and 8.2% of those aged 12-16 report continued symptoms." (NHS in ihrer Pressemeldung vom 15.6.21)
    Wieso kein Wort darüber?
  • Kommentar von Patrik Moser  (Superunknow)
    Leider wurde in dem Bericht, der einzige Grund völlig ausser Acht gelassen, was gegen eine Durchseuchung spricht.
    LongCovid ist bei Kindern nicht zu verharmlosen. Ist schon klar, dass es bequemer ist, es einfach zu ignorieren.
    Aber wenn man von 1% der infizierten Kinder ausgeht, dann gute Nacht.
    Bei ca. 1,5 Millionen Kinder, sagen wir mal, die Hälfte bei der angestrebten Durchseuchung infiziert = 7500 LongCovid Fälle! Wer will das?
    Wer will da nicht präventiv etwas dagegen unternehmen?
    1. Antwort von Michael Bäuerle  (MichiB)
      "LongCovid ist bei Kindern nicht zu verharmlosen... Wer will da nicht präventiv etwas dagegen unternehmen?" Ich habe 0 Bedenken, meine drei Kinder ganz normal in die Schule zu schicken und, wie in den letzten 18 Monaten auch, sie mit ihren Gspänli spielen zu lassen.
    2. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Gemäss NHS sind es nach 6 Monaten 7.4% der Altersgruppe 2-11 und 8.2% der Altersgruppe 12-16, die noch medizinische Betreuung benötigen.
      Hochgerechnet auf 1.7 Mio unter 20-jährigen in der Schweiz wären das rund 60'000-65'000 Kinder und Jugendliche.
      Können und WOLLEN wir uns das leisten?