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Dagmar Rösler: Auch die Eltern sind in der Pflicht
Aus SRF 4 News aktuell vom 01.12.2022. Bild: Keystone/Christof Schuerpf
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Cybermobbing unter Kindern «Ein vollständiges Handyverbot ist nicht umsetzbar»

Cybermobbing und digitale sexuelle Belästigung unter Jugendlichen nehmen in der Schweiz zu. Ein radikaler Ansatz, um dem Phänomen entgegenzuwirken, ist ein komplettes Handyverbot für die Schülerinnen und Schüler. Das aber sei in der Schweiz nicht möglich, sagt die Zentralpräsidentin des Dachverbands der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer.

Dagmar Rösler

Dagmar Rösler

Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz

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Seit August 2019 ist Dagmar Rösler Zentralpräsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). Sie ist ehemalige Deutsch- und Sportlehrerin.

SRF News: Was bewirken Handys und soziale Medien unter Schweizer Schülerinnen und Schülern?

Dagmar Rösler: Wir wissen aus der James-Studie der ZHAW, dass Jugendliche in ihrer Freizeit täglich drei bis fünf Stunden am Smartphone oder im Internet sind. Umso wichtiger ist es, dass die Geräte nicht auch noch in der Schule benutzt werden.

Ein komplettes Handyverbot an einer Internatsschule in den USA hat gezeigt, dass sich dies sehr positiv auf die Psyche der Jugendlichen auswirkt. Könnte dies auch ein Ansatz für Schweizer Schulen sein?

In der Volksschule wäre das etwas schwierig durchzuführen – die Jugendlichen gehen nach der Schule ja nach Hause, nicht wie im Internat. Deshalb ist ein vollständiges Handyverbot in der Schweiz nicht umsetzbar. Wichtig ist, dass das Handy gezielt eingesetzt wird.

Ein bewusstes Handhaben der Handys tut den Kindern und Jugendlichen gut.

Eine Studie hat etwa gezeigt, dass Kinder und Jugendliche in Lagern deutliche Anzeichen einer Stärkung der psychischen Gesundheit zeigen – weil sie dort oft aufs Handy verzichten. Das zeigt: Ein bewusstes Handhaben der Handys tut den Kindern und Jugendlichen gut.

Wäre immerhin ein generelles Handyverbot an den Schulen in der Schweiz denkbar?

In vielen Schulen und vor allem auf der Primarstufe ist das schon jetzt so. Meist wird das absolute Verbot ab Sekundarstufe dann etwas gelockert – in dem Sinn, dass das Gerät zwar in die Schule mitgebracht werden darf, während des Unterrichts aber weggeschlossen bleibt.

Lehrer dürfen die Handys bei Regelverstössen einziehen, müssen sie aber nach Schluss der Schulstunde wieder zurückgeben.

Dazu gibt es Vorgaben des Kantons, die jede Schule aber wiederum selber umsetzt. Auch dürfen die Lehrer Handys bei Regelverstössen inzwischen einziehen, müssen sie aber nach Schluss der Schulstunde wieder zurückgeben.

Was tun die Schulen zur Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler, was den digitalen Raum angeht?

Die Schule hat die Aufgabe, die Kinder und Jugendlichen darauf hinzuweisen, wie man die Geräte nutzt, was man tun kann und lassen muss – etwa das Hochladen von Fotos in nicht-privaten digitalen Räumen. Sie soll den Kindern einen guten, konstruktiven Umgang mit technischen Geräten beibringen.

Die neue James-Studie zeigt, dass die digitale sexuelle Belästigung unter Jugendlichen zunimmt. Fruchtet die Sensibilisierung an den Schulen also zu wenig?

Die Schule tut, was in ihrer Macht liegt. Viele Kinder und Jugendliche wissen, was sie im digitalen Raum zu tun haben. Doch leider halten sich nicht alle an die Regeln und ihr Handeln ist ihnen wohl zu wenig bewusst.

Die Eltern müssen wissen, was ihre Kinder im Netz tun.

Deshalb muss man immer wieder darauf hinweisen – bekanntlich höhlt steter Tropfen den Stein. Zudem stehen auch die Eltern in grosser Verantwortung: Sie müssen wissen, was ihre Kinder im Netz tun.

Auch Cybermobbing nimmt laut der Studie zu. Was tun die Lehrerinnen und Lehrer dagegen?

Sie sprechen immer wieder mit den Jugendlichen darüber, wie man sich gegenüber anderen verhält, was man bei anderen auslösen kann, wenn man sie verleumdet, beschimpft oder bedroht. Wichtig ist auch, dass jene, die bedroht oder beschimpft werden, dies bei Lehrerinnen, Eltern oder Schul-Sozialarbeitern melden. Sie müssen deutlich sagen, was ihnen passiert, damit Erwachsene ihnen helfen können.

Das Gespräch führte Silvia Staub.

SRF 4 News, 1.12.2022, 06:20 Uhr;

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21 Kommentare

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  • Kommentar von SRF (SRF)
    Liebe Community. Vielen Dank für Ihre Voten. Wir beenden die Diskussion für heute und wünschen eine angenehme Nachtruhe.
  • Kommentar von Reto Weber  (SPQR)
    Ganz sicher nicht die Technologie ist das Problem, sondern wie sie einige Jugendliche auf eine feige Art missbrauchen, um sich gegenseitig fertigzumachen. Da ist wohl eher etwas bei deren Erziehung gründlich schiefgegangen.
  • Kommentar von Michel Koller  (Mica)
    Um soziale Medien zu nutzen, sollte man eigentlich bereits erwachsen sein und über eine gefestigte Persönlichkeit verfügen. Kinder/Jugendliche können diese unmoderierten Plattformen kaum sinnvoll nutzen und es beeinflusst sie stark in ihrer Entwicklung. Es werden dort perfekte Körper und Leben vorgegaukelt und Wunschvorstellungen als Realität verkauft. Dazu kaum direkte Konsequenzen für neg. Verhalten. Dass mit der Nutzung dann Mobbing und Belästigungen zunehmen, liegt eigentlich auf der Hand.
    1. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Michael Koller, wenn ich lese was manchmal erwachsene Politiker in den Plattformen von sich geben, bin ich total nicht einverstanden mit Ihnen. Es gibt auch erwachsene die Mobben und drohen. Hat man ja bei Corona gesehen. Auch Schönheitsoperationen machen viele Erwachsene.
    2. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Nirgends habe ich geschrieben, dass Erwachsene allesamt freundlich sind, aber als Erwachsener kann/sollte man damit umgehen können und ist nicht mehr von Fremdbeurteilungen abhängig. Daher die Aussage mit den gefestigten Persönlichkeiten. Kinder und Jugendliche sind jedoch noch in der Entwicklungsphase und sehr empfänglich und sensibel für Druck, Zuspruch und Ablehnung. Diese Dinge kommen dann auch von Erwachsenen, weil die SM nicht unterscheiden, wer gerade aktiv ist und was konsumiert.
    3. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Na ja, Herr Koller, vor dem Internet interessierten sich Kinder, als sie lesen konnten, auch für Bücher. Manche wünschten sich zu Weihnachten/Geburtstag Bücher aus der Rubrik Abenteuer (z.B. Jack London) oder Science Fiction (Jules Vernes z.B.), was ihrer Entwicklung nicht schadete. Im Gegenteil, manche interessierten sich dann auch für die Natur, wie funktioniert das menschliche Ohr oder wie züchtet man diffizile Zierfische. Manches wurde in die Praxis umgesetzt zur Freude der ganzen Familie...
  • Kommentar von Philipp Notter  (Phil1)
    Klar ginge ein Verbot. Ab 16 Jahren darf man Zigis kaufen, Wein trinken und seine Religionszugehörigkeit ändern, ab 18 Autofahren und Abstimmen. Warum nicht auch erst ab 16 Jahren die Benutzung eines Natels erlauben? Das Leben für die Kids und Jugendliche wäre viel unbeschwerter und sozialer. Die digitale Abhängigkeit und deren Folgen werden m.M. komplett unterschätzt.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Sie wollen also den unter 16 jährigen das Telefonieren mit Mobiltelefonen verbieten? Das wäre ein riesiger Schritt in die Vergangenheit.
    2. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Digitale Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein entstehen nicht durch solche Verbote. Man muss ihnen zeigen, wie man sich verhält, was Schein und was Sein ist. Das läuft u.A. auch über Konsequenzen für schlechtes Verhalten, aber dafür müsste man sich eben auch dort bewegen, wo sie es tun und richtig hinschauen. Sinnvoll wäre natürlich auch, wenn wir Erwachsenen es richtig vorleben würden, aber Mobbing, Ausgrenzung und Angriffe im Netz sind auch bei uns sehr weit verbreitet.
    3. Antwort von Philipp Notter  (Phil1)
      @Albert Planta: Es war nicht alles schlecht früher. Natürlich gab es vor 30 Jahren auch schon Mobbing, aber die Hemmschwelle lag deutlich höher. Vor allem gab es kein Suchtverhalten nach digitaler Welt...
    4. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Notter: früher war der Eintrag ins Telefonbuch obligatorisch und man war deshalb unerwünschten Anrufen viel mehr ausgesetzt, zumal die Nummer des Anrufers nicht angegeben werden konnte. Nicht alles ist schlecht heutzutage. Ich glaube nicht, dass die Smartphones für die meisten Jugendlichen grundsätzlich einen negativen Einfluss haben. Sie kommunizieren halt anders, als wir es gewohnt waren. Das macht vielen Alten Angst.