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Daniel Baumgartners Mission Der Imagebotschafter der Armee

Die Armee wieder attraktiv machen für Junge: Das ist der Auftrag des neuen Armee-Ausbildungschefs. Kann das gelingen?

Legende: Audio Achtung, fertig, Armeereform! abspielen. Laufzeit 16:46 Minuten.
16:46 min, aus Einfach Politik vom 16.03.2018.

Daniel Baumgartner marschiert über den Ausbildungsplatz in Colombier (NE). Schneeflocken fallen. Der Wind geht durch Mark und Bein. «Bei diesem Wetter muss mir keiner etwas von Attraktivitätssteigerung erzählen.» Er weiss: Militärdienst zu leisten, ist kein Zuckerschlecken. Drill, lange Märsche, wenig Schlaf, wenig Selbstbestimmung. «Klar wählen da viele aus opportunistischen Gründen den Zivildienst.»

Ein Porträt von Daniel Baumgartner.
Legende: Seit Anfang Jahr ist der neue Ausbildungschef Daniel Baumgartner unterwegs mit dem Ziel, der Armee einen neuen Anstrich zu verpassen. VBS/DDPS

«Militärdienst gehört dazu»

Kurzer Bürstenschnitt, helle Augen, grosse und kräftige Statur: Daniel Baumgartner ist seit 30 Jahren Berufsmilitär. Damals, als er die Rekrutenschule (RS) machte, war die Einstellung zum Militär eine andere. «Das hat man einfach so gemacht. Das hat dazugehört. Da gab es keine Diskussion, das nicht zu machen.»

Heute steht das Militär im Wettbewerb mit dem Zivildienst. Die Zulassungen zum zivilen Ersatzdienst steigen seit Jahren an. 2017 entschieden sich fast 6800 junge Leute für den Zivildienst. Das ist ein neuer Rekord. Knapp 40 Prozent von ihnen sind solche, die den Militärdienst zuerst angetreten, dann aber abgebrochen haben.

Kein Wunder, kam die Armee 2016 in einer Analyse über ihren Personalbestand zum Schluss: «Die Alimentierung ist in vielen Bereichen ungenügend, insbesondere bei den höheren Kadern fehlen Funktionsträger.»

Fehler erlaubt, denken erwünscht

Das ist der Grund, wieso die Armee auf Anfang Jahr die neue Stelle des Ausbildungschefs geschaffen und Daniel Baumgartner auf diesen Posten berufen hat. Seine Mission lautet: Er muss dafür sorgen, dass die Leute, die einrücken, auch bleiben. Damit das gelingen kann, gelten seit dem 1. Januar unter anderem neue Rahmenbedingungen für die Ausbildung (siehe Textbox): Die Rekruten kommen in den Genuss von mehr Zeit für sich selbst, zwei Jokertagen für unentschuldigtes Fernbleiben sowie mehr Sport.

Die Weiterentwicklung der Armee (WEA)

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Die seit 1. Januar geltende Reform soll die Armee moderner und flexibler machen. Die Bereitschaft der Armee soll erhöht, die Ausbildung und Ausrüstung verbessert, die regionale Verankerung gestärkt werden. Die wichtigsten Eckwerte der weiterentwickelten Armee sind: Der Sollbestand wird auf 100‘000 Mann reduziert, das Armeebudget mittelfristig auf 5 Milliarden Franken pro Jahr erhöht, die Ausrüstung modernisiert und ergänzt.

«Es ist ein Kulturwechsel», betont Daniel Baumgartner. «Der Umgang soll nicht unbedingt sanfter, aber vernünftiger werden.» Die Änderungen sollen verhindern, dass die Rekruten zu Beginn der RS überfordert sind und den Dienst abbrechen – sei es auch physischen oder psychischen Gründen. «Wir lassen keinen zurück. Wenn jemand Probleme hat, dann kümmern wir uns um ihn.»

Nicht nur punkto Sport und Freizeit gibt es Veränderungen, auch beim Umgangston. Die Kommandanten sollen nicht einfach Befehle brüllen, sondern den Zweck ihrer Befehle in einem «respektvollen und angenehmen Umgangston» erläutern. Den Rekruten soll die Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit vermittelt werden. Fehler machen ist erlaubt, selber denken erwünscht.

Auch für die militärische Kaderlaufbahn gibt es Erleichterungen: Neu ist ein verspäteter Eintritt ins Semester an den Hochschulen möglich. Und es wird - abhängig von Dienstgrad und Ausbildungsdauer – eine finanzielle Ausbildungsgutschrift gewährt. Für einen Zugführer beträgt diese bis zu 13’500 Franken.

Auf dem Weg zum «Pfadi-Lager»?

Mehr Schlaf, mehr Freizeit, mehr Sport, weniger Drill – kann die Armee so überhaupt noch funktionieren, auch im Krisenfall? «Selbstverständlich», findet Baumgartner. «Die neu eingeführten Massnahmen zur Belastungsreduktion gelten nur zu Beginn der RS und bedeuten nicht, dass die geforderte Leistung in der RS insgesamt abnimmt.» Das Ziel, aus den Rekruten nach 18 Wochen fertig ausgebildete Soldaten zu machen, werde auch mit den genannten Anpassungen erfüllt.

Natürlich gibt es auch Kritik am Kurswechsel. Die armeefreundliche Gruppe Giardino etwa findet, dass die Jungen als Warmduscher abgestempelt würden und dass es bei der Armee doch gerade um Grenzerfahrungen gehe und die RS nicht zu einem «Pfadi-Lager» verkommen dürfe.

Hubert Annen ist Militärpsychologe an der Militärakademie der ETH. Er findet, es sei noch zu früh, um zu erkennen, ob die Armee auf dem richtigen Weg sei. Doch er verweist auf eine wissenschaftliche Begleitstudie, in der zwei Kompanien miteinander verglichen wurden. Bei der einen Kompanie lief alles wie bisher, bei der anderen wurde auf den guten Umgangston und einen einfacheren Einstieg in die RS geachtet.

Das Resultat: Beide Kompanien erbrachten laut Annen genau die gleiche Leistung. «Nur ist dort, wo das ganze etwas sanfter begonnen hatte, die Zufriedenheit höher gewesen. Die Soldaten waren fitter und es gab auch weniger medizinische Ausfälle.»

Auch auf dem Ausbildungsplatz von Colombier sieht Leutnantin Céline Crosez erste positive Resultate der Armeereform: «In meinem Zug ist bisher niemand weggegangen. Das freut mich sehr. Es ist leider aussergewöhnlich. Ich denke, das ist eine Folge der neuen Regeln.» Unklar bleibt, ob dieser Effekt von Dauer sein wird und die Jungen wirklich dazu bringt, in ihrer individuellen Kosten-Nutzen-Rechnung anders zu entscheiden.

Sendungsteaser.
Legende: SRF

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121 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Assmann-Vogelgesang (Ch.Assmann)
    Wir müssen der Armee unser Vertrauen aussprechen. Sie ist der Spiegel unserer heutigen Gesellschaft. Die Politik setzt die Rahmenbedingungen. Die Globalisierte Wirtschaft hat kein Interesse am Milizdienst. Die Wehrpflichtigen erhalten in der Bevölkerung wenig Anerkennung für die geleisteten Dienste. Die Armee ist mit Ihren Bürokraten zu einer Verwaltung verkommen. Und es fehlt an Materiellen wie Personellen Ressourcen. Man hat als höherer Offizier Stufe Battalion wenig bis gar keinen Einfluss.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser;-)
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Leider fehlt noch immer die Infografik ueber die nach 1945 im Dienst erkrankten, verwundeten, verkrueppelten und getoeteten Wehrpflichtigen. Ebenso wie die Leistungen der Militaerversicherung fuer Erkrankung, Verwundung, Verkrueppelung und Tod von Wehrpflichtigen im Dienst und infolge des Dienstes....
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    1. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      C.Dupond verlangen Sie dies doch Weltweit, wie viel Menschen umgekommen sind, sei dies im Militär oder Zivile. Finde persönlich,wenn es nötig wird sollte ein Land bereit sein, um sich zu Verteidigen, und diese Bereitschaft auch zeigt mit zu helfen das eigene Land zu schützen,nicht einfach davon läuft. Kriege werden immer auf Leben und Tod geführt, dies ist ja das traurige. Das warum es Kriege braucht, hat leider noch niemand beantworten können.
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    2. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Zuviele ziehen es leider vor, mit Schweigen und Faiks abgespiesen zu werden, insbesondere wenn nur Andere Opfer wurden oder werden koennten, als mit statistischen Wahrheiten bedient zu werden....
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    3. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      @Artho - Anstatt fuers global Fantasieren bin ich fuers national Handeln. Die uebertriebenen Eskapaden der Misshandlung von Wehrpflichtigen im Neutralitaetsschutzdienst 1939 bis 1945 habe ich gar ausgespart, obwohl auch diese aufgearbeitet werden sollten. Nicht nur beim Missbrauch von Wehrpflichtigen im tiefsten Frieden sollten wir zuerst die Balken im eigenen Auge kurieren, bevor wir uns ueber die Splitter in fremden echauffieren....
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    4. Antwort von Alex Terrieur (Imfeld)
      @Marlies Artho: WARUM es Kriege braucht? Denken Sie mal an das riesige, anscheinend sehr wichtige Waffenindustrie-Netz und Lebensmittel kann man übrigens nach dem Ablaufdatum eifach wegschmeissen!
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    5. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      C.D. man denkt hier Global, da gehören alle dazu,oder nicht? Der Wahrheit ist es egal, wie sie erlangt wird, denn jeder besitzt die Wahrheit für sich, darum ist es immer schwerer jemanden zu vertrauen. Finden Sie nicht auch, dass jeder zuerst, den eigene frieden bei sich finden sollte, um die Welt besser zu verstehen? Schrieb ja schon einmal, Wohlstand gleich Verlust an Anstand, da gehört eben das wegwerfen von Nahrungsmittel dazu. Die Waffenindustrien Weltweit, wie wollen Sie diese verhindern?
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    6. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      @Artho - Ich bin nicht grundsaetzlich gegen globales Denken. Aber nur solange dabei die Beduerfnisse und Noete der eigenen Buerger nicht vernachlaessigt werden oder gar vergessen gehen. Wenn jeder vor der eigenen Tuere wischen wuerde, statt andere belehren zu wollen, gings fast allen besser. Und um den kleinen Rest koennte sich dann die UNO kuemmern. Solange die Politiker global entweder bloed oder arglistig sind, will ich die Waffenindustrie nicht verhindern, sondern fit aber neutral halten....
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  • Kommentar von Albert Planta (Plal)
    Eine Armee braucht es, wenn die Schweiz unabhängig bleiben will. Allerdings wurde die Armee in den letzten Jahren von Dilettanten geführt und sie ist deshalb Ineffizient und in der Zeit vor der Wende steckengeblieben und deshalb nur sehr bedingt einsatzfähig. Wenn wir kein Geld weiter verschleudern wollen müssten wir die Armee dringend von Grund auf sanieren.
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    1. Antwort von Peter Wolf (PeterWolf)
      "wurde die Armee in den letzten Jahren von Dilettanten geführt" " Geld weiter verschleudern " das sollten Sie erstmal belegen! Fördern Sie doch sonst, so auch hier weiter unten von anderen Forumsteilnehmern. Wenn möglich mit Smilie. Und welche Sanierung sollte die Armee denn machen? Die Abschaff-Sanierung oder wie oder was?
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    2. Antwort von Marlies Artho (marlies artho)
      A. planta Liegt es tatsächlich an den Dilettanten die quasi Ineffizient steckenblieben. Wie sieht es aus bei den Armee-Abschaffer, haben die denn alles bewilligt, was die Armee verbessern wollte? Soviel ich mit bekommen habe, hat man für Bildung mehr Geld ausgegeben, als für das Militär. Heute gelesen, dass Lehrer überfordert seien, wie sieht dies wohl bei denn Kinder aus.
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    3. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Marlies Artho (marlies artho) Das Paradebeispiel für die Verschwendung beim Militär ist die "Renovation" der Bucher-Transporter. Sagt mehr als tausend Worte;-)
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    4. Antwort von Peter Wolf (PeterWolf)
      "Das Paradebeispiel für die Verschwendung beim Militär ist die "Renovation" der Bucher-Transporter."Na das wars doch wieder. Können Sie dies belegen? Fördern Sie doch sonst, so auch hier weiter unten von anderen Forumsteilnehmern. Und ich würde gerne auch ein Smilie bestellen, wenn noch auf Vorrat. Dann vergleichen wir es mit den anderen Departementen. Frau Artho sagt es richtig. Siehe die Geldvernichtung etwa im Bildungsbereich, anstelle es den Lehreren zugute kommen lassen.
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    5. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Fuer Fehlbeschaffungen sind die Politiker, nicht das Miliaerkader verantwortlich. Ob nun schrottreife Laster beim Lobisten von Parlamentariern "modernisiert" werden, die Infanteristen mit den Nadeln des Nationalrates X oder dem Putzset des Staenderates Y usw. pp so ueberladen werden, dass sie die Ausruestung nur noch auf Rollen nachziehen koennen, oder die Flugzeuge statt zur besten Qualiaet und billigsten Preis, nach den Geschaefts- und Gegengeschaeftsmoeglchkeiten von Paramentarierlobisten bes
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