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Sind Schweizer Banken Mitverursacher des Klimawandels?
Aus Echo der Zeit vom 08.07.2019.
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Das Klima und der Finanzplatz Banken und Pensionskassen sollen sauberer geschäften – bloss wie?

Mit der Finanzierung von Kohle und Co. hat die Finanzbranche Einfluss auf den Klimawandel. Nun diskutiert die Politik.

Der Finanzplatz solle miteinbezogen werden, weil er mit der Finanzierung von Kohleenergie und der Erdölindustrie eine grosse Verantwortung an der Klimaerwärmung trage. Das fordern SP und Grüne schon länger. Zuletzt begannen sich auch mehr bürgerliche Politiker für das Thema stark zu machen.

CVP-Ständerat Beat Vonlanthen etwa treibt es in der zuständigen Umweltkommission voran: «Denn auch das Pariser Klimaabkommen stellt die Finanzmittelflüsse als wichtige Säule des Kampfes gegen die Klimaerwärmung dar.» Deshalb plant die Umweltkommission, den Finanzplatz im CO2-Gesetz zu berücksichtigen.

Ernüchternde Untersuchung

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat vor zwei Jahren die Aktienfonds grosser Banken sowie Pensionskassenfonds nach ihrer Klimaverträglichkeit untersucht. Das Resultat war ernüchternd: Ihr Investitionsverhalten wirke demnach auf eine Klimaerhitzung um vier bis sechs Grad hin. Das sei drei Mal soviel, wie es der Klimaschutzvertrag von Paris anstrebe.

Für CVP-Ständerat Vonlanthen ist klar: «Wir kommen nicht darum herum, die Finanzbranche in die Klimapolitik miteinzubeziehen.» Die EU schlage in ihrem Aktionsplan bereits sehr weitgehende Massnahmen vor. Die Schweiz müsse nun eine selbstständige Strategie entwickeln.

Die Frage nach dem «Wie?»

Mehr Transparenz zur Klimawirkung von Investitionen, Zielvorgaben oder gesetzliche Regeln werden nun in der ständerätlichen Umweltkommission diskutiert. Welchen Weg sie wählt, ist noch offen.

Ein Umdenken gibt es auch im Bundesrat. Er setzte bisher auf Freiwilligkeit. Neulich hat er eine Aussprache über Klimaschutz und Finanzplatz geführt und entschieden, dass die freiwilligen Klimaverträglichkeitstests des Bafu nächstes Jahr wiederholt werden sollen.

Erdöl-Pipelines, Fracking und andere hässliche Geschichten, die das Klima massiv anheizen, sollen nicht mehr von Krediten der Schweizer Banken finanziert werden dürfen.
Autor: Beat JansNationalrat (SP/BS)

Zudem will die Landesregierung noch dieses Jahr besprechen, ob es mehr Regulierung braucht. SP-Nationalrat Beat Jans, der für seine Partei eine Strategie für einen klimafreundlichen Schweizer Finanzmarkt verfasst hat, freut sich über die neusten Bewegungen in dieser Frage.

Wenn aber alles nichts bringe, sei die SP dafür, dass man Kredite verbiete: «Kohlekraftwerke sollen nicht mehr von Schweizer Banken finanziert werden. Auch Erdöl-Pipelines, Fracking und andere hässliche Geschichten, die das Klima massiv anheizen, sollen nicht mehr von deren Krediten finanziert werden dürfen.»

Der Anleger soll frei sein, wo er investiert. Es kann nicht sein, dass ihm der Staat vorschreibt, wo er investieren darf.
Autor: Thomas MatterNationalrat (SVP/ZH)

Damit stösst Jans aber bei Bankenvertretern auf Granit. Bankbesitzer und SVP-Nationalrat Thomas Matter findet die Diskussion um die Klimawirkung des Finanzplatzes lächerlich, wie er sagt. Es sei nicht der Finanzplatz, der investiere, es seien die einzelnen Anleger: «Der Anleger soll frei sein, wo er investiert. Es kann nicht sein, dass ihm der Staat vorschreibt, wo er investieren darf.»

Offener zeigt sich die Schweizerische Bankiervereinigung. Sie unterstütze das Bestreben der Umweltkommission, alle Akteure in die Klimapolitik miteinzubeziehen und prüfe selber Massnahmen, um die Finanzströme klimaverträglicher zu gestalten, teilt sie schriftlich mit.

Wie weiter?

Differenzierter sieht auch FDP-Nationalrat und Bankdirektor Hans-Peter Portmann diese Frage. Er wehrt sich zwar gegen Verbote, signalisiert aber, dass er offen sei für neue Vorschläge: «Wir werden Hand bieten und Vorschläge miteinbringen, wenn es um Transparenz geht. Damit der Anleger weiss, was Firmen in seinem Portfolio in Bezug auf die Umwelt tun oder nicht. Und wir werden Hand bieten, wo es um Anreize geht.»

Das habe er auch Umweltministerin Sommaruga zugesichert. Sie habe ihn als Finanzplatzvertreter eingeladen, um zu erfahren, was er über verschiedene Klimaschutzvorschläge denke. Welche dies sind, will er nicht vorwegnehmen.

Bald dürfte die Diskussion intensiver und konkreter werden, wie der Finanzplatz nachhaltiger gestaltet werden soll.

Video
Aktivisten kritisieren umweltschädliche Geschäfte
Aus SRF News vom 08.07.2019.
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44 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Nachtrag I
    Nur um diesen Mechanismus einmal aufzuzeigen. UBS und CS dürften in ihrem Angebot auch Anleihen von RWE haben, die dazu dienen sollen, Kohlekraftwerke/-bergbau in Nordrheinwestfahlen, wie Hambach zu finanzieren. Diese Anleihen gelten als sicher und sie haben eine angemessene Verzinsung, was im Interesse interessierter Anleger, auch von Pensionskassen ist. RWE wiederum ist zu über einem Viertel im Besitz/Aktionariat von deutschen Gemeinden und Städten. Da müsste man demonstrieren!
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    1. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Herr Lang, was soll das Herunterspielen der Verantwortlichkeit einer UBS & CS? Zusammen haben die zirka 11.8% Anteil im Trading-Geschäft (Stand 2013) Die Deutsche Bank zirka 9,2% und Goldman Sachs 10,5%. Wie gesagt wir haben ein Banken-Oligopol. Die Spielregeln werden sei es im Finanzgeschäft wie auch in der Wirtschaft von den zirka 12 systemischen Banken weltweit gemacht. Die 'kleine Schweiz' hat gleich zwei Vertreterinnen im Game.
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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Die Banken sind in diesem Zusammenhang irrelevant, da sie mit dem Geld der Kunden, auf Weisung derselben Anlagen tätigen. Die Anleger sind die Entscheider, nicht die Banken! Bei den Pensionskasse ist es so, dass Risiko und erwarteter Ertrag stimmen müssen, ansonsten haben wir dann zu kleine Renten. Den Kindern sollte man sagen, dass man mit dem Essen nicht spielen sollte, gilt auch hier! Ansonsten wird es dann schnell mal ziemlich teuer, wie die Anleger in nachhaltige Holzfonds bestens wissen!
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    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Nachtrag II
      Unter diesem Aspekt ist es schon verwunderlich, dass vor schweizer Grossbanken Organisationen demonstrieren, die offenbar nur über deutsche Pressesprecher verfügen! Wesentlich naheliegender wäre es ja vor den Türen der SPD regierten Stadt Dortmund zu demonstrieren, immerhin befindet sich da ja der grösste Einzelaktion und Mitbesitzer des Unternehmens RWE! Unter diesem Aspekt muss man zum Schluss kommen, dass die gestrige Aktion gar nichts mit dem Klimawandel zu tun hatte!
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  • Kommentar von Olivier Wetli  ("nicht von dieser Welt")
    Dem Automechaniker sein Broterwerb für seine 5 köpfige Familie entziehen, weil dessen Arbeitgeber hauptsächlich noch Diesel und Benziner verkauft? Dito dem Heizungsmonteur, dem Servicetechniker, dem Aussendienstmitarbeiter usw.usf. In was für einer Diktatur hinein wollen gewisse Kreise eigentlich die Gesellschaft führen? Jeder der mit solchen Firmen und ihrem Geschäftsfeld nicht zufrieden ist, kann ja diese Geschäftsbeziehungen augenblicklich beenden.
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    1. Antwort von Oliver Oettli  (Taino)
      Ja genau, alles das verbieten! Es ist von einer halbwegs intelligenten Spezies zu erwarten, dass sie die Dinge stoppt und abschafft, die ihre Existenz bedrohen.
      Der Automech und der Heizungsmonteur können sich umschulen. Sorry, aber das ist wohl das kleinste Problem, das wir haben! Wenn wir die Situation endlich ehrlich betrachten würden.
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    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Olivier Wetli: Auch E-Autos brauchen Servicetechniker.
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    3. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      Herr Oettli...2tens..... dazu muessten alle Politiker, alle Praesidenten dieser Welt JETZT handeln und am gleichen Strick ziehen..
      Sehen Sie.. wir (WIR) haben die "Schlacht" schon verloren.. ohne den "Krieg" gegen die Veschwendung und die Klimakatastrophe begonnen zu haben.. In ferner Zukunft werden Besucher in unseren Truemmern graben und sich Fragen.. wie konnte eine Kultur wie diese nur so dumm handeln
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